Mobiles Internet für zu Hause – eine sinnvolle DSL-Alternative?

Mobiles Internet für zu Hause – eine sinnvolle DSL-Alternative?

Dank Verträgen mit unlimitiertem Datenvolumen ist es möglich, ausschließlich über das Mobilfunknetz zu surfen. Ein DSL-Anschluss wäre in dem Fall unnötig. Fast alle Mobilfunkanbieter werben mittlerweile mit mobilem Internet für zu Hause. Aber ist das Mobilfunknetz wirklich eine Alternative zum Festnetzanschlussnetz? Für wen eignet es sich?

Die Sache mit dem schnellen Internet

Um in den eigenen vier Wände im Internet zu surfen, sind DSL-Anschlüsse die beliebteste Methode. Immerhin bietet DSL unlimitiertes Datenvolumen und Bandbreiten von mehr als 250 Megabit pro Sekunde zu günstigen Preisen. Viele Nutzer, vor allem solche aus ländlichen Gegenden, müssen aber feststellen, dass schnelles DSL an ihrem Wohnort nicht verfügbar ist. Selbst wenn ein Breitbandanschluss vorhanden ist, liegt die Geschwindigkeit nicht selten bei weniger als 50 Megabit pro Sekunde, zum Teil sogar bei nicht einmal 16 Megabit pro Sekunde. Das hat etwa zur Folge, dass Downloads schleppend laufen, Videoanrufe abbrechen, Streams stocken und Online-Spiele nahezu unmöglich sind.

Darüber hinaus haben Sie nach einem Umzug nicht sofort Internet zur Verfügung. Einen Festnetzanschluss einzurichten, erfordert meist den Besuch eines Technikers zur Freischaltung. Je nach Region und zuständigen Personen dauert es teils mehrere Wochen, bis Sie ins Internet kommen.

Zu Hause vollständig auf Mobilfunk umzusteigen, soll diese Probleme beheben können. Zum einen bietet LTE eine Datenrate von bis zu 300 Megabit pro Sekunde, zum anderen können Sie nach einem Umzug das Internet direkt nutzen.

Wie sich die DSL-Alternative einrichten lässt

Um für den gesamten Haushalt Internet über Mobilfunk einzurichten, benötigen Sie einen geeigneten Mobilfunkvertrag und einen speziellen LTE-Router oder einen mobilen WLAN-Router, um mehreren Geräten Zugriff zum Internet zu gewähren.

Bei der Wahl des Mobilfunkvertrags müssen Sie zwischen Netzabdeckung, Datenvolumen und Geschwindigkeit wählen. Zwar ist die LTE-Abdeckung so weit fortgeschritten, dass es kaum noch Orte gibt, an denen keiner der Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2/Telefónica vertreten sind, aber das bedeutet nicht, dass alle in ganz Deutschland gleichermaßen zur Verfügung stehen. Praktischerweise lässt sich die Funkabdeckung in Ihrer Region mithilfe der Karte der Bundesnetzagentur prüfen, sodass Sie nicht versehentlich den falschen Anbieter wählen.

Nachdem Sie sich über die Netzverfügbarkeit informiert haben, gilt es, die Tarife und Angebote der Anbieter unter die Lupe zu nehmen. Vergessen Sie dabei nicht Reseller wie Congstar oder mobilcom debitel.

Für die Nutzung zu Hause gibt es spezielle Kombi-Angebote bestehend aus Mobilfunk-Router und Mobilfunkvertrag, darunter die Telekom Speedbox, den Vodafone GigaCube und den O2 Homespot. Die Router bauen eine Verbindung zum Mobilfunknetz auf und erzeugen ein WLAN-Heimnetzwerk, auf das alle Geräte in der Wohnung Zugriff haben. Alternativ können Sie einen regulären Mobilfunkvertrag abschließen und einen Router separat kaufen beziehungsweise mieten.

