Anne Röttgerkamp

So wohnt Deutschland

So wohnt Deutschland

Eigenheim oder Mietwohnung: Wie leben die Deutschen und welche Einrichtungstrends spielen 2015 eine Rolle?

„Ein Mann muss drei Dinge im Leben tun: Ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen." Diese Redewendung kennt wohl jeder Deutsche. Doch ist die darin vertretene Ansicht noch zeitgemäß oder verfolgen die Deutschen mittlerweile ganz andere Lebens- und vor allem Wohnkonzepte? Die eigenen vier Wände sind bekannt und auch noch die der Familie und Freunde, doch viel weiter reicht der Blick oft nicht. Im Gegensatz zu anderen Nationen, in denen die Türen oft jederzeit für Besuch offenstehen oder sich das Leben vielmehr draußen abspielt, versteht der Deutsche sein Heim als einen Ort des Rückzugs, in den für gewöhnlich nur zu besonderen Anlässen Besuch geladen wird. Netzsieger wagt einen Blick hinter die dicken deutschen Hausfassaden und findet heraus, ob der Bau eines Eigenheims immer noch zu den typisch deutschen Lebensereignissen zählt.

Eigenheim oder Mietwohnung?

Von den rund 81,1 Millionen Einwohnern Deutschlands besitzen nur 29,53 Prozent ein Eigenheim, weitere 4,52 Prozent können eine Wohnung ihr Eigen nennen. In der Summe sind also nicht einmal 35 Prozent der Deutschen im Besitz von Wohneigentum. Der Wunsch nach Besitz, der stets auch ein hohes Maß an Verantwortung und Arbeit mit sich bringt, lässt bei der jüngeren Generation immer mehr nach. Folgt auf den sich durchsetzenden Trend des Carsharings womöglich auch die Entwicklung, dass Wohneigentum immer unbeliebter wird und sich im Gegenzug der Wunsch nach einem flexiblen Leben durchsetzt, ohne an einen Ort gebunden zu sein? Das Leben in einer Mietwohnung macht dies möglich: Ganze 35,89 Prozent der Deutschen ziehen eine Mietwohnung dem Besitz von Wohneigentum vor und sicherlich sind die mangelnden finanziellen Mittel nicht der einzige Beweggrund, weshalb Mietwohnungen sich einer so hohen Beliebtheit erfreuen. Mieter müssen sich um wenig kümmern und können in der Regel flexibel von einer Gegend, einer Stadt oder auch nur einem Stadtteil in den anderen umziehen.

Entschleunigung des Privatlebens

Die Deutschen sind Wohnweltmeister – keine andere Nation gibt so viel Geld für das eigene Zuhause und somit auch für Möbel aus: Im Schnitt 390 Euro jährlich. Die eigenen vier Wände sind nicht nur zum Essen, Schlafen und Duschen da, sondern elementarer Rückzugsort. 2015 stehen die Einrichtungstrends ganz im Zeichen der Gemütlichkeit: So stressig das Leben außerhalb der Haustür ist, so entspannt soll es im gemütlichen Zuhause zugehen. Die Trends orientieren sich dafür an der Einrichtung der typisch englischen Cottages, in denen natürliche Materialien, individuelle Wohnaccessoires und weiche Stoffe zum Ausruhen einladen. Diese und viele weitere interessante Fakten präsentiert Netzsieger in einer eigens zum Thema entworfenen Infografik.

Unterschiede im Konsumverhalten

Klassische Statusobjekte, wie etwa das eigene Auto, verlieren zunehmend an Popularität. Die junge Generation ist auf andere Weise mobil: Carsharing, Mitfahrgelegenheiten, Fernbusse und seit Neuestem auch private Bahnanbieter auf der Fernstrecke sind neue Spieler, die auf den Mobilitätsmarkt drängen und von der jungen Generation rege genutzt werden. Vor allem in Großstädten wird das Auto von jungen Leuten immer öfter gegen das Fahrrad oder eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel eingetauscht. Schwere Einkäufe – sowohl Lebensmittel auch als andere Online-Bestellungen – lassen sie sich immer öfter liefern.

Im Durchschnitt zieht jeder Deutsche 4,5-mal um. Dabei packt nur jeder vierte Deutsche die Umzugskartons zugunsten eines neuen Jobs. Die Grenzen der eigenen Region überschreitet dabei lediglich jeder Zehnte.

Es steht doch ein Umzug an: Das sollten Sie beachten

  • Neuer Mietvertrag: Erst wenn dieser unterschrieben ist, sollten Mieter ihren alten Vertrag kündigen. Ansonsten kann es ganz schön knapp werden, falls der Vermieter im letzten Moment doch noch abspringt. Das zehrt an den Nerven. Klappt es dann nicht mehr rechtzeitig, müssten sie ihre Möbel bei Bekannten oder in einem Lagerraum abstellen und sich um eine Unterkunft kümmern.
  • Schlüsselübergabe: Dabei sollten Nutzer ein Übergabeprotokoll verlangen, in dem potentielle Schäden notiert werden. Das verhindert Ärger beim Auszug.
  • Umzugshelfer: Soll der Umzug in Eigenregie mit Freunden über die Bühne gehen? Ist dies nicht möglich, ist es eventuell notwendig, ein Umzugsunternehmen zu beauftragen. Auch über den Abschluss einer Transportversicherung sollten sich Umzügler Gedanken machen.
  • Kostenkontrolle: Die Kosten für einen Umzug sollten stets im Auge behalten werden, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt. Dazu gehören notwenige Renovierungen der alten und der neuen Wohnung, Kosten für Kartons und Verpackungsmaterial, für Transporter und Sprit sowie Folgekosten wie ein Post-Nachsendeauftrag und potentielle Ummeldegebühren für Telefon und Internetanschlüsse.
  • Bei Umzügen ins Ausland sollten Dokumente wie Personalausweis und Reisepass auf Gültigkeit überprüft werden. Des Weiteren empfiehlt es sich, wichtige Dokumente wie Geburts- oder Heiratsurkunden in die jeweilige Landessprache übersetzen zu lassen.
  • Kündigungen: Bei einigen Verträgen, etwa im Mobilfunkbereich, genießen Kunden bei Umzug ins Ausland ein Sonderkündigungsrecht.
  • Vorausplanung: Das Wichtigste bei einem Umzug ist die penible, leider zeitaufwendige Planung der einzelnen Arbeitsschritte. So werden Nerven und Geldbeutel geschont sowie eine Menge an Zeit gespart.