Anne Röttgerkamp

So kauft Deutschland in Echtzeit

Stationärer Handel versus Online-Handel

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E-Commerce & stationärer Handel im Vergleich

Der stationäre Handel in Deutschland erzielte im Jahr 2015 einen Gesamtumsatz von 360,1 Milliarden Euro. Der deutsche Online-Handel holt kontinuierlich auf, liegt aber noch immer bei vergleichsweise bescheidenen 59,7 Milliarden Euro. Der Anteil des E-Commerce am gesamten Einzelhandel liegt bei rund 14 Prozent.

  Gesamtumsatz Einzelhandel   Umsatz: E-Commerce Anteil des E-Commerce am Einzelhandel   Umsatz: Stationärer Handel
Frankreich 436,5 Mrd. € Großbritannien 175,1 Mrd. € 42 % Frankreich 371,5 Mrd. €
Deutschland 419,8 Mrd. € Frankreich 64,9 Mrd. € 15 % Deutschland 360,1 Mrd. €
Großbritannien 413,5 Mrd. € Deutschland 59,7 Mrd. € 14 % Russland 346,1 Mrd. €
Russland 366,6 Mrd. € Spanien 24 Mrd. € 12 % Italien 246,3 Mrd. €
Italien 259,3 Mrd. € Russland 20,5 Mrd. €  6 % Großbritannien 238,4 Mrd. €
Spanien 201,2 Mrd. € Niederlande 16,1 Mrd. € 17 % Spanien 177,2 Mrd. €
Türkei 151,7 Mrd. e Italien 13 Mrd. € 5 % Türkei 147,3 Mrd. €
Niederlande 97,2 Mrd. € Schweiz 8,5 Mrd. € 10 % Polen 84,6 Mrd. €
Polen 89,7 Mrd. € Polen 5,1 Mrd. € 6 % Niederlande 81,1 Mrd. €
Schweiz 83,1 Mrd. € Türkei 4,4 Mrd. € 3 % Schweiz 74,6 Mrd. €
Umsatz pro Kopf: E-Commerce Umsatz pro Kopf: Stationärer Handel
Großbritannien 2.690 € Schweiz 8.954 €
Schweiz 1.020 € Frankreich 5.779 €
Frankreich 1.010 € Niederlande 4.798 €
Niederlande 950 € Deutschland 4.382 €
Deutschland 726 € Italien 4.051 €
Spanien 517 € Spanien 3.815 €
Italien 214 € Großbritannien 3.662 €
Russland 140 € Russland 2.336 €
Polen 134 € Polen 2.193 €
Türkei 56 € Türkei 1.870 €
Gesamtbevölkerung pro Land Internetnutzung: Anteil der Bevölkerung E-Commerce: Pro-Kopf-Ausgaben in Bezug zur Internetnutzung
Russland 146,3 Mio. 73 % 192 €
Deutschland 82,2 Mio. 88 % 826 €
Türkei 78,7 Mio. 54 % 103 €
Großbritannien 65,1 Mio. 92 % 2.924 €
Frankreich 64,3 Mio. 85 % 1.188 €
Italien 60,8 Mio. 66 % 324 €
Spanien 46,4 Mio. 79 % 654 €
Polen 38,6 Mio. 68 % 194 €
Niederlande 16,9 Mio. 93 % 1.024 €
Schweiz 8,3 Mio. 88 % 1.160 €

Die Ergebnisse wurden teilweise ab- beziehungsweise aufgerundet, deswegen können sie Abweichungen enthalten.

Online bestellen oder in den Laden gehen?

Das Online-Shoppen machte dem stationären Handel in den letzten Jahren zunehmend zu schaffen. Das bequeme Stöbern im Sortiment von der Couch aus, die Verfügbarkeit des Shops 24 Stunden am Tag, die Vergleichbarkeit der Preise in Kombination mit hilfreichen Kundenrezensionen sowie die Lieferung an die Haustür werden für immer mehr Verbraucher zugkräftige Argumente dagegen, sich selbst zum Ladengeschäft zu begeben. Doch wer nun schon die Verödung der Innenstädte prophezeit und Filialen vor Ort als mittelalterliche Überbleibsel einer defizitären, weil internetlosen Gesellschaft bezeichnet, urteilt vorschnell. Ganz so simpel funktionieren Verbraucher nicht. Die Bequemlichkeit der Kunden ist ein Motor des E-Commerce, ihr Bedürfnis nach Erlebnis, Erfahrung und Beratung jedoch eine Chance des stationären Handels. Denn das Fühlen, Riechen, Aus- und Anprobieren bleibt ein Privileg des Geschäfts vor Ort.

