Rezeptfreie Medikamente

Rezeptfrei

Rezeptfrei, aber wirksam?

Ob Hustensaft, Kopfschmerztabletten oder Arzneitee – in Apotheken gibt es neben verschreibungspflichtigen Medikamenten auch rezeptfreie Angebote, die gegen lästige Alltagsbeschwerden behilflich sind. Daher führt der erste Weg bei einer Erkältung häufig in die Apotheke und nicht etwa in die Arztpraxis. Neben Hustenlösern und Nasensprays finden Kunden dort unter anderem Mittel gegen Sodbrennen, Durchfall und Verstopfung. Diese so genannten OTC-Arzneimittel („over the counter“, zu Deutsch „über die Ladentheke“) gelten als sicher und nebenwirkungsarm, weshalb sie keiner ärztlichen Verordnung bedürfen. Ein Teil der rezeptfreien Arzneimittel finden wir sogar in der Fernsehwerbung oder in Zeitschriftenanzeigen wieder.

Freiverkäuflich oder apothekenpflichtig?

Rezeptfreie Medikamente untergliedern sich in zwei Gruppen: Zum einen verkaufen Apotheken Arzneimittel, die nur dort erhältlich sind. Neben den apothekenpflichtigen Medikamenten, die gängige Arzneistoffe in schwacher Dosierung enthalten, gibt es zum anderen auch freiverkäufliche Präparate. Diese enthalten schwache Bestandteile oder nur gering dosierte Wirkstoffe. Darunter fallen etwa Kräutertees, Mineralstoffe oder Vitaminpräparate, die auch in Drogerien oder Supermärkten erwerbbar sind. Der Status ist von der jeweiligen Einstufung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) abhängig.

Rezepfrei vs Rezeptpflichtig
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Während manche Medikamente nur in Apotheken erhältlich sind, gibt es andere in jeder Drogerie.

Besonders bei leichteren Beschwerden sparen sich Verbraucher mithilfe rezeptfreier Arzneimittel den zeit- und oft nervenaufreibenden Arztbesuch. Rezeptfreie Medikamente sind aber nicht automatisch weniger wirksam, und schon gar nicht gefährlich. Ganz im Gegenteil: Gerade weil sie als effektiv und darüber hinaus gut verträglich eingestuft sind, eignen sie sich problemlos zum rezeptfreien Verkauf und zur Selbstmedikation. Komplett harmlos sind sie trotzdem nicht, denn auch bei rezeptfreien Medikamenten sind Patienten nicht vor möglichen Neben- oder Wechselwirkungen gefeit.

Von der Beantragung bis zur Zulassung

Wenn ein Hersteller die Zulassung für ein neues Medikament beantragen möchte, muss er zunächst beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte alle Unterlagen über dessen Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität einreichen. Im Anschluss entscheidet das BfArM, ob alle Anforderungen erfüllt sind. Bestätigen sich die Erwartungen der Pharmafirmen in den Laborversuchen, folgen im nächsten Schritt die Tierversuche. Erst nach der Feststellung einer guten Verträglichkeit folgen klinische Versuche an Menschen.

Obwohl die rezeptfreien Medikamente keiner ärztlichen Verordnung bedürfen, haben Ärzte die Möglichkeit, ihren Patienten Vorschläge auf den speziell dafür vorgesehenen grünen Rezepten nahezulegen. Dabei handelt es sich jedoch nur um professionelle Empfehlungen, die gern genutzt werden. Da Rezeptfreie Präparate keiner Preisbindung unterliegen, lohnt sich ein Preisvergleich in den stationären sowie in den Online-Apotheken. Sowohl in der Filiale als auch im Web stehen kompetente Pharmazeuten zur Verfügung, die ihren Kunden nicht nur Ratschläge geben, sondern sie auch über mögliche Nebenwirkungen aufklären.

Rezeptfreie Medikamente im Überblick

Für alltägliche Leiden gibt es eine Vielzahl von Rezeptfreien beziehungsweise freiverkäuflichen Arzneimitteln in Apotheken.

Schmerzen

Gegen Schmerzen, seien es Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Regelschmerzen, verwenden Verbraucher unter anderem

  • Aspirin mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS),
  • Paracetamol, etwa als Zäpfchen, oder
  • Ibuprofen, was sich als Entzündungshemmer eignet.

Die Präparate sind vor allem als Tabletten, zum Teil auch als Brausetabletten, sowie niedrig dosiert erhältlich.

Husten

Plagt Verbraucher ein Husten, beispielsweise als Nachwirkung einer Erkältung, möchten sie deswegen nicht unbedingt einen Arzt aufsuchen. In einer Apotheke finden sie rezeptfreie Abhilfe, zum Beispiel mit

  • dem Hustenstiller Dextromethorphan, der die gereizten Bronchien beruhigt und trockenen Reizhusten lindert,
  • dem Hustenlöser Acetylcystein (ACC), der die Bronchien vom Schleim befreit und das Abhusten erleichtert, sowie
  • Xylometazolin, das abschwellend auf die Nasenschleimhaut wirkt.

Zusätzlich gibt es günstige Salzlösungen, die wie Meerwasser wirken.

Heuschnupfen

Sobald die Pollenzeit im Frühling anbricht, verlagern sich die Kassenschlager in den Apotheken hin zu Mitteln gegen Heuschnupfen. Hierbei helfen

  • Antihistaminika wie Ceterizin, die nicht ermüden,
  • Azelastin, das akute Allergiesymptome lindert – entweder als Augentropfen oder Nasenspray –, sowie
  • Lodoxamid, das verbeugend gegen die Freisetzung von Histaminen wirkt.

Da für alle Wirkstoffe auch günstigere Nachahmerpräparate existieren, lohnt sich bei den Allergiemitteln der Preisvergleich besonders.

Sodbrennen

Arzneien gegen Sodbrennen sind größtenteils freiverkäuflich. Zu den höher dosierten und somit verschreibungspflichtigen Mitteln unter ihnen zählen beispielsweise

  • das säurebindende Mittel Antrazida,
  • der Protonenpumpenhemmer Omeprazol, der die Produktion von Magensäure ausbremst, oder
  • der H2-Blocker Ranitidin.

Während Antazida eher bei gelegentlichem Sodbrennen zu empfehlen sind, helfen H2-Blocker auch bei anhaltenden Reflux-Beschwerden wirksam. Noch stärker dosiert sind die Protonenpumpenhemmer.

Durchfall

Bei Durchfall möchten die Betroffenen in der Regel nicht sofort einen Arzt aufsuchen. Daher helfen verschreibungsfreie Präparate wie

  • das Opioid Loperamid, das die Aktivität der Darmmuskulatur verlangsamt, oder auch
  • Elektrolyte, die den Wasser- und Salzhaushalt stabilisieren.
Wunden

Für oberflächliche Wunden haben die meisten Apotheken zudem Salben auf Basis von

  • Dexpanthenol (entzündungshemmend und wundheilungsfördernd),
  • Zinkoxid (antiseptisch und austrocknend) sowie
  • Hamamelis (entzündungshemmend und blutstillend)

im Angebot.

Achtung, Nebenwirkungen!

Auch bei rezeptfreien Medikamenten sind Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Schmerzmittel wie Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen lindern zwar Fieber sowie Kopf- und Rückenschmerzen, können aber unter Umständen Magenschmerzen, Übelkeit beziehungsweise Erbrechen und Sodbrennen nach sich ziehen. Der in Aspirin enthaltene Wirkstoff ASS kann nicht nur Geschwüre und Blutungen im Magen beziehungsweise Darm hervorrufen, sondern auch Asthmaanfälle auslösen und die Nieren schädigen. Da Aspirin zudem blutverdünnend wirkt, kann es nach bestimmten Operationen zu Komplikationen führen. Ibuprofen hilft zwar bei Rücken- und Gelenkschmerzen, schädigt aber ebenfalls den Magen und erhöht eventuell das Risiko eines Herzinfarkts. Dosiert ein Verbraucher Paracetamol falsch, können Leberschäden die Folge sein.

Vorsicht beim Kauf von Potenzmitteln

Bei rezeptfreien Erektionsmitteln handelt es sich in den meisten Fällen um Fälschungen, die gefährliche Folgen haben können. Darin enthaltene Stoffe wie Kokain, Leim oder sogar Gifte wirken sich gesundheitsschädigend aus. Daher empfiehlt es sich, die Hemmschwelle zu überwinden und einen Arzt aufzusuchen. Als diskrete Alternative gibt es in Versandapotheken Potenzmittel per Online-Rezept.

