Photoline

Andreas Kiener
Pro
  • Geringer Speicherplatzbedarf
  • Pure Funktionalität ohne Marketing-Schnickschnack
  • Sehr gelungene Umsetzung von Makros und Stapelverarbeitung
  • Integration von Vektor- und Rastergrafik
  • Entwickler sind selbst in der Community aktiv
Kontra
  • Bedienung gelegentlich umständlich
  • Mehr für Profis als für Anfänger geeignet
Fazit Wir befinden uns im Jahre 2017. Der gesamte Softwaremarkt wird von wenigen, großen Firmen beherrscht. Der gesamte Softwaremarkt? Nein! Zwei Programmierer in einem kleinen Dorf in Bayern haben eine Bildbearbeitungssoftware entwickelt, die es mit den Produkten der großen Hersteller aufnimmt.
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Photoline Test

Funktionen

3,67 Pkt

PhotoLine der Firma Computerinsel aus dem niederbayrischen Kurort Bad Gögging hat eine lange Geschichte. Ursprünglich wurde die Software in den 1990er Jahren von den Brüdern Gerhard und Martin Huber als Shareware für den Atari entwickelt. Heute hat das Bildbearbeitungsprogramm eine kleine, aber enthusiastische Fangemeinde.

Dem Shareware-Vertriebsmodell sind die Entwickler bis heute treu geblieben. Interessenten haben die Möglichkeit, 30 Tage lang eine kostenlose Testversion zu nutzen. Auch nach Ablauf dieser Zeit bleibt das Programm lauffähig, erinnert den Anwender aber mit gelegentlich auftauchenden Zahlungsaufforderungen daran, dass seine Testzeit abgelaufen ist und er bezahlen muss, wenn er es weiterhin nutzen möchte.

PhotoLine ist ein universelles Werkzeug

Für eine Bildbearbeitungssoftware, die sich an ein professionelles Publikum richtet, ist PhotoLine relativ preisgünstig. Eine Lizenz kostet sowohl für die Windows- als auch für die Mac-Version 59 Euro. Wer bereits eine gültige Lizenz für eine Vorversion besitzt, kann für nur 29 Euro ein Upgrade erwerben. Für diese moderaten Beträge erhält der Kunde ein Bildbearbeitungsprogramm, das sich durchaus mit dem Marktführer Adobe Photoshop messen kann, diesen in einigen Bereichen sogar übertrifft. Gratis dazu gibt es das gute Gefühl, eine kleine, unabhängige Softwareschmiede aus Deutschland zu unterstützen.

In PhotoLine sind alle Effekte und Filter nicht-destruktiv anwendbar. Zudem ist es mit dem Programm sehr einfach, Vektor- und Rasterebenen miteinander zu mischen. Da es – eine Seltenheit bei Bildbearbeitungssoftware – mehrseitige Dokumente bearbeitet, eignet es sich auch für einfache Layout-Projekte. Durch die praktische Einbindung externer Programme kann der Nutzer einzelne Ebenen sogar mit anderen Programmen bearbeiten. Die gespeicherten Änderungen übernimmt PhotoLine automatisch.

Aktuelle Neuerungen

Das Programm wird aktiv weiterentwickelt, mehrmals pro Jahr kommen neue Versionen heraus. Große Versionssprünge, die es etwa alle zwei Jahre gibt, kennzeichnen die Hersteller durch eine Änderung der Zahl vor dem Punkt, kleinere Bug-Fixes durch die zweite Ziffer nach dem Punkt. Dazwischen gibt es oft größere Änderungen, bei denen die erste Ziffer nach dem Punkt auf die Fünf springt – halbe Versionen sozusagen.

Version 20 erschien im November 2016, und die letzte größere Aktualisierung brachte im September 2017 die hier getestete Version 20.50. Eine der augenscheinlichsten Neuerungen ist, dass jetzt auch in der Windows-Version ein Vollbildmodus verfügbar ist.

