Pipedrive

Pipedrive logo
BEWERTUNG
9,00 / 10
Andreas Kiener
Aktualisiert: 06/08/2019
Pro
  • Perfekt für Verkäufer
  • Umfassende Features
  • E-Mail-Integration
  • Datenspeicherung in Deutschland
  • Redundante Backups
Kontra
  • Benutzeroberfläche wirkt etwas überladen
  • Nur für Sales geeignet
FAZIT

Das Programm eignet sich ausgezeichnet für den Verkauf, aber weniger für die Verwaltung von Bestandskunden. Mit zahlreiche Komfortfunktionen und umfangreichen Auswertungen unterstützt es Sales-Teams dabei, ihre Leistung zu optimieren.

Pipedrive logo
Gesamt
Funktionen
Benutzerfreundlichkeit
Zielgruppen und Datensicherheit
Konditionen und Service

Pipedrive Test

Funktionen8,8

Wie viele moderne CRM-Programme ist Pipedrive eine Web-App, es stehen aber auch Smartphone-Versionen für iOS und Android zur Verfügung. Das Unternehmen Pipedrive wurde von zwei Vertriebsmanagern 2010 in Estland gegründet. 2011 schafften sie es als einziges europäisches Start-up in das Förderprogramm des Startup-Inkubators AngelPadInzwischen ist das Unternehmen auf mehr als 600 Mitarbeiter angewachsen und unterhält Niederlassungen in sechs verschiedenen Ländern.

Eine flexible Pipeline

Die Schaltzentrale der Software ist die Sales-Pipeline, in der Deals verschiedene Phasen durchlaufen, bis sie entweder abgeschlossen oder verloren sind. Drag-and-Drop ist voll implementiert. Um einen Deal zur nächsten Phase zu bewegen, reicht es aus, ihn anzuklicken und auf die gewünschte Position zu ziehen. Der Anwender kann entweder die vorgefertigte Pipeline verwenden oder eine eigene mit selbstdefinierten Phasen erzeugen. Auch die Nutzung verschiedener Pipelines nebeneinander ist möglich. Ein Drop-down-Menü ermöglicht es, bequem zwischen ihnen umzuschalten.

Mit dem Deal zum Ziel

Die Zielgruppe von Pipedrive sind Verkäufer, die ihre Abschlüsse ohne viel Verwaltungsaufwand erzielen möchten. Solche potenziellen Abschlüsse werden in der Software als Deals bezeichnet. In der Pipeline wird ein Deal durch eine Tabellenzelle repräsentiert, die den Titel des Deals, die Firma, die Geldsumme und ein kleines Aktions-Icon enthält. Ein Klick auf die Zelle öffnet die Detailansicht. Hier sieht der User eine Timeline mit allen vergangenen und geplanten Aktivitäten.

Für generelle Informationen kann der Anwender im Deal-Fenster Notizen anfertigen und sogar Dateien (beispielsweise Angebote oder Geschäftsbriefe) hochladen. Die Notizen und Aktivitäten nehmen den Hauptteil des Browserfensters ein. Links ist es eine Sidebar vorhanden, die folgende Elemente enthält:

  • Details: Ermöglicht es dem Nutzer, beliebige Textfelder hinzuzufügen
  • Organisation: Adress- und Kontaktdaten zum Unternehmen, mit dem ein Deal angestrebt wird
  • Kontakt: Informationen zur Kontaktperson in dieser Organisation
  • Teilnehmer: Eine Liste aller Kontakte für den Deal
  • Überblick: Informationen wie Alter des Deals oder die aktivsten Nutzer
  • Follower: Personen im eigenen Unternehmen, die an diesem Deal arbeiten
  • E-Mail BCC: Eigens generierte E-Mail-Adressen, die der Nutzer ins BCC-Feld seines E-Mail-Programms einträgt um die E-Mail in Pipedrive zu importieren und diesem Deal zuzuordnen

Gut organisiert dank geplanter Aktivitäten

Aktivitäten lassen sich durch einfaches Anklicken in der Timeline der Deal-Ansicht öffnen. Auch durch einen Klick auf das jeweilige Aktivitäten-Icon in der Pipeline gelangt der Anwender zur Detailansicht. Sie enthält diverse relevante Informationen, allen voran einen Termin. Ein kleines Icon kennzeichnet die Art der Aktivität, beispielsweise einen Telefonanruf oder ein Geschäftsessen.

Schließt der Nutzer eine Aktivität ab, fordert Pipedrive ihn sofort dazu auf, eine Folgeaktivität zu planen. So stellt das Programm sicher, dass der Verkäufer jeden Deal immer weiterbearbeitet, bis er ihn entweder gewonnen oder verloren hat.