Selbst Nasensprays und die darin enthaltenen Wirkstoffe Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Naphazolin haben eine gefährliche Nebenwirkung, genauer gesagt einen Gewöhnungseffekt. Dieser besteht darin, dass die Nase bei Ausblieben des Sprays auch dann noch zuschwillt, wenn der Schnupfen längst vorbei ist. Schließlich sind auch Mittel gegen Sodbrennen nicht gänzlich harmlos: Die so genannten Säureblocker lösen unter Umständen neben Verdauungsstörungen auch Müdigkeit und Schlafstörungen sowie Kopfschmerzen aus.

Die Kostenerstattung: So erhalten Kunden ihr Geld zurück

Seit einigen Jahren dürfen die gesetzlichen Krankenkassen selbst entscheiden, ob sie die Kosten für rezeptfreie Medikamente erstatten. Mittlerweile hat bereits mehr als die Hälfte aller Versicherungen in Deutschland OTC-Mittel als Satzungsleistung in ihren Satzungskatalog aufgenommen. Welche Kassen darunterfallen, ist anhand einer Liste des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ersichtlich. OTC-Arzneien verschreibt der Arzt mittels eines grünen Rezeptscheins beziehungsweise per Privatrezept. Dieses müssen Verbraucher anschließend zusammen mit der Quittung bei ihrer Krankenkasse einreichen. Einige Kassen erstatten nur bestimmte Arten von Medikamenten, zum Beispiel lediglich homöopathische Präparate. Andere legen eine Erstattungsobergrenze (zwischen 50 und 500 Euro jährlich) oder Eigenbeteiligung des Patienten fest.

Wer sich unsicher ist, fragt direkt bei seiner Krankenkasse nach. Falls diese die Kosten nicht erstattet, sollte der Verbraucher gegebenenfalls trotzdem die Quittung und das Rezept aufbewahren, um sie bei der Steuererklärung einzureichen und als außergewöhnliche Belastung abzusetzen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn das Medikament

  • für Kinder unter 12 Jahren gedacht ist,
  • zum Therapiestandard gehört,
  • gegen Allergien zum Einsatz kommt oder
  • zur Behandlung von Demenz genutzt wird.

Obwohl nicht alle gesetzlichen Kassen rezeptfreie Arzneimittel erstatten, sind die meisten Ärzte von deren Wirkeffekten überzeugt, weshalb sie weiterhin geschäftig grüne Rezepte ausstellen.

Tipps zur Eigendiagnose: So helfen Sie sich selbst

Eine falsche Selbstdiagnose mit anschließender Eigenmedikation kann gefährliche Konsequenzen haben. Folgendes sollten Sie beachten:

  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Selbstdiagnose so genau wie möglich ist.
  • Wählen sie ein Präparat anhand der Inhaltsstoffe, nicht anhand des Markennamens.
  • Behandeln Sie die Symptome gezielt. Je weniger Bestandteile das Mittel enthält, desto mehr konzentriert es sich auf deren Behandlung.
  • Lesen Sie sich die Packungsbeilage des ausgewählten Medikaments sorgfältig durch.
  • Überschreiten Sie nicht die empfohlene Dosis oder die angeratene Einnahmedauer.

Auf dem Etikett (auch als „Drug Facts“ bezeichnet) finden Verbraucher im Idealfall

  • die aktiven Bestandteile, also den Wirkstoff beziehungsweise die Menge der einzelnen Inhaltsstoffe,
  • die Erkrankungen, für die das Medikament empfehlenswert ist,
  • die Warnhinweise, die beschreiben, wann das Mittel nicht zu verwenden oder ein Arzt aufzusuchen ist,
  • die Anweisungen für unterschiedliche Altersgruppen,
  • weitere Informationen, etwa zur Lagerung, und
  • die Hilfsstoffe, darunter Substanzen wie Geschmacksstoffe zur Erleichterung der Einnahme.

Bei der Wahl eines OTC-Medikaments empfiehlt es sich häufig, den Apotheker um Rat zu fragen, denn dieser weiß am besten, welches Arzneimittel für die jeweiligen Beschwerden optimal geeignet ist.