Darüber hinaus gibt es einige größere Neuerungen bei der Textbearbeitung und beim Export in andere Dateiformate sowie viele Verbesserungen im gesamten Programm.

Photoline Vollbildmodus
Vergrößern
Trotz "Ganzbildansicht" bleibt die Windwos-Taskleiste weiterhin sichtbar.

Die größte Änderung, welche die Version 20 mit sich brachte, ist die Möglichkeit, auf Platzhalterebenen sämtliche Funktionen verlustfrei anzuwenden, auch kompatible Plug-ins. Damit unterstützt PhotoLine komplett nicht-destruktive Bildbearbeitung. Zudem wurde mit dieser Version die einfache Invertierung von Masken ermöglicht, auch Vektorgrafiken können als Muster verwendet werden. Auch einige neue Filter kamen hinzu.

Eine weitere interessante Neuerung ist die Funktion „Farben angleichen“, die bei Bildmontagen mit jeweils einem Schieberegler für Helligkeit und Farbe das montierte Objekt an das Zielobjekt anpasst.

Automatisierung mit Makros und Stapelverarbeitung

Um Routineaufgaben einfach zu bewältigen, bietet PhotoLine gleich zwei Möglichkeiten: Makros und Stapelverarbeitung. Makros, die im Programm „Aktionen“ genannt werden, kombinieren mehrere Arbeitsschritte und führen sie auf Knopfdruck automatisch aus. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. So lange die Schaltfläche „Aufnehmen“ im Aktionendialog aktiv ist, zeichnet der Makrorekorder die Arbeitsschritte des Benutzers auf. Diese so aufgezeichneten Makros werden mit einem Klick auf „Play“ auf andere Bilder angewandt.

Wer bestimmte Arbeitsschritte gleichzeitig auf eine große Menge von Bildern anwenden will, greift auf die Mehrfachkonvertierung zurück. Mit dieser Funktion lassen sich alle erdenklichen Routineaufgaben schnell und effizient erledigen.

Photoline Mehrfachkonventierung
Vergrößern
Dank Mehrfachkonvertierung lassen sich aufgezeichnete Makros auf mehrere Bilder gleichzeitig anwenden.

Die Mehrfachkonvertierung wendet nämlich gespeicherte Aktionen auf mehrere Dateien gleichzeitig an. Die so umgewandelten Dateien landen in einem neuen Ordner, während die Originale erhalten bleiben.

Performance

4,67 Pkt

Wer PhotoLine installiert, wird von der geringen Größe der Installationsdatei überrascht sein. Gerade einmal 24,6 Megabyte ist sie groß, und nein, bei der Installation werden keine zusätzlichen Dateien aus dem Internet nachgeladen. Auch das installierte Programm benötigt nur 70,5 Megabyte Speicherplatz auf der Festplatte. Zum Vergleich: Alle anderen von uns getesteten Bildbearbeitungsprogramme belegten mehrere hundert Megabyte, Photoshop sogar mehr als ein Gigabyte.

Bei den Systemvoraussetzungen gibt der Hersteller Computerinsel sogar nur einen Speicherplatzbedarf von 50 Megabyte an. Das gilt sowohl für die Windows- als auch für die Mac-Version. PhotoLine für Windows läuft ab Windows XP, für Mac benötigt das Programm mindestens macOS 10.6. Damit ist PhotoLine eine gute Wahl für etwas ältere Rechner. Nahezu alle anderen Bildbearbeitungsprogramme laufen nur auf den neueren Betriebssystemversionen, also ab Windows 7 beziehungsweise macOS 10.7.

Eine Funktion zum Teilen von Bildern auf sozialen Medien ist nicht vorgesehen, auch die diversen Cloud-Speicher-Anbieter werden nicht unterstützt.

Bedienung

3,75 Pkt

Die Benutzeroberfläche von PhotoLine wirkt im Vergleich zu vielen anderen Bildbearbeitungsprogrammen altmodisch. Die Titelleiste von Bildfenstern hat beispielsweise den abgerundeten Look von Windows 7 und Windows Vista, optisch fügt sie sich schlecht in das flache Design der neuen Windows-Versionen 8 und 10 ein. Die bunten, oft in grellen Primärfarben gehaltenen Icons sind für ein Werkzeug, in dem es um die Verschönerung von Bildern geht, seltsam unästhetisch.

