Avira Internet Security Suite

Andreas Kiener
Pro
  • Große Auswahl an Avira-Tools und -Features
  • Frei wählbare Tools dank modularen Konzepts
  • Kaum Beeinträchtigung der Systemleistung
  • Große deutschsprachige Community
Kontra
  • Überfordernd für Anwender mit wenig Computerwissen
  • Keine echte Firewall, sondern nur ein Manager für die Windows-Firewall
Fazit Die Avira Internet Security Suite eignet sich für Anwender, die Erfahrung haben und die volle Kontrolle behalten möchten. Sie können sich aus einzelnen Tools ein maßgeschneidertes Sicherheitspaket zusammenzustellen. Wer sich aber nicht mit Technik auskennt, wird vor zu viele Entscheidungen gestellt.

Avira Internet Security Suite Test

Avira Internet Security Suite Zum Anbieter

Ausstattung

3,50 Pkt

In seinem Paket Avira Internet Security Suite kombiniert der Hersteller aus Tettnag in der Nähe des Bodensees seinen Virenscanner mit einem Manager für die Windows Firewall. Im Vergleich zum kostenlosen Avira Free Antivirus verfügt die im Paket enthaltene Version von Avira Antivirus Pro über einige zusätzliche Features wie den Webschutz und den E-Mail-Schutz.

Der Startbildschirm von Avira ermöglicht es dem Anwender, weitere Module nachzurüsten. Dazu gehören:

  • Der Software Updater automatisiert Programm-Updates.
  • Ein Passwort-Manager schafft Sicherheit, in dem er alle Online-Passwörter verschlüsselt speichert.
  • Phantom VPN sorgt für eine sichere und anonyme Internetverbindung per VPN (Virtuelles Privates Netzwerk).
  • System Speedup gibt Speicherplatz frei und beschleunigt den PC.
  • SafeSearch Plus stellt für Mozilla Firefox und Google Chrome eine kostenlose Suchmaschine zur Verfügung.

Die meisten dieser Tools sind kostenlos installierbar, von System Speedup gibt es allerdings nur eine kostenlose Testversion. Avira Connect bietet zusätzlich einen Überblick über die bei Avira registrierten Geräte und die darauf installierten Sicherheitssoftwares.

Eine nützliche, standardmäßig installierte Funktion ist der Identity Safeguard. Avira beobachtet dabei bekannt gewordene Sicherheitsvorfälle und benachrichtigt den Anwender, wenn seine E-Mail-Adresse auf einer Liste mit gestohlenen Kundendaten zu finden ist.

Keine eigene Firewall

Der Avira Firewall-Manager als Teil der Internet-Security überzeugt mit einem durch und durch sinnvollen Konzept. Windows bringt von Haus aus eine voll funktionsfähige Firewall mit. Anwender können diese mit Windows-Hausmitteln allerdings nur bedingt konfigurieren. Statt also eine tief ins Betriebssystem integrierte Funktion zu ersetzen oder zu duplizieren, hat sich Avira dafür entschieden, auf die ohnehin vorhandene Windows-Firewall aufzubauen.

Der Firewall-Manager ermöglicht eine detaillierte Konfiguration der Windows-Firewall. Der Nutzer kann Firewall-Regeln sowohl für einzelne Programme und Ports als auch für IP-Adressen und IP-Adressbereiche aufstellen oder auch für eine beliebige Kombination aus diesen Optionen. Dabei wird jeweils zwischen ein- und ausgehendem Traffic unterschieden.

Wenn der Anwender sich nicht weiter mit der Firewall beschäftigen möchte, kann er einfach die empfohlenen Einstellungen übernehmen.

Angenehm am Firewall-Manager ist, dass er je nach Bedarf und Kenntnissen des Nutzers verschiedene Komplexitätsstufen anbietet. Anfänger und Benutzer mit durchschnittlichen Anforderungen können die vorgeschlagen Einstellungen übernehmen. Damit steht eine einfache Rundum-glücklich-Option zur Verfügung, die den meisten Anwendungsfällen gerecht wird. Die Definition von Regeln für Programme, Ports oder IP-Adressen ist schon deutlich komplexer, und für Profis und Spezialfälle gibt es die “Benutzerdefinierten Regeln”, die es möglich machen, dass der User mehrere Filterkriterien kombiniert.

Sicherheit

4,75 Pkt

Im Bereich Sicherheit schneidet Avira sehr gut ab. Die Antivirus-Experten von AV Test geben Avira Antivirus Pro, der Antivirus-Komponente der Avira Internet Security Suite, bei der Sicherheit fünf von sechs möglichen Punkten. Im aktuellen Report vom Februar 2018 bestätigt das international renommierte Institut, dass Avira ganze 100 Prozent der aktuell im Umlauf befindlichen Malware und Viren erkennt. Damit liegt Avira sogar über dem Durchschnitt aller analysierten Programme von 99,9 Prozent.

Selbstverständlich sorgt der Echtzeit-Scan der Avira Internet Security Suite rund um die Uhr für den Schutz des Computers. Mit einem konfigurierbaren Scandurchlauf können Anwender im Bedarfsfall die lokalen Dateien auf der Festplatte sowie Netzlaufwerke nach Viren und Malware durchsuchen. Ein verspieltes Detail: Das Fenster für den Scandurchlauf ist mit “Luke Filewalker” betitelt. Die Internet-Security-Software hat auch eine spezielle Funktion, die den Computer besonders gründlich nach Rootkits durchsucht.

Der Avira-Startbildschirm zeigt auf einen Blick, dass alles sicher ist.
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Der Avira-Startbildschirm zeigt auf einen Blick, dass alles sicher ist.

Für Sicherheit im Internet sorgen der E-Mail- und der Webschutz. Der E-Mail-Schutz funktioniert allerdings nur, wenn der Anwender seine Mails mit einem lokalen Programm über POP oder IMAP abruft. Wer Webmail-Anbieter wie Gmail oder GMX nutzt, hat nichts davon – jedenfalls, wenn er seine Mail über das Web-Interface aufruft. Sicherheit ist dennoch gegeben, denn zum einen haben große Webmail-Anbieter ohnehin sehr ausgereifte Sicherheitsfunktionen in ihre Dienste integriert, zum anderen greift beim Abruf von E-Mails im Browser auch der Webschutz und heruntergeladene Dateien werden vom Echtzeit-Scan der Internet-Security durchleuchtet.

Die Hauptfunktion des Browser-Plugins für Google Chrome und Mozilla Firefox ist der Schutz vor Trackern. Tracker sind kleine Tools auf Websites, die das Benutzerverhalten analysieren. Da die Betreiber der meisten Trackingtools große Werbenetzwerke sind, die sie auf einer Unzahl unterschiedlicher Websites einsetzen, können sie sehr umfangreiche Benutzerprofile erstellen. Das Browserschutz-Plugin von Avira unterbindet das. Es zeigt an, ob Avira eine Website generell als sicher bewertet und welche Tracker es blockiert. Zusätzlich platziert das Plug-in auf großen Suchmaschinen wie Google und Bing (selbst DuckDuckGo wird berücksichtigt) kleine Icons neben den Ergebnissen, die dem User zeigen, ob eine Website sicher ist — und zwar schon, bevor er sie aufruft.

Performance

4,75 Pkt

Wir konnten während unsers Tests keine signifikante Beeinträchtigung der Performance durch die Avira Internet Security Suite feststellen. Die Startzeit des Testcomputers verlängerte sich bei installierter Avira Internet Security Suite nur minimal von 20,390 Sekunden auf 22,796 Sekunden. Auch das Herunterladen, Kopieren und Installieren eines Programms (LibreOffice) funktionierte im Test in etwa gleich schnell. Der Scanlauf bei mittlerer Ressourcen-Einstellung führte zu einer CPU-Auslastung von rund 30 Prozent mit gelegentlichen Spitzenwerten von mehr als 60 Prozent, das Virenscanner-Modul der Internet-Security beanspruchte dabei rund 300 Megabyte Arbeitsspeicher.