LTE-für-Zuhause versus klassische Mobilfunkverträge

Die Mobilfunk-Angebote der Hersteller unterscheiden sich vorwiegend anhand des Preises, des Datenvolumens sowie der Geschwindigkeit. Der O2 Homespot stellt beispielsweise unlimitiertes Datenvolumen bereit, ermöglicht aber nur eine maximale Geschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde. Vodafone hingegen erlaubt Geschwindigkeiten von bis zu 500 Megabit pro Sekunde, bietet jedoch lediglich Tarife mit einem Datenvolumen von bis zu 620 Gigabyte an. Während Sie die Speedbox und den GigaCube überallhin mitnehmen können, ist der Homespot nur daheim nutzbar. Dafür punktet O2 mit günstigen Preisen und einem Telefonanschluss, während es sich bei den beiden Konkurrenten um reine Datentarife handelt.

Die klassischen Mobilfunkverträge der Dienstleister sind meist teurer als die LTE-Zuhause-Angebote derselbigen. Darüber hinaus gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern. Während O2 my Home M mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde zum Beispiel monatlich 29,99 Euro kostet, zahlen Sie bei O2 Free Unlimited Smart 39,00 Euro im Monat für 10 Megabit pro Sekunde. Beim klassischem Mobilfunkvertrag ist der Sprung zum höchsten Tarif hinsichtlich Preis-Leistung verglichen mit dem my-Home-Vertrag riesig: Für 59,99 Euro können Sie mit Free Unlimited Max eine Geschwindigkeit von 500 Megabit pro Sekunde genießen, beim LTE-Zuhause-Vertrag sind es bei my Home L 35,99 Euro für 100 Megabit pro Sekunde.

Verglichen mit der Telekom Speedbox oder dem Vodafone GigaCube ist aber selbst Free Unlimited Max preiswert: Immerhin kostet der Tarif mit dem höchsten Datenvolumen (500 Gigabyte regulär, mehr je nach Aktion) bei Vodafone 74,55 Euro. Die Speedbox gibt für 39,95 Euro nur 100 Gigabyte frei. Der Telekom-Mobilfunkvertrag Magenta Mobil XL mit unbegrenztem Datenvolumen und einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde kostet 84,95 Euro.

Sind Top-Geschwindigkeiten und unbegrenztes Datenvolumen nötig?

Wie viel Bandbreite und Datenvolumen Sie für Ihr häusliches Internet benötigen, ist von Ihrem Nutzerverhalten sowie der Haushaltsgröße abhängig. Wer nur gelegentlich im Internet surft und sich über E-Mail und soziale Medien auf dem Laufenden hält, benötigt O2 zufolge nicht einmal eine Geschwindigkeit von 10 Megabit pro Sekunde. Gehören Sie zu denjenigen, die gern Serien und Filme streamen oder downloaden, sind mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu empfehlen: Für einen zwei-Gigabyte-Download ist bei 10 Megabit pro Sekunde immerhin eine Wartezeit von etwa 26 Minuten erforderlich. Für Dauersurfer gilt O2 zufolge: je schneller, desto besser. Streamen etwa drei Haushaltsmitglieder gleichzeitig, laden die Streams sehr lange oder ruckeln, sofern die Bandbreite nicht groß genug ist. In diesem Beispiel ist eine Geschwindigkeit von mindestens 150 Megabit pro Sekunden sinnvoll.

Beim nötigen Datenvolumen verhält es sich ähnlich: Wer etwa Serien, Filme und Musik streamt, verbraucht weitaus mehr Datenvolumen als alle, die nur surfen und Mails checken. Pro Gigabyte Datenvolumen können Sie etwa

  • eine Stunde Serien streamen,
  • 300 Fotos senden beziehungsweise empfangen und
  • 1.000 E-Mails aufrufen.

