PhotoWorks

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BEWERTUNG
5,60 / 10
AB
27,30 €
Andreas Kiener
Aktualisiert: 15/08/2019
Pro
  • Benutzerfreundlich und leistungsstark
  • Gesichtsretusche mit KI
  • Einfaches Ausschneiden von Objekten
  • RAW-Bearbeitung
  • Nichtdestruktive Bildbearbeitung
  • Viele nützliche Tutorials
Kontra
  • Keine Bearbeitungsebenen
  • Keine Zeichenwerkzeuge
FAZIT

Mit PhotoWorks können selbst unerfahrene Anwender ihre Fotos so nachbearbeiten, dass sie den Bildern in Hochglanzmagazinen verblüffend nahekommen

PhotoWorks logo
Gesamt
Funktionen
Performance
Bedienung
Hilfe & Support

PhotoWorks Test

Funktionen5,0

PhotoWorks ist eine einfache und dennoch funktionsreiche Software zur Bearbeitung von Fotos. Entwickelt wurde sie von der auf Bildbearbeitung spezialisierten Softwareschmiede AWS-Software. Sowohl optisch als auch hinsichtlich des Funktionsumfangs ähnelt das Windows-Programm Adobe Lightroom. Im Gegensatz zu Anwendungen wie Adobe Photoshop oder GIMP hat es allerdings keine Funktionen, die zum Zeichnen und für die Arbeit von Grafikern benötigt werden. Auch eine Bildverwaltung fehlt Der niedrige Preis lässt vermuten, dass sich die Software vor allem an Privatanwender richtet, da es allerdings mit Bildern im RAW-Format umgehen kann, ist es auch für professionelle Fotografen als Zusatzprogramm für schnelle und einfache Bildbearbeitung interessant.

Käufer wählen zwischen drei verschiedene Versionen: Die Basisversion Standard für 14,00 Euro beinhaltet bereits fast alle Funktionen. Die mittlere Version Deluxe enthält zusätzlich eine Reihe von vorgefertigten Effekten und Werkzeugen zur Korrektur der Perspektive und von Linsenverzeichnungen. Bei Pro für 27,30 Euro kommt schließlich noch das verblüffend einfach zu bedienende Tool zum Ändern des Hintergrunds hinzu. Der Hersteller stellt eine kostenlose Testversion bereit, mit der Interessierte alle Funktionen fünf Tage lang ausprobieren können.

Im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten von Adobe und zu vielen anderen Bildbearbeitungsprogrammen handelt es sich bei den Preisen nicht um monatliche Abogebühren, sondern um einmalige Lizenzkosten. Der Käufer erhält eine lebenslange Lizenz, die auch Support und kostenlose Updates beinhaltet.

StandardDeluxePro
Preis 14,00 € 21,00 € 27,30 €
Standard-Bildbearbeitung
Rauschreduzierung
Portraits retuschieren
Objekte entfernen
Verzerrungskorrektur
Ein-Klick-Effekte
Hintergrund entfernen
Die Features der drei Versionen von PhotoWorks im Vergleich.

Die Software ist in fünf Funktionsbereiche gegliedert: Verbesserung, Werkzeuge, Retuschieren, Effekte und Beschriftung. Unter „Verbesserungen“ findet der Nutzer Funktionen zum Anpassen von Farb- und Helligkeitswerten und zum Einstellen der Schärfe und Unschärfe. Dieser Programmbereich erlaubt eine sehr detaillierte Bearbeitung des Fotos. Eine Autokorrektur-Funktion analysiert das Bild und nimmt automatisch Änderungen vor. Sehr positiv fällt auf, dass der Anwender die Stärke der Autokorrektur mit einem Schieberegler einstellen kann – in den meisten anderen Programmen gibt es dafür keine Abstufungen.

Die Funktionen im Menüpunkt „Werkzeuge“ dienen dazu, die Bildkomposition und grundlegende Eigenschaften des Bildes zu ändern. Der Anwender kann beispielsweise das Bild zuschneiden oder mit den Geometrie-Werkzeugen objektivbedingte Verzerrungen korrigieren. Mit der Rauschreduzierung lassen sich Fotos retten, die unter schlechten Bildverhältnissen aufgenommen wurden.

Ein besonderes Highlight ist die nur in der Pro-Version verfügbare Funktion „Hintergrund ändern“. Damit lassen sich einzelne Bildobjekte isolieren. Sie arbeitet anders als vergleichbare Funktionen in anderen Programmen. Der Anwender muss nur das zu isolierende Objekt (grün) und den Hintergrund (rot) grob markieren. Ein besonders genaues Arbeiten ist dabei nicht nötig – dank eines speziellen Algorithmus erkennt PhotoWorks automatisch die Objektgrenzen und entfernt den Hintergrund. Das funktioniert selbst bei Hintergründen, deren Farb- und Helligkeitswerte sich kaum vom markierten Objekt unterscheiden, erstaunlich gut. 

Die Werkzeuge, mit denen sich gewöhnliche Portraits so bearbeiten lassen, dass sie denen aus Hochglanzmagazinen ähneln, finden sich im Bereich „Retuschieren“. Auch hier nehmen Algorithmen dem Anwender viel Arbeit ab. Die möglichen Verbesserungen gehen weit über die übliche Rote-Augen-Korrektur hinaus. Die Software kann unter anderem die Zähne automatisch aufhellen, die Haut glätten und Augenringe entfernen. Besonders eindrucksvoll sind die Funktionen zur Gesichtsformung. Größere Augen, der Brauenabstand oder eine schmalere Nase lassen sich einfach per Schieberegler einstellen.

Sehr gute Dienste bei der Korrektur kleinerer Schönheitsfehler leistet der Reparaturpinsel. Mit ihm lassen sich Hautunreinheiten einfach übermalen. Sollen ganze Objekte aus einem Foto entfernt werden, ist der Kopierstempel das Mittel der Wahl. Er erlaubt im Unterschied zum Reparaturpinsel die Auswahl eines Bildbereichs, der die ungewünschte Stelle ersetzt.

Funktionen für die kreative Veränderung von Bildern findet der Anwender unter „Effekte“ und „Beschriftung“. Mit den Effekten kann er das Bild zum Beispiel in eine Schwarzweißaufnahme verwandeln oder den Look von analogen Kleinbildfilmen diverser Hersteller nachahmen. Einige der Effekte imitieren auch bekannte Kinofilme wie Matrix, Pulp Fiction oder Dirty Dancing. Auch für die Beschriftungen hat das Programm diverse Voreinstellungen. „Hauptsache bunt und knallig“, scheint hier das Motto zu sein. Die kräftigen Farben, Umrisse und Schatten lassen sich jedoch auch deaktivieren, wenn nüchterne Beschriftungen gewünscht sind.

Performance7,3

Der Hersteller macht keine Angaben zu den Hardware-Anforderungen von PhotoWorks. Das Programm ist allerdings mit allen Windows-Versionen seit dem im Herbst 2001 erschienen Windows XP kompatibel. Das lässt darauf schließen, dass die Hardwareanforderungen nicht allzu hoch sind.

Die Festplattenbelegung ist mit 264 Megabyte moderat. Zum Vergleich: Adobe Photoshop benötigt mehr als 2,5 Gigabyte Speicherplatz. Auch der Arbeitsspeicherbedarf hält sich in Grenzen. Direkt nach dem Start belegt das Programm nur 172 Megabyte – das ist der niedrigste Wert aller Bildbearbeitungssoftwares im Test. Selbst mit einem RAW-Foto in hoher Auflösung kommt PhotoWorks nur auf rund 650 Megabyte. Da das Programm nicht mehrere Bilder gleichzeitig geöffnet halten kann, ist damit auch in etwa die obere Grenze des Arbeitsspeicherbedarfs erreicht.

Auf unserem Testrechner (Intel Core i5-6500T mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher) lief die Software flüssig. Fast alle Bildfunktionen lieferten unmittelbar Ergebnisse, wir mussten fast nie darauf warten, dass der Computer etwas berechnete. Die einzige Funktion, die ihn in die Knie zwang, war die Rauschunterdrückung bei einem RAW-Foto in hoher Auflösung. Für die maximale Stufe musste der Computer mehr als eine Minute rechnen und auch bei geringerer Intensität kam es zu deutlichen Verzögerungen.

Erfreulich ist, dass PhotoWorks nicht nur die gängigen Bitmap-Formate (TIF, JPEG, GIF und PNG) unterstützt, sondern auch unzählige RAW-Formate. RAW-Fotos sind die unverfälschten Ausgabedaten des Kamerasensors; sie werden weder komprimiert noch durch die Kamerasoftware nachbearbeitet. Mit ihnen lassen sich in der Bildbearbeitung hochwertigere Ergebnisse erzielen als mit JPEG-Dateien, bei denen durch die Komprimierung und die automatische Bildoptimierung der Kamera bereits Bildinformationen verloren gegangen sind.