Die vollständige Virenprüfung des mit SSD-Laufwerk und Intel-Core-i5-Prozessor ausgestatteten Testrechners dauerte etwas mehr als 11 Minuten — eine mehr als akzeptable Geschwindigkeit. Die Schnellprüfung, bei der auch die Option “Intelligente Dateiauswahl” aktiviert war, dauerte im Test sogar nur 28 Sekunden.

Avira Internet Security ist also eine schlanke Internet-Security-Suite, die sich kaum negativ auf die Systemleistung auswirkt. Dies bestätigen auch die Sicherheitsexperten von AV Test, die dem Virenscanner Avira Antivirus Pro in der Kategorie Performance 5,5 von 6 möglichen Punkten geben.

Bedienung

4,50 Pkt

Die einzelnen Module sind im Allgemeinen logisch aufgebaut und übersichtlich strukturiert. Unerfahrene Anwender haben mit der Software allerdings keine Freude — User sollten unser Meinung nach ein Grundverständnis von Dingen wie Ports und E-Mail-Protokollen mitbringen. Der Firewall-Manager ist am einsteigerfreundlichsten konzipiert. Die Frage ist allerdings, ob jemand, der nur die einfachen Funktionen nutzt, nicht ohnehin mit dem Standard-Interface der Windows-Firewall sein Auslangen findet.

In der Default-Konfiguration der Internet-Security erfordert der Virenscanner bei jeder gefundenen Bedrohung eine Nutzerinteraktion. Auch beim Anschluss von externen Laufwerken erscheint eine Eingabeaufforderung. Das kann schnell lästig werden, verunsichert und birgt zudem die Gefahr, dass wenig erfahrene Nutzer unsichere Optionen wählen.

Pop-Ups geben dem Nutzer Kontrolle, verlangen ihm aber auch viele Entscheidungen ab.

Installation

Für die Installation der Avira Internet Security Suite war im Test kaum mehr als ein Klick erforderlich. Wir starten die Installationsroutine der Internet-Security, erklären uns mit den Lizenzvereinbarungen einverstanden und lassen das Installationsprogramm sein Ding machen. Wenn alles fertig ist, kann das Internet-Security-Programm starten. Die Installation geht zügig voran, und da keine Optionen angeboten werden, können auch Anfänger die Internet-Security-Suite problemlos in wenigen Minuten installieren, vorausgesetzt natürlich, dass sie über einen halbwegs leistungsfähigen Computer und eine schnelle Internetverbindung verfügen. Ein paar mehr Optionen wären allerdings wünschenswert gewesen, denn von der allzu simplen Installation könnten sich erfahrene Anwender bevormundet fühlen. Eigentlich ist es üblich, zumindest das Installationsverzeichnis selbst auszuwählen.

Die Installationsroutine bietet auch keine Checkboxen für Software-Komponenten an. Stattdessen werden zusätzliche Tools von Avira in einem Slider verlinkt. Avira folgt also einem modularem Prinzip, bei dem eine große Anzahl meist kostenloser Tools zur Verfügung stehen. Alles Nötige wird installiert, optionale Komponenten können später über den Startbildschirm nachgerüstet werden. Dass aber auch die Browser-Plugins für Mozilla Firefox und Google Chrome ohne Nachfrage installiert werden, ist ärgerlich. In der Standardkonfiguration blenden sie nämlich beim Besuch von Online-Shops automatisch eine Preisvergleichs-Leiste im Browser ein. Dieses Feature kommt einer Werbeeinblendung sehr nahe und erinnert uns sehr an unerwünschte Adware, auch wenn wir es später in der Plug-in-Konfiguration einfach deaktivieren konnten.

