Handy Wasserschaden - Was tun?

Handy Wasserschaden

Das Handy ist heute immer und überall dabei. Oft auch im Badezimmer und am Strand. Selbst, wenn sie es nicht gerne zugeben: Auch auf der Toilette legen viele Deutsche ihr Smartphone nicht aus der Hand. An all diesen Orten besteht Gefahr, dass das Gerät ins Wasser fällt und dadurch völlig unbenutzbar wird. Kurioserweise ist der Sturz in die Kloschüssel sogar eine der häufigsten Schadensursachen bei den mobilen Alleskönnern. Bei einer Studie des deutschen Internetanbieters 1&1 gaben 20 Prozent aller Befragten an, dass ihnen dieses Missgeschick schon einmal passiert sei.

Für einen herben Wasserschaden muss das Smartphone gar nicht völlig untertauchen. Manchmal reicht schon ein umgekipptes Getränk, um das Gerät vorübergehend oder im schlimmsten Fall dauerhaft außer Gefecht zu setzten. Besonders schlimm sind zuckerhaltige Getränke wie Cola oder Cocktails. Sie verkleben die empfindliche Elektronik. Sogar Regentropfen, die an der falschen Stelle landen, oder der sportliche Schweiß des Besitzers können zum Defekt führen.

Ein Wasserschaden ist keine Kleinigkeit. Die Gefahr ist hoch, dass das Smartphone irreparabel beschädigt wird. Die gute Nachricht ist allerdings, dass sich bis zu 50 Prozent aller Handys mit Wasserschaden retten lassen. Das gilt jedoch nur, wenn der Besitzer rasch und besonnen handelt.

Getränk kippt auf Handy
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So ein Missgeschick kann leicht zum Totalschaden am Handy führen.

Erste Hilfe für nasse Handys

Um das Smartphone vielleicht noch zu retten, muss es zuerst aus dem Wasser geholt werden. Dazu sind manchmal leider ein entschlossener Griff ins Klo oder das knietiefe Waten in einem kalten Fluss nötig. Der Selbstschutz geht dabei natürlich vor. Es ist keine gute Idee, einem Handy hinterherzuspringen, das von einer Brücke gefallen ist. Solche Stunts können zu schweren Verletzungen oder gar zum Tod führen. Auch auf metertiefe Tauchgänge zur Bergung eines Mobiltelefons und auf ähnliche halsbrecherische Manöver sollten beherzte Handyretter besser verzichten.

Handy in der Wanne
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Vorsicht beim Selfie in der Wanne! Die Gefahr, dass das Handy ins Wasser fällt, ist groß.

Bei einem Gerät mit austauschbarem Akku ist es ideal, diesen sofort nach der Bergung zu entfernen. Das reduziert die Gefahr von Defekten durch Kurzschlüsse. Wenn der Akku fest eingebaut ist, sollte das Smartphone wenigstens abgeschaltet werden.

Zum Schutz von SIM- und Speicherkarten entfernt der Besitzer diese nun und trocknet sie mit einem Tuch. Wenn nur kurz Wasserkontakt bestanden hat, sind sie wahrscheinlich unbeschädigt und können ohne Einschränkungen weiterhin verwendet werden.

Um möglichst viel vom Wasser im Inneren abfließen zu lassen, ist es sinnvoll, das Smartphone ein paar Mal vorsichtig zu drehen und zu wenden. Anschließend sollte es von außen mit einem weichen Tuch, beispielsweise einem Geschirrtuch, einem Taschentuch oder einer Küchenrolle, abgetupft werden.

Nun gilt es, zu warten, bis das Handy auch innen vollständig getrocknet ist. Das kann bis zu 72 Stunden dauern. Ungeduld lohnt sich in diesem Fall nicht. Sollte das Gerät bei Einschalten noch feucht sein, kann es zu Kurzschlüssen kommen, die das Gerät zerstören, obwohl ein Wasserschaden eigentlich abwendbar gewesen wäre.

Kurz zusammengefasst retten Sie mit folgenden Schritten ihr nasses Handy:

  1. Bringen Sie das Smartphone ins Trockene.
  2. Nehmen Sie den Akku heraus.
  3. Schalten Sie das Gerät aus, wenn Sie den Akku nicht herausnehmen können.
  4. Entfernen Sie SIM- und Speicherkarte.
  5. Trocknen Sie die Karten mit einem Tuch.
  6. Drehen und wenden Sie das Gerät, um Wasser abfließen zu lassen.
  7. Trocknen Sie ihr Smartphone von außen mit einem weichen Tuch.
  8. Warten Sie 72 Stunden, bevor Sie das Handy wieder einschalten.

Hitze schadet dem Handy

Um die Trocknungszeit zusätzlich zu beschleunigen, kommen manche Anwender auf die Idee, ihr durchgefeuchtetes Handy zu erwärmen. Schließlich werden nasse Schuhe doch auch an die Heizung gestellt.

Was allerdings schon bei Schuhen keine besonders gute Idee ist, da die Heizungswärme das Leder brüchig macht, ist beim Smartphone völlig verfehlt. Wird es zu heiß, kann nämlich die empfindliche Elektronik der Geräte Schaden nehmen. Schon Temperaturen ab 40 Grad Celsius können manche Bauteile nicht verkraften.

