Total AV

Andreas Kiener
Pro
  • Einfaches User-Interface
  • Findet doppelte Dateien
  • Keine übermäßige Systembelastung
Kontra
  • Schlechte Erkennungsraten
  • Vergleichsweise teuer
  • Kaum nützliche Extras
  • Keine konfigurierbaren Scans
  • Störende Werbung
  • Langsamer Schnellscan
  • Hilfetexte von niedriger Qualität
Fazit Total AV ist ein teures Antivirenprogramm mit schlechter Erkennungsrate, das aggressiv für Zusatzfunktionen wirbt. Prädikat: Entbehrlich.
Total AV Zum Anbieter

Total AV Test

Sicherheit

3,67 Pkt

Total AV ist in vier unterschiedlichen Versionen erhältlich. Die kostenlose Free-Version beinhaltet zwar einen Virenscan und einen Schnellscan, aber keinen Echtzeit-Scan, der ständig im Hintergrund läuft und bei Malware-Attacken sofort Alarm schlägt. In diesem Punkt fällt es sogar hinter den auf Windows vorinstallierten Defender zurück, der selbstverständlich einen Echtzeit-Scan mitbringt.

Alle drei Kaufversionen von Total AV sind hingegen mit einen Echtzeit-Scan ausgestattet. Die Basisversion Total AV Essential Antivirus kostet 99,95 Euro pro Jahr. Für 119,95 Euro pro Jahr ist Total AV Antivirus Pro erhältlich, das im Vergleich zu Essential um ein „Antivirus E-Book“ (was auch immer das ist) und einen Passworttresor erweitert wurde. 149,95 Euro jährlich sind für Total AV Ultimate Antivirus fällig. Es enthält alle Funktionen von Pro, zusätzlich erhalten Kunden einen Rund-um-die-Uhr-Support sowie Schutz- und Optimierungs-Tools für das Smartphone.

Total AV Versionen
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Total AV wirbt mit beinahe konkurrenzlos günstigen Preisen, allerdings wird das Abonnement im zweiten Jahr deutlich teurer.

Ein Wort zu den Preisen: Mit Kosten zwischen 100 und 150 Euro pro Jahr ist Total AV eines der teuersten Antivirenprogramme. Die sehr guten Konkurrenzprodukte der renommierten Hersteller Norton und Bitdefender beispielsweise schlagen mit nur rund 60 Euro pro Jahr zu Buche. Für 90 Euro jährlich erhalten Norton-Kunden bereits Security Deluxe, das Top-Produkt, das auch eine Firewall und einen VPN-Zugang enthält. Zudem garantiert Norton, dass Kunden ihr Geld zurückerhalten, sollte es dem Anbieter – im Notfall auch mit Unterstützung durch Experten des Unternehmens – nicht gelingen, einen Computer virenfrei zu halten. Durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis kann Total AV also nicht punkten. Da der Unterschied zu den teureren Versionen zu gering ist, um deren erheblich höhere Preise zu rechtfertigen, bezieht sich dieser Testbericht auf Total AV Essential Antivirus.

Interessenten sollten beachten, dass die günstigen Aktionsangebote (ab 19,95 Euro pro Jahr), mit denen Total AV wirbt, nur für das erste Jahr gelten. Kunden schließen immer ein Abonnement ab und müssen ab dem zweiten Jahr voll zahlen. Nun, was bekommen Kunden für ihr Geld? Das Hauptmenü enthält sechs Menüeinträge:

  • Dashboard
  • Antivirenschutz (!)
  • System Tune-Up
  • Datenträgerbereinigung
  • Websicherheit
  • Passworttresor

Das Dashboard bietet einen Überblick über ausstehende und aktuelle Scans. Hier wird bei einem Scanvorgang auch der Fortschrittsbalken angezeigt. Im Antivirenschutz-Untermenü kann der Anwender den vollständigen System-Scan und den Schnellscan starten, die Einstellungen des Echtzeitschutzes ändern und den Inhalt des Quarantäneordners verwalten. Im Unterschied zu nahezu allen anderen Antivirenprogrammen ist es nicht möglich, gezielt einzelne Dateien oder Ordner zu scannen.

Wenig beeindruckende Tuning-Werkzeuge

System Tune-Up enthält Funktionen zum Festlegen der Programme, die bereits beim Windows-Start laden, zum Deinstallieren von Programmen und zum Löschen des Browserverlaufs und der Cookies. All diese Aufgaben können auch einfach mit den Bordmitteln von Windows beziehungsweise des Browsers ausgeführt werden. Total AV erledigt sie nicht besser oder schlechter, somit sind diese Funktionen eher unnötiger Ballast als nützliche Beigabe.