Es ist zwar löblich, dass dem Nutzer nicht ungefragt jede Menge Tools auf die Festplatte geladen werden, die er vielleicht gar nicht braucht. Die Kombination einer Installationsroutine völlig ohne Nutzerentscheidungen mit einer nachgeschalteten Installation einzelner Komponenten hinterlässt in der Praxis allerdings keinen rein positiven Eindruck. Erfahrene Anwender haben nicht genug Einfluss auf den Installationsprozess, unerfahrene wiederum sind besser damit bedient, wenn ein Programm nach der Installation keine Nacharbeiten mehr benötigt.

Deinstallation

Es gibt kein zentrales Deinstallationstool. Die Kernkomponente, die sich einfach Avira nennt, der FirewallManager und Antivirus Pro: Jeder Programmbestandteil verfügt über eine eigene Deinstallationsroutine. Das Chrome-Plug-in müssen User gesondert im Browser löschen — gut möglich, dass unerfahrene Anwender damit überfordert sind und nicht wissen, wie sie Produkteinblendungen und den Plugin-Button wieder loswerden.

Dokumentation und Support

4,90 Pkt

Im Virenscanner der Internet-Security führt die Hilfe-Funktion zu einer etwas altmodisch anmutenden Hilfe-Datei, welche die Programmfunktionen im Detail erklärt. Dort werden allerdings auch Funktionen aufgeführt, die in unserer Programmversion gar nicht enthalten sind (Kinderschutz, soziale Netzwerke), ein Link führte im Test sogar ganz ins Leere. Diese kleinen Fehler und das nicht mehr zeitgemäße Design schmälern den guten Eindruck der Hilfedatei, die das Programm eigentlich sehr gut erklärt und auch im Kapitel “So wird es gemacht” praktische Anleitungen zu häufigen Problemen und Fragen bietet.

Zusätzlich zur dieser Hilfefunktion zeigt Antivirus Pro am Startbildschirm einen Link zum deutschsprachigen Community-Forum, das sehr aktiv genutzt wird. Außerdem vermittelt Avira unabhängige Experten, die Anwender nach einer kostenlosen Beratung engagieren können, um Sicherheitsprobleme zu lösen.

Die Dokumentation im Firewall-Modul fällt recht spartanisch aus. Beim Klick auf das Fragezeichen-Icon startet eine kleine interaktive Tour, die dem Nutzer die wichtigsten Programmfunktionen in 16 Schritten erklärt.

Wer keine Lust hat, sich durch Foren und Hilfe zu wühlen, erhält auf der Support-Seite einen Überblick über die häufigsten Fragen. Dort können Hilfesuchende auch über ein Webformular den Support per Telefon oder E-Mail anfordern.

Zusammenfassung

4,07 Pkt

Die Internet-Security-Suite von Avira eignet sich gut für Anwender, die ein wenig Erfahrung haben und vor technischen Begriffen nicht zurückschrecken. Sie erhalten eine Sicherheitssoftware, die sparsam mit den Ressourcen des Rechners umgeht, und profitieren von den umfassenden Einstellmöglichkeiten der Internet-Security.

Ein Passwortmanager und ein Kinderschutz fehlen leider. Diese Komponenten wären im Sinne einer umfassenden Absicherung durch eine Internet-Security wünschenswert.

Löblich zu erwähnen ist hingegen, dass Avira eine Unzahl nützlicher Tools für Desktop-PCs und Mobilgeräte kostenlos zur Verfügung stellt, die Nutzer der Avira Internet Security Suite mit wenigen Klicks zusätzlich installieren können. Wer genau weiß, was er will und braucht, kann sich so ein maßgeschneidertes Sicherheitspaket zusammenstellen.

Als deutscher Hersteller hat Avira hierzulande eine große Community. Anwender profitieren vom reichhaltigen Informationsangebot im Forum. Wenn sie dennoch nicht weiterwissen, können sie sich an den Support wenden, und falls sie ihre Sicherheitsprobleme delegieren wollen, können sie einen von Avira vermittelten Experten beauftragen. Somit erhalten User in jedem denkbaren Szenario die nötige Unterstützung, um ihre Probleme zu lösen.