Hitze zur Trocknung schafft also keine Abhilfe gegen Wasserschäden. Ganz im Gegenteil, sie stellt eine weitere, mögliche Schadensursache dar. Folgende Hilfsmittel dürfen somit nicht als Trocknungsbeschleuniger eingesetzt werden:

  • Direkte Sonneneinstrahlung
  • Heizungen
  • Föns
  • Mikrowellen (schadet auch der Mikrowelle)
  • Backöfen (nicht einmal auf niedrigster Stufe)

Trocknungsbeschleuniger Reis

Hitze richtet beim Trocknen des Handys also im Allgemeinen mehr Schaden an, als sie nutzt. Trotzdem gilt es, das Innere des Geräts so schnell wie möglich wieder trocken zu bekommen, um Korrosion so weit wie möglich zu verhindern. Dabei hilft ein bewährtes Hausmittel: Trockener, ungekochter Reis. Dieser wirkt hygroskopisch. Er nimmt also Feuchtigkeit aus der Umgebung auf. Darum funktioniert es auch, ein paar Reiskörner in den Salzstreuer zu legen, um das Salz rieselfähig zu halten. Die Körner ziehen die Feuchtigkeit aus dem Salz und verhindern so, dass es verklumpt.

Handy in Reis
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Reis beschleunigt die Trocknung des Smartphones.

Wer die Trocknung beschleunigen will, kann das Handy also in eine Schüssel legen und mit Reis bedecken. Am besten eignet sich dafür Reis, der aus einer frisch geöffneten Vakuumverpackung kommt, da dieser noch so gut wie keine Feuchtigkeit aufgenommen hat. Idealerweise wird statt einer Schüssel ein luftdicht verschließbares Gefäß (zum Beispiel eine Aufbewahrungsbox oder ein Gefrierbeutel) verwendet. Das gewährleistet, dass der Reis tatsächlich Wasser aus dem Gerät und nicht aus der Umgebungsluft aufnimmt. Auch bei der Reismethode macht sich Geduld bezahlt. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet mindestens 48 Stunden, bevor er das Smartphone einschaltet.

Isopropanol zum Reinigen

Während die Reismethode zum Trocknen des Handys von jedem schnell durchgeführt werden kann, ist die Alkohol-Methode deutlich aufwändiger. Dabei wird die Platine des Smartphones in leichtflüchtigem Alkohol gereinigt, der im Gegensatz zu Wasser rückstandsfrei verdunstet. Der Bildschirm und das Gehäuse sollten allerdings nicht mit dem Alkohol in Berührung kommen, da es dadurch zu Oberflächenveränderungen kommen kann. Ein unschön verfärbtes Backcover oder ein blindes Displayglas könnten die Folge sein. Um diese Teile von der Platine zu trennen, ist in der Regel einiges an Bastelei nötig, daher sollten nur Nutzer mit Erfahrung in der Handyreparatur diese Maßnahme durchführen.

Geeigneter Alkohol zum Reinigen von Elektronikbauteilen ist Isopropanol. Diese Art von Alkohol verdunstet schnell und wird unter anderem zur Desinfektion, für Kühlsysteme und in Scheibenwischanlagen eingesetzt. Offenes Feuer und Glut sind bei der Arbeit verboten, da Isopropanol leichtentzündlich ist. Das Mittel ist günstig in der Apotheke oder im Online-Handel erhältlich. Für die Wasserschadenbehandlung bei einem Smartphone reichen etwa 200 Mililiter.

Isopropanol
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Isopropanol entzündet sich sehr leicht.

Zur Reinigung nach einem Wasserschaden legt der Nutzer die ausgebaute Platine einen Tag lang in eine flasch Schüssel mit Isopropanol. Dabei sollte sie einige Male gewendet werden, damit die Flüssigkeit auch wirklich alle Stellen des Bauteils erreicht. Nach einem Tag wird die Platine aus der Schüssel genommen, abgetropft und anschließend für einen weiteren Tag in ein Bad mit frischem Isopropanol gelegt.

Nach dem zweiten Bad nimmt der Nutzer die Platine heraus, lässt sie gründlich trocknen, baut das Smartphone wieder zusammen und darf sich dann hoffentlich über ein funktionsfähiges Gerät freuen. Hundertprozentige Sicherheit, dass das Handy nach dieser Behandlung wieder funktioniert, gibt es leider nicht.

Wer bezahlt die Reparatur?

Selbst wenn es sich um ein gerade eben erworbenes Smartphone handelt: Die Reparatur eines Wasserschadens wird niemals von der Garantie oder der Gewährleistung abgedeckt. Schließlich kann der Hersteller nichts für die Tollpatschigkeit des Kunden. Dieser muss also die Reparaturkosten selbst tragen, und leider ist die Reparatur eines Wasserschadens relativ teuer. Darüber hinaus kommen bei einem Wasserschaden üblicherweise sämtliche zukünftigen Garantieansprüche zum Erliegen, da nie ausgeschlossen werden kann, dass ein Defekt eine Spätfolge des Wasserkontakts ist.

Dass ein Wasserschaden eingetreten ist, erkennt der Hersteller, weil in so gut wie allen Smartphones ein Feuchtigkeitssensor verbaut wird. Dieser kleine Papierstreifen verfärbt sich beim Kontakt mit Flüssigkeit dauerhaft. Das heißt: Selbst, wenn der Wasserschaden rückstandsfrei behoben wurde, besteht kein Garantieanspruch mehr.

Wo die Herstellergarantie und die gesetzliche Gewährleistung nicht greifen, hilft aber eine gute Handyversicherung. Der Geräte-Komplettschutz von Wertgarantie beispielsweise gilt auch für Schäden durch Wasser und Feuchtigkeit. Wer auf Nummer sicher gehen will, schließt so eine Versicherung gleich nach dem Kauf ab. Sollte es zu einem Wasserschaden kommen, übernimmt sie die Reparaturkosten oder ersetzt sogar das Gerät, falls der Defekt irreparabel ist.