Außergewöhnliche Kaffeezubereitung

Außergewöhnliche Kaffeezubereitung

Wasser in den Behälter füllen, Kaffeepulver in den Filter geben, Maschine anschalten: Bei den meisten Kaffeetrinkern ist die Zubereitung von Kaffee eine feste Routine. So schön das auch ist: Manchmal will man einfach etwas Neues ausprobieren.

Vertrautes Getränk mit unvertrauten Utensilien

Die meisten Kaffeeliebhaber haben die gängigen Kaffee-Zubereitungsmethoden schon einmal probiert. Mokka, Espresso und Filterkaffee sind sowohl Laien als auch erfahrenen Baristas bekannt. Wer jedoch Abwechslung in die Kaffeezubereitung bringen will, kann die eine oder andere weniger bekannte Methode ausprobieren. Dabei handelt es sich nicht bloß um Gimmicks, sondern um legitime Zubereitungsmethoden, die individuelle geschmackliche Eigenschaften aufweisen. Zwar sind die vorgestellten Vorgehensweisen den meisten unbekannt, neu sind sie allerdings nicht. Abgesehen von der AeroPress hat jede Methode den Test der Zeit bestanden und sich somit als legitim bewiesen.

Bei der Kaffeezubereitung wird grundsätzlich zwischen zwei Verfahren unterschieden, dem Pour-Over und der Full-Immersion. Beim Pour-Over wird Wasser über den gemahlenen Kaffee gegossen und der Kaffee tröpfelt langsam durch einen Filter, während bei Immersionsmethoden Kaffee und Wasser vermengt sowie gegebenenfalls nachträglich separiert werden.

Vakuumbereiter: Das Kaffeespektakel

Er sieht aus, als gehöre er in Viktor Frankensteins Labor anstatt in die Küche, bloß kommt bei der Nutzung kein Monster heraus, sondern leckerer Kaffee. Der erste Vakuum-Kaffeebereiter wird auf etwa 1830 datiert. So ungewöhnlich wie die Zubereitungsmethode auch sein mag, neu ist sie nicht. Im Prinzip handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Perkulators, einem Gerät zur Kaffeezubereitung, das schon im 19. Jahrhundert verwendet wurde und das sich in seiner modernen Form als Espressokocher der Firma Bialetti auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Anders als im metallenen Perkulator findet die Vakuumbereitung allerdings in gläsernen Behältern statt, was den Spaßfaktor erhöht, da Sie genau beobachten können, wie der Kaffee im Glasrohr aufsteigt.

Der Vakuumbereiter – auch Siphon genannt – besteht aus zwei Glasgefäßen, die mithilfe eines Stativs übereinander aufgestellt werden. Am Eingang der Glasröhre, die Teil des oberen Gefäßes ist, befindet sich der Einwegfilter. Das untere Glasgefäß wird mit Wasser gefüllt, das obere mit Kaffee. Ein Spirituskocher unter dem unteren Gefäß erhitzt das Wasser. Der entstehende Dampf erzeugt Druck. Dieser presst das Wasser durch die Röhre nach oben. Wenn das Wasser in das obere Gefäß gelangt und sich mit dem Kaffee vermischt, wird die Hitzequelle entnommen. Der untere Behälter kühlt ab, der Dampf wird zu Wasser und es entsteht ein Vakuum, das den nun fertigen Kaffee wieder hinuntersaugt.

Bei der Vakuumbereitung handelt es sich um eine Immersionsmethode, da sich der Kaffee im oberen Behälter mit dem Wasser vermengt. Das Resultat ist ein aromatischer und sehr klarer Kaffee, dessen Stärke davon abhängt, wie lange das Kaffeepulver im Wasser zieht. Die Vorgehensweise setzt etwas Zeit und Geschick voraus; keine andere Methode ist jedoch visuell ansprechender. Für eine tägliche Nutzung ist der Vakuumbereiter den meisten zwar zu aufwendig, wer aber zum Kaffee und Kuchen Besuch erwartet, kann seine Gäste hiermit zugleich unterhalten und ihnen frischen Kaffee servieren.

In folgendem Video von Legitimate Questions Coffee Channel wird die Vakuumbereitung kurz vorgeführt:

AeroPress: Kompaktes Gerät, starker Kaffee

Im Jahr 2005 erfand der US-Amerikaner Alan Adler die AeroPress. In ihrer Funktionsweise ist die AeroPress der Frech Press ähnlich – baut jedoch im Gegensatz zur French Press Druck auf. Sie besteht aus zwei Kunststoffröhren, die teleskopartig ineinander gepresst werden. Im Ausgang der einen Röhre wird ein Plastikfilter aufgesetzt, in dem ein Einweg-Papierfilter für eine zusätzliche Filterung sorgt.

Im dickeren Behälter wird das Kaffeemehl und heißes, aber nicht kochendes Wasser eingefüllt und umgerührt. Nachdem der Kaffee etwa eine Minute gezogen hat, wird die AeroPress auf einen Becher oder eine Kanne platziert. Der obere, leere Kolben wird hinuntergepresst und der Kaffee fließt langsam durch den Filter in den Behälter Ihrer Wahl. Das ist eine der schnellsten Zubereitungsmethoden.

Zwar ist diese Immersionsmethode der French Press ähnlich, der Kaffee, der dabei herauskommt, ist aber wesentlich stärker, eher wie aus einem Espressokocher. Schließlich wird bei der AeroPress ein ganz anderes Kaffee-Wasser-Verhältnis genutzt – sprich mehr Kaffee und weniger Wasser. Entscheidend ist außerdem, dass sich in der AeroPress Druck aufbaut, was ebenfalls das geschmackliche Profil beeinflusst.