Der Kampf um die Gunst der Kunden

Die Herausforderungen der Zukunft bestehen für die klassischen Läden also darin, alte Klischees von Produkt- und Servicewüsten zu überwinden und Annehmlichkeiten für ein besonderes Einkaufserlebnis im Laden zu schaffen. Kunden wollen weder seelenlosen Endlos-Regalen gegenüberstehen noch von wortreich zum Kauf drängelnden Verkäufern umschwärmt werden, sondern freundlich-modern eingerichtete Shops aufsuchen und ehrliche Beratung erhalten. Die Online-Shops hingegen müssen sich immer weiter um den Komfort der Käufer bemühen, ohne sich mit auswuchernden Versand- und Retourenkosten in den Konkurs zu hofieren – und ohne der Ozonschicht mit den Treibhausgasen der wachsenden Flotte von Versanddienstleistern so langsam den Garaus zu machen. Gerade in Deutschland herrscht eine europaweit einmalige Retouren-Kultur. In Frankreich etwa senden die Verbraucher bestellte Ware nur halb so oft zurück wie in Deutschland (was sicher damit zusammenhängt, dass französische Online-Shops fast ausschließlich die Vorkasse als Zahlungsart akzeptieren, während deutsche Verbraucher großenteils erst dann auf Rechnung zahlen, wenn sie sicher sind, dass sie die Bestellung behalten).

Wo wir uns inmitten dieses gesellschaftlichen Wandels unseres Einkaufsverhaltens gerade befinden, zeigt die Netzsieger-Recherche in konkreten Zahlen auf.

Schweizer beim Geldausgeben on- und offline ganz vorn dabei

Die Schweizer sind die überdeutliche Nummer eins beim Geldausgeben im traditionellen stationären Handel. Im Schnitt geben sie pro Kopf 8.954 Euro aus, und somit satte 35 Prozent mehr als die zweitplatzierten Franzosen. Diese lassen pro Kopf durchschnittlich 5.779 Euro in den Ladengeschäften. Mit einem Abstand von fast exakt 1.000 Euro folgen ihnen unsere Nachbarn aus den Niederlanden auf Platz drei. Deutschland rangiert auf Platz vier. Du Bundesbürger tragen pro Kopf und Jahr im Durchschnitt 4.382 Euro in die Geschäfte vor Ort. In etwa die Hälfte dieses Betrags – 2.193 Euro – geben unsere östlichen Nachbarn aus Polen im stationären Handel aus. Mit 1.870 Euro geben die Türken am wenigsten Geld im stationären Handel aus.

Interessanterweise geben die Schweizer nicht nur das meiste Geld in den Ladengeschäften aus, sondern shoppen sich mit 1.020 Euro pro Kopf auch online auf den zweiten Platz. Ihnen gehen nur noch die Briten mit dem Anderthalbfachen dieses finanziellen Volumens voran – ganze 2.690 Euro transferiert das Inselvolk durch den Breitbandanschluss. Frankreich und die Niederlande folgen auf einem sehr ausgeglichenen Level von knapp über und knapp unter 1.000 Euro auf Platz vier und fünf. Mit etwas größerem Abstand (750 Euro) platziert sich Deutschland auf Rang fünf, womit die Bundesrepublik hinsichtlich der Pro-Kopf-Ausgaben sowohl im Online- als auch im stationären Handel das Mittelfeld einnimmt. Überhaupt fällt auf, wie sich die Ranglisten relativ deutlich zweiteilen. In der oberen Hälfte der Ranglisten finden sich eher mittel- und westeuropäische Länder. Der Pro-Kopf-Umsatz fällt dort also sowohl im Online- als auch im stationären Handel tendenziell höher aus. In den ost- und südeuropäischen Ländern zeigen sich die Menschen hingegen weitaus weniger kauflustig, wobei Russland, Polen und die Türkei in beiden Statistiken jeweils die drei hinteren Plätze belegen.

Online-Shopping unter Briten besonders beliebt

Die vermeintlich modebewussten Franzosen präferieren noch immer den stationären Handel vor dem E-Commerce-Geschäft. Das gilt auch für die Niederlande. Bereits 17 Prozent des Gesamtumsatzes werden online erzielt. Eine besondere Affinität für den Einkauf über das Internet beweisen hingegen die Briten: Sie generieren satte 42 Prozent des Umsatzes online – nicht allzu verwunderlich bei der innovativen Startup-Mentalität auf der Insel. Bei den Türken scheint das Internet noch nicht das volle Vertrauen erworben zu haben. Lediglich 2,8 Prozent des Einzelhandelsumsatzes werden online erzielt. Im Schnitt gibt jeder Türke mit Internetanschluss nur 103 Euro online aus. Das sind 1.767 Euro weniger als für offline vorgenommene Käufe. An der Spitzenposition des Gesamtumsatzes steht Frankreich. Die Deutschen befinden sich mit Umsätzen von 419 Milliarden Euro auf Platz zwei des Gesamtrankings.