Wenignutzer benötigen möglicherweise nur ein paar Gigabyte im Monat, ihnen genügt ein normaler Smartphone-Tarif. LTE-für-Zuhause-Angebote starten meist bei 100 Gigabyte. Dieser Umfang eignet sich für Durchschnittsnutzer, die hin und wieder Videos oder Musik streamen und in sozialen Netzwerken aktiv sind. Wer seine Lieblingsfilme und Serien ausschließlich online schaut, benötigt mehrere hundert Gigabyte Datenvolumen. Vodafone zufolge ist es mit 620 Gigabyte möglich,

  • 140 Fußballspiele,
  • 192 Filme mit einer Dauer von je 110 Minuten sowie
  • 448 Serienfolgen mit einer Länge von je 48 Minuten

in HD-Qualität zu schauen.

Videogames kosten bereits durch den Download von Spiel und Erweiterungen viel Datenvolumen. Allein der Download von Final Fantasy XV  erfordert zum Beispiel rund 100 Gigabyte. Damit haben Sie das Datenvolumen der Telekom Speedbox auf einen Schlag verbraucht. Durch reines Online-Gaming ohne ergänzende Features wie Teamspeak verbrauchen Sie pro Stunde etwa 20 bis 80 Megabyte. Für Gamer ist unbegrenztes Datenvolumen daher die beste Wahl.

Ein weiterer Aspekt ist die Anzahl der Haushaltsmitglieder. Je mehr Bewohner das Internet nutzen, desto mehr Datenvolumen ist erforderlich. Für größere Haushalte und Familien, vor allem wenn Serienliebhaber und Gamer darunter sind, empfiehlt sich ebenfalls unbegrenztes Datenvolumen.

Ist Mobilfunkinternet eine sinnvolle DSL-Alternative?

Wie sinnvoll es ist, zu Hause nur über Mobilfunk im Internet zu surfen, hängt von den eigenen Bedürfnissen ab. Wer nur wenige Gigabyte pro Monat zum Surfen benötigt, kann auch einen regulären Mobilfunkvertrag mit dem entsprechenden Datenvolumen abschließen. Für diejenigen, die an ihrem Wohnort keinen DSL-Anschluss haben, ist Mobilfunk durchaus eine gute Option, um das Internet überhaupt nutzen zu können.

Für alle, die nur einen langsamen DSL-Anschluss zur Wahl haben, kann schnelles LTE ebenfalls sinnvoll sein. Im Internet zu browsen, erfordert nicht unbedingt hohe Geschwindigkeiten. Schnelles Internet ist vor allem bei Video- und Musik-Streams, Internettelefonie oder Onlinespielen wichtig. Wer im Home-Office arbeitet, nutzt oft mehrere Internetdienste, um mit den Kollegen zu kommunizieren und die Aufgaben zu erledigen, weshalb Verbindungsabbrüche oder Verzögerungen unerwünscht sind.

Viele LTE-Verträge haben im Gegensatz zu DSL-Tarifen aber ein beschränktes Datenvolumen, was die Wahl des richtigen Angebots erschwert. Sind Sie sich Ihren Bedürfnissen nicht genau bewusst, sitzen Sie in einem unpassenden Vertrag fest und müssen den Großteil des Monats mit gedrosseltem Internet verbringen. Darüber hinaus ist LTE-für-Zuhause bei höherem Datenvolumen meist teurer als ein DSL-Festnetzanschluss.

Ist die Geschwindigkeit ausreichend, lohnt sich ein Kabel- oder DSL-Anschluss für Mehrpersonen-Haushalte und Vielnutzer meist mehr als ein Internetanschluss über LTE. Wenn Sie aber die Möglichkeit haben, denselben Vertrag mit mehreren SIM-Karten zu nutzen, können Sie durch einen Mobilfunkvertrag mit unlimitiertem Datenvolumen Geld sparen: Eine Karte kommt in den Hotspot, eine weitere ins Smartphone. Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Wer nicht einmal zehn Gigabyte pro Monat benötigt, kann sogar unter der Vielzahl von einfachen Mobilfunkverträgen wählen. Ein zusätzlicher DSL-Vertrag ist in diesem Fall unnötig.