Bedienung8,0

PhotoWorks zeichnet sich durch eine ausgesprochen einfache Bedienung bei gleichzeitig hohem Funktionsumfang aus. Kein anderes Bildbearbeitungsprogramm erzielt so mühelos und schnell beachtliche Ergebnisse beim Nachbearbeiten und Retuschieren von Fotos. Das liegt zum einen daran, dass Algorithmen dem Anwender viel Arbeit abnehmen, vor allem bei Portraitfotos, aber zum Beispiel auch beim Ausschneiden von Bildobjekten. Zum anderen wurde auf vieles verzichtet, das die Komplexität erhöht: Arbeiten mit Ebenen und Masken ist nicht möglich. Somit fällt eine wichtige Technik der Bildbearbeitung weg, die das Programm allerdings erheblich komplizierter machen würde. Es hat auch kein Einstellungsmenü, was relativ ungewöhnlich ist. Im Test haben wir es nicht vermisst. Das Programm funktioniert gut, so wie es ist. Es besteht keine Notwendigkeit, irgendetwas umzustellen. Auch eine eigene Bildverwaltung gibt es nicht, der Klick auf die entsprechende Schalfläche öffnet stattdessen den Windows Explorer. Dieser dürfte den meisten Anwendern bereits vertraut sein und eignet sich dank der Vorschaubilder gut zur Verwaltung von Fotos.

Im Allgemeinen ist bei Software eine große Funktionsvielfalt wünschenswert. Moderne Bildbearbeitungsprogramme sind allerdings oft so funktionsreich und kompliziert, dass es ohne viel Erfahrung sehr schwierig ist, zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen. Bei der praktischen Arbeit mit Fotos zählen die Resultate allerdings mehr als eine beeindruckende Funktionsliste, und in dieser Hinsicht ist PhotoWorks zumindest für gelegentliche Anwender komplizierteren Programmen überlegen. Die Verwendung der Software macht Spaß und Einsteigern gelingen sehr schnell Dinge, die sie bisher für höhere Photoshop-Magie gehalten haben.

Während einer Bearbeitungssession wendet PhotoWorks nichtdestruktive Bildbearbeitung an. Das Bild kann immer auf das Originalbild zurückgesetzt werden. Bei der Speicherung werden die Änderungen allerdings fest in die Bilddatei geschrieben, das Zurücksetzen ist dann nicht mehr möglich. PhotoWorks überschreibt das Originalbild jedoch nicht ungefragt, sondern schlägt immer vor, das geänderte Bild in einer neuen Datei zu speichern. Dadurch ist es so gut wie ausgeschlossen, dass der Anwender sein Ausgangsmaterial versehentlich zerstört.

Hilfe & Support2,0

Ein Handbuch, das das Programm Funktion für Funktion beschreibt, gibt es für PhotoWorks nicht. Es ist auch nicht notwendig, da sich die Funktionsweise durch einfaches Ausprobieren sehr schnell erschließt. Der Hersteller setzt allerdings auf Text- und Video-Tutorials, die die üblichen Bearbeitungsprozesse Schritt für Schritt erklären. Bei Aufruf mancher Funktionen führen Links im Programm direkt zu relevanten Tutorials auf der Hersteller-Website. Diese Hilfestellung ermöglicht es auch Anwendern, die überhaupt keine Vorerfahrung mit Bildbearbeitung haben, sehr schnell zu lernen, wie sie ihre Fotos verbessern und kreativ verändern.

Wer Fragen zu dem Produkt hat, kann sich nur per Kontaktformular und nur auf Englisch an das Support-Team wenden. Die Supportsprache ist Englisch. Einen Support-Chat oder eine Hotline gibt es nicht. Sinnvoll wäre ein Forum, in dem sich Nutzer über ihre Erfahrung mit dem Programm austauschen können, aber auch das fehlt. Offenbar verlässt sich der Hersteller (nicht ganz zu Unrecht) darauf, dass seine Kunden sich alleine mit Hilfe der Tutorials im Programm zurechtfinden und hält es nicht für nötig, die Support-Infrastruktur weiter auszubauen.

Zusammenfassung5,6

Das Bemerkenswerteste an PhotoWorks ist die ausgesprochen einfache Bedienung, die es auch unerfahrenen Anwendern ermöglicht, professionell wirkenden Ergebnissen zu erzielen. Auf alles, was zu kompliziert zu bedienen ist, haben die Entwickler verzichtet. Automatisierung erleichtert dem Anwender viele Aufgaben, etwa die Retusche, die Korrektur von Helligkeit und Kontrast und das Ausschneiden von Objekten. Dabei hat der Nutzer jedoch immer genug Möglichkeiten zur Justierung und Feineinstellung, sodass nie der Eindruck entsteht, das Programm würde ihm das Szepter aus der Hand nehmen.

Andere Qualitäten, die das Programm auszeichnen, sind ein geringer Bedarf an Systemressourcen und dass sich Bilder immer auf das Originalbild zurücksetzen lassen. Auch die RAW-Unterstützung ist ein Feature, das sonst eher im Profibereich anzutreffen ist.

Ein starkes Argument für PhotoWorks ist der günstige Preis. Für weniger als die Monatskosten eines Adobe-Photoshop-Abonnements erhalten Kunden eine lebenslange Lizenz, die zukünftige Updates miteinschließt.