Die Datenträgerbereinigung findet Duplikate von Dateien und nicht mehr benötigte Systemdateien. Die alten Systemdateien, beispielsweise Caches, können bedenkenlos gelöscht werden. Mit der Löschung von Duplikaten sollten Anwender allerdings vorsichtig sein – manche werden absichtlich zwecks Datensicherung angelegt. Zudem kann es schnell zu einer unübersichtlichen Festplatte führen, wenn die falsche Kopie einer mehrfach vorhandenen Datei gelöscht wird.

Ein Klick auf den Menüeintrag „Websicherheit“ öffnet vier Untermenüeinträge:

  • Sicheres Browsing (VPN)
  • Web Shield
  • AdBlock Pro
  • Firewall
Total AV Datenträgerbereinigung
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Die „Junk-Säuberung“ entfernt obsolete Dateien.

Bei Web Shield handelt es sich um eine Browser-Erweiterung für Firefox und Chrome. Sie warnt den Benutzer, wenn er eine Website aufrufen will, die eine Bedrohung darstellt, weil sie beispielsweise dem Phishing dient oder Malware enthält. Das machen die aktuellen Ausgaben von Firefox und Chrome allerdings ohnehin, und wer sich nicht auf die Sicherheit des eingebauten Schutzes verlassen will, findet sehr taugliche kostenlose Erweiterungen mit ähnlichen Funktionen.

„Firewall“ ist eine Konfigurationsmaske für die Windows-Firewall. Wie auch schon bei den Tuning-Tools stellt Total AV eine alternative Benutzeroberfläche für eine Windows-Systemfunktion zur Verfügung.

AdBlock Pro ist ebenfalls eine Browser-Erweiterung. Sie blockiert Werbung im Web. Das ist natürlich eine nützliche Funktion – allerdings sind für beliebte Browser wie Firefox und Chrome viele gute und kostenlose Erweiterungen verfügbar, die diese Funktion übernehmen. Firefox ist mittlerweile sogar dazu übergegangen, einen Werbeblocker direkt in den Browser zu integrieren. Dass das Antivirenprogramm auch einen Werbeblocker mitbringt, ist somit nicht nötig.

Werbung als Menüeintrag

Beim VPN handelt sich um eine Zusatzoption, die nicht in Essential und laut Funktionsübersicht auch in keinem der anderen Tarife enthalten ist. Wer den Menüeintrag wählt, erhält nur ein Angebot, diese Zusatzoption gegen Aufpreis zu buchen.

Auch der Menüeintrag zum Passworttresor funktioniert nicht. Er ist nur in den beiden teureren Versionen enthalten. In Anbetracht des ohnehin schon hohen Preises von Total AV Essential wirkt es geradezu dreist, dass der Anbieter versucht, Zusatzverkäufe zu machen, indem er das Menü mit nichtfunktionierenden Einträgen füllt. Wer einhundert Euro im Jahr bezahlt, will solche Funktionen inkludiert haben und darf wenigstens erwarten, ein Programm zu erhalten, das nicht wirkt wie eine kostenlose Werbeversion.

Der Hauptvorteil von Total AV Essential gegenüber der Free-Version ist der Echtzeitschutz. Zudem gibt es in der Bezahltversion zusätzlich einige eher überflüssige Funktionen und die Datenträgerbereinigung. Der tatsächlich nützliche Funktionsumfang ist also kaum größer als bei den Gratisversionen anderer Hersteller. Avast Free Antivirus beispielsweise enthält auch einen Echtzeitschutz und sogar ein Passwortspeicher ist kostenlos mit dabei.

Wie gut ist die Virenerkennung?

Kann wenigstens die Erkennungsleistung von Total AV mit anderen Antivirenprogrammen mithalten? Auffällig ist, dass keines der bekannten Prüflabore, die Virenscanner mit aufwändigen Testverfahren untersuchen, Total AV getestet hat. Weder AV Test noch AV Comparatives oder SE Labs hat etwas zu Total AV veröffentlicht. Die fundiertesten Quellen zur Einschätzung der Erkennungsleistung von Antivirenprogrammen helfen in diesem Fall also nicht weiter.

Ein Redakteur des amerikanischen PC Magazine ist der Sache nachgegangen und hat im November 2018 seine eigenen Tests mit dem Programm durchgeführt. Seine Erkenntnisse sind ernüchternd: Die Malware-Erkennung von Total AV ist signifikant schlechter als die der meisten anderen Programme. Es blockierte nur 76 Prozent aller Malware aus dem Web. Das bedeutet, dass Total AV beinahe ein Viertel aller Schadprogramme anstandslos auf den Computer des Anwenders lässt. Bitdefender kommt auf eine Erkennungsrate von 99 Prozent, McAfee schafft 97 Prozent. Im Vergleich wirken die 76 Prozent von TotalAV sehr dürftig.

Total AV erster Scan
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Das Computermagazin PC Magazine testete die Erkennungsrate von Total AV und befand sie für unterdurchschnittlich.

Performance

Antivirenprogrammen hängt der Ruf nach, schlimme Systembremsen zu sein. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr, sie haben ihn sich durch schlechte Performance in der Vergangenheit mehr als verdient. Zum einen haben aber die Hersteller das Problem erkannt und ihre Technologien entsprechend verbessert, zum anderen sind Computer heute viel leistungsfähiger als noch vor zehn Jahren. Ernsthafte Performance-Probleme gibt es kaum mehr. Das gilt auch für Total AV. Wenn das Programm mit dem Echtzeitscan im Hintergrund läuft, sind Leistungseinbußen weder messbar noch spürbar. Die Systemauslastung ist im Schnitt kaum höher als ohne Total AV. Anders sieht es während des Systemscans aus, dann steigt die CPU-Auslastung auf rund 70 Prozent, phasenweise sogar auf mehr als 80 Prozent. Das ist aber bei anderen Antivirenprogrammen genauso.

Total AV benötigte im Test für den vollständigen Systemscan rund 12 Minuten und für den Schnellscan etwa die Hälfte der Zeit. Diese Werte wurden auf unserem Testcomputer gemessen, der mit einer vergleichsweise schnellen SSD ausgestattet ist. Auf einem Rechner mit einer herkömmlichen Festplatte dürften die Scans deutlich länger dauern. Während die 12 Minuten für den vollständigen Scan durchschnittlich sind, ist ein Schnellscan, der sechs Minuten dauert, ungewöhnlich langsam. Einige Programme brauchen dafür nur wenige Sekunden.

Bedienung

Total AV ist angenehm einfach zu bedienen. Die Menüs sind logisch aufgebaut, der Anwender muss nicht lange suchen, um zu einer Funktion zu finden. Auch die Bezeichnungen in den Menüs sind treffend gewählt, sodas schnell klar wird, was sich dahinter verbirgt, auch wenn das holprige „Antivirenschutz“ unangenehm ins Auge fällt.

Ein wenig stört, dass das Programm zu einem gewissen Alarmismus neigt. Cookies, die beim Web-Surfen ständig gesetzt werden und die sich nur mit erheblichen Funktionseinschränkungen völlig vermeiden lassen, führen genauso zu einer Warnmeldung wie das Nichtvorhandensein eines VPN. Das wirkt beinahe so, als müsste Total AV seine eigene Existenz rechtfertigen, indem es eine völlig normale und unbedenkliche Konfiguration des Computers problematisiert. Erwähnenswert ist auch die relativ auffällige Bewerbung von Zusatzprodukten, die manchem Anwender die Freude an dem Programm verderben dürfte.

Total AV Scan-Ergebnisse
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Hier hat Total AV eigentlich keine Malware gefunden, auch wenn die vielen Warnmeldungen anderes vermuten lassen.

Hilfe & Support

Wer sich über die Funktionen von Total AV informieren möchte, kann in der Wissensdatenbank nachschlagen. Diese ist allerdings sprachlich auffällig fehlerhaft. Der Verdacht besteht, dass es sich dabei um nicht oder nur sehr oberflächlich nachbearbeitete Computerübersetzungen handelt. Dass die Einträge oft aufgrund ihrer Kürze kaum helfen und meistens auf illustrierende Screenshots verzichten die das Verständnis verbessern würden, macht die Sache nicht besser.

Wer von den spärlichen Inhalten der Wissensdatenbank eher verwirrt zurückgelassen wird, kann sein Glück beim Support versuchen. Der technische Support ist per E-Mail oder Live-Chat erreichbar. Zudem hat der Anbieter einen Rechnungssupport eingerichtet, den die Kunden unter einer gebührenfreien deutschen Telefonnummer mit der Vorwahl 0800 erreichen können. Auf technische Probleme geht dieser jedoch nicht ein, hier geht es lediglich um Fragen zur Abrechnung.

Zusammenfassung

3,67 Pkt

Die meisten Anbieter von Antivirenprogrammen reagieren auf die Konkurrenz durch die immer besser werdende Windows-Komponente Defender dadurch, dass sie ihre Programme mit nützlichen Zusatzfeatures ausstatten und ihren Kunden so einen echten Mehrwert bieten. Nicht so Total AV: Die Software kann bis auf die Duplikatsentfernung nichts, was Windows nicht ohnehin von Haus aus und im Falle der Kernfunktion Virenentfernung sogar besser kann. Selbst wenn Total AV Essential kostenlos wäre, könnten wir niemandem zur Installation raten, da die Software im Prinzip überflüssig ist. So gut wie alle anderen Hersteller bieten bessere Antivirenprogramme an, die zudem günstiger sind.