Im Video von Tastify wird die Kaffeezubereitung mit einer AeroPress gezeigt:

Karlsbader Kanne: Pour-Over mit Vintage-Flair

„Seihkanne“ heißt das Gerät, das im Jahr 1795 vom französischen Apotheker und Chemiker François Antoine Henri Descroizilles erfunden wurde. Bekannter ist heutzutage eine bestimmte Variante der Seihkanne, die Karlsbader Kanne: eine dreiteilige Kanne aus weißem Porzellan. Ein ähnliches Gerät, nur ohne Bauch, wird von der Firma Walküre als „Bayreuther Kaffeemaschine“ vermarktet.

Die Karlsbader Kanne besteht komplett aus Porzellan. Als Kaffee-Behälter dient eine weiße Kanne. Auf diese wird ein zylindrischer Filter gesetzt, in den das grobe Kaffeemehl gegeben wird. Die dritte Schicht besteht aus dem Wasserverteiler beziehungsweise -dosierer, der dafür sorgt, dass das hineingegossene Wasser gleichmäßig verteilt wird.

Im Prinzip funktioniert die Pour-Over-Methode wie ein Handfilter und weist ähnliche Eigenschaften auf: Der Kaffee ist klar und aromatisch. Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied, und zwar das Porzellan, aus dem selbst der Filter besteht. Zum einen versetzt die Ästhetik der weißen Porzellankanne Nutzer zurück in Omas Wohnzimmer – für so manchen eine wohltuende Assoziation. Viel wichtiger ist jedoch das Material selbst. Übliche Materialien für Kaffeeutensilien wie Papier, Kunststoff, Edelstahl oder Aluminium wirken sich in den Augen einiger Nutzer negativ auf den Kaffeegeschmack aus. Porzellan ist in der Hinsicht vollkommen neutral. Der Kaffee aus der Karlsbader Kanne ist somit völlig frei von Geschmacksverfälschungen.

Im YouTube-Video von J.J. Darboven sehen Sie, wie eine Karlsbader Kanne genutzt wird:

Vietnamesischer Kaffee: Tasse auf Tasse

Erst im Jahr 1857 wurde Kaffee in Vietnam eingeführt. Etwas über 150 Jahre später ist das Land nun der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt. In dieser Zeit ist eine bestimmte Zubereitungsmethode, die wir als vietnamesischen Kaffee kennen (Cà phê), entwickelt worden.

Für vietnamesischen Kaffee benötigen Sie einen metallenen Filter, den Phin. Er sieht aus wie eine kleine Metalltasse. Diese Tasse wird auf einen Kaffeebecher oder eine Tasse gesetzt. Der Boden des Phin ist gelocht und dient als Filter. Das Kaffeepulver wird in den Phin gegeben. Mit einem separaten kleinen Metallfilter drücken Sie das Kaffeepulver gleichmäßig hinunter. Nach einer kurzen Blooming-Phase, also der Anfeuchtung des Kaffeepulvers, füllen Sie den Phin mit heißem Wasser und decken ihn mit dem kleinen Metalldeckel zu, bis das ganze Wasser durch den Filter getröpfelt ist. Es handelt sich somit um eine Pour-Over-Methode.

In Vietnam wird der Kaffee oft kalt getrunken und heißt in diesem Fall „cà phê đá“. Häufig wird er mit süßer Kondensmilch, Joghurt und sogar Eigelb vermischt, was viele für notwendig halten, da der Kaffee schwarz sehr stark ausfallen kann.

In folgendem Video von Faifo Coffee wird die Zubereitung vietnamesischen Kaffees kurz vorgezeigt:

Cold Brew: Mit Geduld zum Koffeinkick

Unter den Kaffee-Zubereitungsmethoden sticht das sogenannte „Cold-Brewing“ besonders stark heraus. Es ist die einzige Methode, bei der das Wasser nicht erhitzt wird, was dem Kaffee ein ganz anderes geschmackliches Profil verleiht. Seinen Ursprung hat Cold-Brew-Kaffee in Japan, wo er noch immer sehr beliebt ist und selbst in Dosen am Getränkeautomaten verkauft wird.

Cold-Brewing erfolgt in zwei Schritten, zwischen denen je nach Rezept 10 bis 24 Stunden liegen. Spontan können Sie Cold Brew also nicht trinken. Deswegen werden meist mehrere Liter auf einmal zubereitet und der Kaffee über mehrere Tage im Kühlschrank gelagert, etwa wie kalter Tee. Geben Sie den Kaffee und das Wasser in ein großes Gefäß: Einmachgläser oder French Presses eignen sich hierfür besonders gut. Vermischen Sie das Kaffeepulver mit dem Wasser und stellen Sie das Gefäß 10 bis 24 Stunden lang in den Kühlschrank. Anschließend können Sie den Cold Brew mit einem Handfilter umgießen und bis zu zwei Wochen im Kühlschrank lagern.

Cold Brewing ist eine Immersionsmethode, bei der grob gemahlener Kaffee lange in kaltem Wasser extrahiert wird. Das Resultat ist ein erfrischender, klarer Kaffee mit deutlich weniger Bitterstoffen als übliche heißgebrühte Varianten. Doch lassen Sie sich vom ausbalancierten Geschmack nicht verleiten: Der Koffeingehalt ist unter allen Zubereitungsmethoden bei weitem am höchsten.

Im Video von Kitchen Stories sehen Sie ein einfaches Cold-Brew-Rezept: