PS4-Spiele brennen

PS4 mit gebrannter CD

PC-Spiele lassen sich verhältnismäßig schnell kopieren. Es ist bei jedem neuen Game-Release nur eine Frage der Zeit, bis der Kopierschutz geknackt ist und illegale Raubkopien erhältlich sind. Nicht ganz so einfach verhält es sich bei Konsolenspielen. 

An der PlayStation 3 versuchten sich die Hacker über Jahre hinweg, bevor sie es schafften, den Kopierschutz zu umgehen. Auch mit der PS4 sah es zunächst nicht besser aus, bis Ende 2014 erste Nachrichten durch das Netz geisterten, wonach es geschafft sei, nun Spiele für die PlayStation 4 brennen zu können.

Tatsächlich lassen sich Spiele jetzt unter Umgehung der Account-Limitierung übertragen, was aber eher einen Bypass darstellt.

PS4 Produktbild
Seit 2013 begeistert die PS4 Spieler auf der ganzen Welt und führt Sonys Dominanz auf dem Konsolenmarkt fort.

Wieso ist es so schwer, den Kopierschutz von Konsolen zu umgehen?

Rund drei Jahre dauerte es, bis der aufwendige Kopierschutz der PlayStation 3 umgangen werden konnte, sodass es dann möglich war, Spiele zu brennen. Im Gegensatz zu PC-Spielen ist der Kopierschutz bei Konsolen deutlich komplexer, was letztendlich dem Umstand geschuldet ist, dass Konsole und Spiele vom selben Hersteller produziert werden.

Dies ist bei PC und PC-Game selbstverständlich nicht der Fall. Das heißt, bei PCs müssen sich die Kopierschutz-Systeme der CDs, DVDs und Blu-rays an die Möglichkeiten eines PCs angleichen lassen, während Sony Konsolentechnik und Games optimal aufeinander abstimmen kann.

Festplatte kopieren und auf eine andere Platte übertragen

Diesen Schutz scheinen nun einige Hacker in Brasilien zumindest teilweise zu umgehen. Um es aber gleich vorab festzustellen: Spiele mit einer Blu-ray-zu-Blu-ray-Kopier-Software zu brennen und dann die Kopie zu benutzen, funktioniert nicht. Stattdessen werden ein Raspberry PI und ein bestehender Account benötigt.

So wird ein komplettes Image der PS-Festplatte erstellt und auf eine zweite Festplatte gezogen. Dann wird der Account aktiviert, der Raspberry PI liest BIOS und Speicher aus. Nun wird der Account wieder deaktiviert und die auf dem Raspberry PI gespeicherten Daten auf die kopierte Festplatte übertragen. Dann laufen die Spiele über zwei aktivierte Spieler-Accounts.

PS4 Controller
Seit ihrer Veröffentlichung versuchen Hacker, den Schutz der PS4 zu knacken.

Ein einträgliches Geschäft, das Sony verständlicherweise schnell ein Dorn im Auge war.

Das Team hinter dem brasilianischen Magazin und Tech-Blog UOL Jogos hat das ausprobiert und sich an Shops in Sao Paolo gewandt, die den Transfer von zehn PS4-Spielen für Beträge zwischen 100 und 150 US-Dollar anbieten. Prompt wurden die zehn Spiele installiert und konnten gespielt werden. Außerdem soll auch die Account-Limitierung (durch die Spiele auf maximal zwei Geräten geshared werden können) umgangen worden sein.

Laut dem Magazin sei es sogar möglich, weitere Spiele auf die Festplatte zu übertragen. Das entsprechende Angebot lassen sich die Schwarzmarkt-Shops mit 15 Dollar je Spiel entlohnen. Doch es dauerte nicht allzu lange, bis Sony von dem anscheinend bestens florierenden Geschäftsfeld in Brasilien erfuhr.

Fazit: Ein wirkliches PS4 Jailbreak gibt es noch nicht

Demnach sollen entsprechende Unterlassungsschreiben an die Anbieter übermittelt worden sein.  Außerdem kündigte Sony ein Sicherheits-Patch an.

Darüber hinaus betonte das japanische Unternehmen auch, dass dies einen nicht gestatteten Eingriff in die Hardware- und Software-Struktur der Konsole bedeute. Wer also denselben Weg wie die Hacker versucht und Bricks auslöst, kann seine Konsole vergessen. Letztendlich ist das also ohnehin kein Jailbreak im eigentlichen Sinn, da der Kopierschutz intakt bleibt. Dies betrifft selbstverständlich auch die neu erschienen Konsolenrevisionen PS4 Slim und PS4 Pro.

Was jedoch selbstverständlich möglich ist, ist die Festplatte für einen Konsolenwechsel von einer auf die andere Konsole zu kopieren. Mithilfe eines Netzwerkkabels lässt sich der Inhalt der alten Konsole innerhalb kurzer Zeit auf die neue Konsole übertragen.

Bislang scheint es immer noch so, dass sich hier nichts weiter getan hat. Es wird zwar immer wieder von PlayStation-4-Jailbreaks geschrieben, aber wirklich verifiziert wurde bislang keiner.

Update 1: Im Dezember 2015 machte die Meldung die Runde, dass der Hacker CTurt die Sicherheitssysteme der PS4 geknackt und sich Zugang zum Kernel verschafft habe. Nach seinen Angaben sei ihm dies durch eine Lücke in der etwas älteren Firmware 1.76 gelungen. Aktuell wird gerade die Version 4.72 verwendet. Trotzdem könnte durch den Zugriff auf den Kernel der Weg nun offen sein, um auch spätere Versionen zu knacken. Dann könnte es möglich werden, auch Homebrew-Software oder nicht-lizenzierte Spiele auf der PS4 zu zocken. Die Version 4.05 soll inzwischen ebenfalls erfolgreich gehackt worden sein und auch Version 4.55 soll Lücken bieten, doch sind bislang kaum weitere Details bekannt. Sony äußerte sich bisher nicht zu dem Sachverhalt.

Update 2: Der Hack für die Firmwareversion 1.76 wurde mittlerweile ausgenutzt, um Linux auf der PS4 zu installieren – und Pokémon für den Gameboy Advance zu spielen. Die Ehre gebührt der Gruppe fail0verflow, die ihre Methode in der letzten Dezemberwoche 2015 auf einem Kongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg vorgestellt hat: