WordPress vs. Joomla

WordPress vs. Joomla

Die Entscheidung für ein bestimmtes Content-Management-System (CMS) ist für jede Website elementar. Sobald sie erfolgt ist und die Seite mit einem bestimmten CMS läuft, ist es nicht mehr ohne weiteres möglich, zu wechseln. Dabei ist die Entscheidung nicht einfach: Es gibt duzende etablierte CMS-Tools und noch viel mehr Nischen- und Speziallösungen. Die beiden bekanntesten sind WordPress und Joomla.

Jede 4. Website läuft mit WordPress

Bei einem Blick auf die weltweite Verbreitung dieser beiden Programme zum Verwalten von Websites entpuppen sie sich jedoch als ungleiche Rivalen: Während mehr als ein Viertel (28,3 Prozent) aller Websites mit WordPress betrieben wird, entfallen auf Joomla nur 3,3 Prozent Marktanteil.

In anderen Punkten unterscheiden sich beide Tools allerdings gar nicht so stark. Sowohl Joomla als auch WordPress sind kostenlose Open-Source-Software.

Screenshot der Erweiterungsverwaltung von Joomla
Joomla-Erweiterungen lassen sich direkt im Backend installieren, fast so einfach wie bei WordPress.

Beide bieten Website-Betreibern mit Erweiterungen fast unbegrenzte Möglichkeiten und beide sind nicht übermäßig kompliziert – in puncto Einfachheit hat WordPress allerdings dennoch die Nase vorn. Wie schneiden die beiden CMS in unterschiedlichen Teilbereichen ab?

Sicherheit

Natürlich kann ein erweiterbares CMS mit den richtigen Erweiterungen abgesichert werden. Ebenso reißen allerdings Unachtsamkeiten bei der Wahl der Erweiterungen Sicherheitslücken auf. Das gilt sowohl für WordPress als auch für Joomla. Aber welches der beiden Systeme ist schon in der Grundinstallation sicherer?

In diesem Bereich zieht WordPress den Kürzeren. Allein schon wegen seiner immensen Beliebtheit haben Hacker großes Interesse daran, Sicherheitslücken in WordPress auszunutzen. Wer eine Schwachstelle in WordPress findet, hat schließlich eine Möglichkeit, sich Zugang zu mehr als einem Viertel aller Websites weltweit zu verschaffen.

Die Unmengen an Plug-ins sind zwar einer der größten Vorteile von WordPress, stellen aber aus Sicherheitsperspektive eindeutig einen Negativpunkt dar. Die Sicherheit all dieser Erweiterungen kann nämlich nicht garantiert werden. Dazu bräuchte es ein System, das überprüfen kann, ob sich die Erweiterungshersteller immer an sämtliche Sicherheitsstandards halten, und das wäre nur sehr schwierig umzusetzen. Darüber hinaus müssen wichtige Sicherheitsmerkmale wie eine SSL-Verschlüsselung für das Dashboard oder eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) bei WordPress mit Plug-ins nachgerüstet werden, während sie bei Joomla schon Teil des Grundsystems sind.

Benutzerverwaltung

Hier geht die Runde an Joomla. WordPress sieht nur sechs vordefinierte Benutzerrollen vor, während Betreiber von Joomla-Sites beliebig viele Benutzerrollen vergeben können und die Möglichkeit haben, für jede davon umfassende Benutzerrechte zu konfigurieren. Mit entsprechenden Plug-ins bekommt zwar auch WordPress vergleichbare Fähigkeiten, aber hier geht es um den Vergleich dessen, was ohne Erweiterungen möglich ist.

Erweiterbarkeit

Für WordPress gibt es mehr als 40.000 Plug-ins, dem gegenüber stehen etwas mehr als 8.500 Erweiterungen für Joomla. Bei Themes sieht es ähnlich aus. Hochwertige kostenlose Themes für WordPress sind leicht zu finden, für geringe Beträge können Website-Betreiber auch Themes kaufen, was die Gestaltungsmöglichkeiten noch einmal erweitert.

Das Backend-Interface von WordPress-Plug-ins ist in der Regel hübscher und benutzerfreundlicher gestaltet als das von ihren Pendants bei Joomla.

Screenshot des Theme-Katalogs von WordPress
Für WordPress stehen deutlich mehr Themes als für Joomla bereit.