Die Deals werden aber nach Abschluss einer Aktivität nicht automatisch zur nächsten Phase in der Pipeline verschoben, das muss der Nutzer selber machen. Weil je nach Deal in jeder Phase unterschiedliche Aktivitäten nötig sind, lässt sich die Progression in der Pipeline nicht automatisieren.

Weitere nützliche Features

Die drei Elemente Pipeline, Deals und Aktivitäten bilden das Grundgerüst des Programms. Darüber hinaus enthält Pipedrive viele weitere Funktionen, die Verkäufern die Arbeit erleichtern.

Sehr nützlich ist die Prognose, die anhand des Deal-Wertes und des geplanten Abschlusstermins die voraussichtlichen Umsätze für ein bestimmtes Intervall (Woche, Monat oder Quartal) berechnet. Das hilft Verkäufern, die bestimmte Umsatzvorgaben erreichen müssen.

Durch die Integration von E-Mails hilft Pipedrive dabei, den Überblick über die Kommunikation mit den Kontakten zu behalten. Das Programm bietet dafür drei unterschiedliche Möglichkeiten an.

Die bequemste Lösung ist, dass der Anwender sein E-Mail-Konto mit dem CRM-Tool verknüpft. Dann liest und schreibt er E-Mails direkt in Pipedrive.

Wer weiterhin lieber sein gewohntes E-Mail-Programm verwenden will, setzt einfach eine von Pipedrive eigens generierte E-Mail-Adresse in das BCC-Feld. So wird die E-Mail in Pipedrive importiert und automatisch dem richtigen Deal zugeordnet.

Für Statistiken ist ein eigener Bereich im Programm eingerichtet. Sie sind ein wichtiges Werkzeug, wenn es darum geht, die Leistung des Sales-Teams im Auge zu behalten und Schwächen im Verkaufsprozess zu finden. Eine Statistik stellt beispielsweise dar, in welcher Phase des Verkaufsprozesses besonders viele Deals verloren gehen. Andere Statistiken erfassen, welche Mitarbeiter wie viele Deals gewonnen haben oder wie viele Aktivitäten abgeschlossen wurden. Insgesamt stellt Pipedrive zwölf verschiedene Statistiken zur Verfügung.

Benutzerfreundlichkeit9,0

Die Pipeline, in der der Anwender Deals einfach per Drag-and-drop verschiebt, wirkt sehr übersichtlich. Ihre Funktionsweise ist intuitiv erfassbar.

Weniger übersichtlich zeigt sich das CRM-Tool, wenn der Anwender einen Deal öffnet. Relativ viele Informationen werden auf einer einzigen Bildschirmseite präsentiert. Diese visuelle Schwere zieht sich als roter Faden durch das ganze Programm. Auch die Aktivitätsansicht und die Statistiken lassen manchmal ein Gefühl von Überforderung aufkommen. Bis zu einem gewissen Grad ist das mit der Vielzahl von vorhandenen Features erklärbar. Hätten aber die Interface-Designer die Informationen beziehungsweise Funktionen etwas besser verteilt, würde es Nutzern leichter fallen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Zielgruppe & Datensicherheit

Pipedrive ist perfekt auf die Arbeit von einzelnen Verkäufern und ganzen Sales-Abteilungen zugeschnitten. Schon die Pipline macht klar, dass sich in diesem Programm alles darum dreht, Deals zum Abschluss zu bringen. Darum ist es eine gute Software für Unternehmen, bei denen der Verkauf im Mittelpunkt steht. Weniger nützlich ist es aber für Organisationen, die den Verkauf eher als einen von vielen Bestandteilen ihres Marketingkonzepts sehen und beispielsweise auch viel Wert auf Bestandkundenbetreuung legen. Für diese sind breiter angelegte Programme wie Zoho CRM oder SugarCRM besser geeignet.

Durch seinen Funktionsreichtum und seine relative hohe Komplexität ist Pipedrive vor allem für mittlere und große Unternehmen geeignet. Sie haben oft ganz spezielle Anforderungen an ihr Costumer Relationship Management und verfügen auch über die zeitlichen und personellen Ressourcen, um entsprechende Anpassungen vorzunehmen.

Mit industrieüblichen Schutzmaßnahmen sorgt Pipedrive für die Sicherheit der Anwenderdaten. Dass die Web-App nur SSL-verschlüsselte HTTPS-Verbindungen verwendet, ist ohnehin klar. Ohne Verschlüsselung kommt mittlerweile kein Anbieter mehr aus, der auch nur ansatzweise sensible Daten verarbeitet. Auch dass die Daten jedes Anwenders in einer separaten Datenbank gelagert werden, gehört zu den grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen. Eine weitere dieser Selbstverständlichkeiten: Pipedrive-Mitarbeiter haben natürlich keinen Zugriff auf die Datenbanken der Kunden.