Zu den Icons sagt Entwickler Gerhard Huber: „Ich persönlich bin Techniker, mir ist es ziemlich egal, wie das Icon aussieht, mir ist es wichtig, dass das Programm macht, wozu ich es brauche.“ Eine konsequente Haltung, der das Programm durchaus gerecht wird. Hinter der spröden Ästhetik verbirgt sich ein hochwertiges Bildbearbeitungsprogramm, das sich vor den Produkten großer Softwarehäuser nicht zu verstecken braucht.

Einarbeitungszeit ist notwendig

Wie auch bei anderen professionellen Bildbearbeitungsprogrammen braucht es allerdings ein wenig Einarbeitungszeit, bis Neulinge damit gut arbeiten können. Tendenziell sogar etwas mehr als bei anderen Produkten aus dieser Kategorie, da die Entwickler nicht mit Features und Einstellmöglichkeiten sparen. Einen einfachen Modus für Anfänger wie beispielsweise bei Corel PaintShop Pro gibt es nicht. Dem Anwender wird sehr viel Kontrolle in die Hand gegeben, aber er muss erst einmal verstehen, was die vielen Schieberegler bewirken. Einfache Fix-und-fertig-Werkzeuge, mit denen auch Anfänger erstaunliche Ergebnisse erzielen, gibt es bei PhotoLine nicht. Das Programm richtet sich an (semi-)professionelle Anwender, die wirklich Ahnung von digitaler Bildbearbeitung haben.

Hilfe & Support

5,00 Pkt

Die ausführliche Hilfedatei erklärt die Funktionen des Programms im Detail. Sie werden genau beschrieben und wenn nötig mit Screenshots illustriert. Die Hilfsfunktion half uns im Test weiter, unklare Einstellungen und Werkzeuge zu verstehen.

Wer Fragen oder Vorschläge hat, kann diese den Entwicklern einfach per Web-Formular zukommen lassen. Es besteht zudem die Möglichkeit, die Gebrüder Huber per Telefon und E-Mail-Adresse zu kontaktieren. Auch im Forum antworten die Entwickler häufig persönlich auf Fragen der Anwender. Jeder der beiden Brüder hat mehrere tausend Forumseinträge gepostet. Die Entwickler haben also immer ein Ohr für die Community. Diese Nähe zu den Anwendern ist ein Vorzug, der den Bildbearbeitungsprogrammen größerer Softwarehäuser fehlt und den auch das beste Kundenservice nicht ersetzen kann.

Zusammenfassung

4,27 Pkt

PhotoLine ist ein ganz besonderes Produkt. Dass zwei Brüder aus Bayern in jahrelanger Arbeit ein Bildbearbeitungsprogramm geschaffen haben, dass es in vielen Bereichen durchaus mit den Produkten großer Marken aufnehmen kann, verdient Respekt. Der Software fehlt das hochglanzpolierte Äußere von Programmen, über deren Design Marketingabteilungen entscheiden. Die Entwickler sind Techniker, denen sinnvolle Funktionen wichtiger sind als verkaufsfördernder Glanz und Glitzer. Das wird beispielsweise bei der Automatisierung von Arbeitsprozessen durch Makros und Stapelverarbeitung deutlich. Auch die Kombination von Raster- und Vektorgrafik ist eine Stärke von PhotoLine. Als kleine, unabhängige Softwarefirma pflegt Computerinsel im Übrigen direkten Kontakt zur Anwender-Community.

Insgesamt gibt es mehr als genug Gründe, dieses alternative Bildbearbeitungsprogramm spannend zu finden. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, das PhotoLine ein deutsches Qualitätsprodukt ist, kann das mit der kostenlosen Testversion 30 Tage lang ohne Einschränkung tun.