Negativ ist hingegen, dass viele WordPress-Plug-Ins nach dem Freemium-Modell vertrieben werden und Nutzer der Gratis-Versionen nervige Werbung im Backend ertragen müssen. Dennoch geht diese Runde auf Grund der Mannigfaltigkeit der Möglichkeiten an WordPress.

Suchmaschinenoptimierung

Das Grundpaket bietet weder bei WordPress noch bei Joomla wirklich ausgereifte Möglichkeiten zur Suchmaschinenoptimierung (SEO). Lediglich Joomla ermöglicht es, Artikel mit Meta-Beschreibungen und -Keywords zu versehen, das gibt dem System in diesem Bereich einen kleinen Vorsprung.

Um die SEO-Fähigkeiten der beiden Systeme wirklich zu vergleichen, ist es erforderlich, die Fähigkeiten von Erweiterungen miteinzubeziehen. Der offensichtliche Kandidat auf der Seite von WordPress ist das beliebte Plug-in Yoast SEO. Es ist extrem benutzerfreundlich, ohne dabei auf einen großen Funktionsumfang zu verzichten.

Als eine der besten SEO-Erweiterungen für Joomla gilt Easy Frontend SEO. Es bietet dem Anwender viele ähnliche Möglichkeiten wie Yoast, und zwar direkt im Frontend der Joomla-Site. Dennoch ist Yoast deutlich umfassender und benutzerfreundlicher.

Möglichkeiten als CMS

Sowohl Joomla als auch WordPress sind komplexe CMS. Obwohl WordPress den Ruf hat, vor allem ein Tool für einfache Blogs zu sein, ist damit viel mehr möglich. Was es Joomla allerdings voraus hat, ist die deutlich höhere Benutzerfreundlichkeit.

Joomla bringt allerdings schon ohne Erweiterungen vielfältigere Möglichkeiten mit, vor allem wenn es um Benutzerrollen und frei konfigurierbare Inhalts-Kategorien (WordPress kennt nur „Seiten“ und „Beiträge“) geht. Das lässt sich mit Plug-ins zwar ändern, allerdings wirkt das System damit immer etwas zusammengeflickt. Joomla hingegen zeichnet sich durch eine sehr systematische, gut strukturierte Benutzeroberfläche aus, die auch mit Erweiterungen nicht unaufgeräumt aussieht.

Zusammenfassung

WordPress hat die denkbar höchste Benutzerfreundlichkeit, glänzt mit einer riesigen Auswahl an Plug-ins und Themes und kann mit Yoast SEO die bessere Erweiterung für Onpage-SEO vorweisen. Joomla hingegen ist sicherer, ermöglicht im Gegensatz zu WordPress eine komplexe Verwaltung von Benutzerrechten und ist auch ohne Erweiterungen gut auf größere Web-Projekte vorbereitet.

Die Entscheidung ist in allen Bereichen eine knappe. Beide Programme sind sehr ausgereifte, universell einsetzbare Content-Management-Systeme. Ihre Profile sind sich so ähnlich, dass es viele Einsatzzwecke gibt, für die sich beide gut eignen. Dann ist die Wahl zwischen ihnen auch eine Frage der persönlichen Vorlieben.

WordPressJoomla
Besonders geeignet fürUnerfahrene AnwenderMäßig erfahrene Anwender
SicherheitSichere Konfiguration durch erfahrene Anwender möglichSchon Out-of-the-Box relativ hoch
BenutzerverwaltungÜbersichtlich und eingeschränktFeingliedrige Festlegung von Benutzerrollen und Zugriffsrechten möglich
ErweiterbarkeitNahezu endlos konfigurierbar, wird aber mit vielen Erweiterungen sehr unübersichtlichViele, aber nicht ganz so viele Erweiterungen wie für WordPress
SuchmaschinenoptimierungBenutzerfreundliches Plug-in Yoast SEO mit mannigfaltigen FunktionenEasy Frontend SEO ist ähnlich funktionsreich, hat aber keine ganz so durchdachte Benutzeroberfläche
Möglichkeiten als CMSMit Erweiterungen nahezu endlosSchon ohne Erweiterungen sehr vielfältig
Die Unterschiede zwischen Joomal und WordPress im Überblick