Um vor Datenverlust zu schützen, führt Pipedrive regelmäßig redundante Backups aus. Das heißt, das Unternehmen erstellt Backups und auch Backups der Backups. Dazu nutzt es Infrastruktur von Amazon Web Services, die sich für europäische Kunden in Deutschland befindet. Auch die Arbeitsdaten der Kunden werden bei Anmeldungen aus Europa in Deutschland gespeichert. Während es durchaus CRM-Software aus Deutschland gibt, die lokale Rechenzentren verwendet, ist es ungewöhnlich und lobenswert, dass sich eine Web-App bei der Datenspeicherung am Standort des Nutzers orientiert.

Konditionen & Service9,0

Als Web-App wird Pipedrive im Abonnement angeboten. Das Tarifmodell ist klar und übersichtlich gestaltet. Drei Tarife mit unterschiedlichem Funktionsumfang sind verfügbar, die jeweils pro Nutzer zu bezahlen sind.

Am günstigsten ist mit 15 Euro pro Nutzer und Monat der Silber-Tarif. Für den Gold-Tarif werden 29 Euro fällig und für den Platin-Tarif 59 Euro. Jeder der Tarife enthält auch alle Funktionen des nächstgünstigeren. Einen Mengenrabatt für mehrere Accounts ist nicht verfügbar, allerdings sind die Abonnements bei jährlicher Abrechnung um 17 Prozent günstiger.

Für viele, vor allem für kleinere Sales-Teams, dürfte der günstige Silber-Tarif ausreichen. Er umfasst beinahe alle Funktionen, die in diesem Produkttest angesprochen werden. Wer allerdings nicht mit der BCC-Variante sein Auslangen findet und die volle E-Mail-Integration benötigt, muss mindestens zur Gold-Version greifen. Die Umsatzprognose ist erst mit der Platin-Version möglich. Ein weiterer Vorteile von Platin ist beispielsweise die Möglichkeit, die Mitarbeiter in einzelne Teams aufzuteilen. Auch Anspruch auf Telefonsupport haben nur Kunden, die sich für Platin entscheiden.

Der Support-Chat steht hingegen in allen Tarifen zur Verfügung. Er ist ganz einfach über das Fragezeichen-Icon rechts oben in Pipedrive erreichbar. Laut Angaben des Unternehmens antworten die Mitarbeiter innerhalb weniger Minuten, was auch im Test der Fall war.

Das Support-Team beantwortet auch Anfragen per E-Mail. Pipedrive macht jedoch klar, dass der Chat der bevorzugte Kommunikationskanal ist. Obwohl für die Software eine deutsche Benutzeroberfläche verfügbar ist, ist die Sprache der Support-Mitarbeiter ausschließlich Englisch.

Zum Handbuch gelangen Anwender, wenn sie ganz unten auf der Pipedrive-Website auf den mit „Knowledge Base“ beschrifteten Link klicken. Es liegt auch in einer deutschen Übersetzung vor.

Unter „Ressources“, ebenfalls etwas versteckt ganz unten auf der Homepage, finden Nutzer englischsprachige Materialien aus dem Themenkreis Verkauf und CRM, die thematisch über ein reines Benutzerhandbuch hinausgehen. Dazu gehören etwa Fallbeispiele, Verkaufstipps und sogar Tabellenvorlagen.

Zusammenfassung0,0

Die größte Schwäche von Pipedrive ist zugleich seine größte Stärke. Das Programm ist stark auf die Bedürfnisse von Sales-Abteilungen ausgelegt, daher eignet es sich schlecht für Unternehmen, die auf der Suche nach einem weniger spezifischen CRM-Tools sind. Wenn es aber vor allem darum geht, eine perfekte Software-Umgebung für das Verkaufsteam einzurichten, gibt es kaum etwas Besseres.

Mit der flexiblen Sales-Pipeline bleiben Verkäufer immer fest auf das Ziel, also den Abschluss eines Deals, fokussiert. Umfangreiche Statistik-Funktionen machen es sehr einfach, die Leistung des Teams zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Komfortfunktionen wie die Integration von E-Mails sorgen dafür, dass Verkäufer nicht unnötig Zeit für die Suche nach Informationen verschwenden, sondern alle relevanten Daten stets im Blick haben.

Durch ihre vielen Konfigurations- und Einstellungsmöglichkeiten lässt sich die Software an ganz unterschiedliche Anforderungen anpassen. Eine Einschränkung ist jedoch, dass der Sales-Prozess im Mittelpunkt steht. Wer weniger verkaufsgetriebenes Costumer Relationship Management betreibt, findet bei Mitbewerbern Lösungen, die besser geeignet sind.