Online Klavierspielen lernen

Online Klavierspielen lernen

Viele Menschen möchten ein Musikinstrument lernen oder ihre spielerischen Fähigkeiten verbessern. Besonders das Klavier ist beliebt. Oft scheitert dieses Vorhaben aber am zu vollen Terminkalender, am Geld oder schlicht daran, dass man im Erwachsenenalter nicht unbedingt zurück an die Musikschule möchte. All diese Probleme bestehen mit Onlinekursen nicht, daher stellen sie eine interessante Alternative zu herkömmlichem Musikunterricht dar.

Der Traum vom Klavierspielen

Der Teufel spielt Klavier, zumindest in der Fernsehserie Lucifer. Dort unterhält der titelgebende Protagonist –  der Chef der Hölle persönlich, der sich gerade eine Auszeit in Los Angeles gönnt – die Gäste seines Nachtclubs gern als Barpianist. Auch der zynische Fernseharzt Dr. House ist gelegentlich am Klavier zu sehen. In diesen Szenen haut der Schauspieler Hugh Laurie selbst in die Tasten.

Wenn diese Serienfiguren am Klavier sitzen, strahlen sie zweifellos eine gewisse Coolness aus und so mancher Fan möchte es ihnen gleichtun. Aber die Hemmschwelle ist hoch. Sowohl der Unterricht als auch das Instrument selbst kosten Geld. Lohnt sich die Investition, wenn ich noch gar nicht weiß, ob ich bei diesem Hobby bleiben werde? Und habe ich überhaupt Zeit, regelmäßig zu üben? Solche und ähnliche Fragen halten viele Erwachsene davon ab, es doch noch mit dem Klavier zu versuchen.

Online-Klavierkurse und Apps versprechen Abhilfe. Sie bieten einen niederschwelligen Einstieg. Dazu noch ein gemietetes E-Piano und schon haben Musikbegeisterte alles, was sie brauchen, um es mit dem Klavier zu probieren. Wer Gefallen an der Sache findet, kann später immer noch Unterricht nehmen und sich ein eigenes Instrument zulegen.

Manchmal ist ein Onlinekurs ideal

Keine Frage, Einzelunterricht am Klavier hat gewisse Vorteile: Die Lernenden bekommen individuelles Feedback zu ihrer Körperhaltung, ihre Spielweise wird korrigiert und beim Unterricht kann auf individuelle Vorlieben beziehungsweise Bedürfnisse eingegangen werden. Allerdings ist Musikunterricht auch teuer und zeitlich nur begrenzt flexibel.

Wer sich hingegen das Klavierspielen selbst mit Lehrmaterial aus dem Internet beibringen möchte, braucht Disziplin. Schließlich gibt es keine wöchentlichen Klavierstunden, für die man üben muss. Ohne Korrekturen durch eine Lehrkraft kann es auch schnell passieren, dass man sich eine falsche Technik aneignet, die man später nur schwer wieder loswird. Dafür fällt für einen Online-Kurs der Bruchteil der Kosten von Musikstunden an und man kann die Übungseinheiten absolvieren, wann immer man gerade Zeit hat – mit einem E-Piano und Kopfhörern sogar mitten in der Nacht.

Manche Lernwillige betrachten den Wegfall eines persönlichen Gegenübers sogar als Vorteil. Schließlich ist eine Übungs-App geduldiger als so manche Lehrkraft und behandelt alle Lernenden gleich. Gerade, wer eher introvertiert und intrinsisch motiviert ist oder als Kind schlechte Erfahrungen mit Lehrkräften gemacht hat, weiß das zu schätzen.

Onlinekurse haben also im Vergleich zu Klavierstunden folgende Vor- und Nachteile:

Vorteile
  • Kostengünstig
  • Zeitlich flexibel
  • Fortschrittsgeschwindigkeit selbst wählbar
  • Keine unfaire Behandlung durch Lehrende
Nachteile
  • Kein Feedback zu Körperhaltung und Spieltechnik
  • Viel Disziplin nötig
  • Kursprogramm für alle SchülerInnen gleich

Auf die richtige Mischung kommt es an

Der Gedanke, nur mit Onlinekursen Klavierspielen lernen zu wollen, ist alles andere als absurd. Schließlich gab es zu allen Zeiten Menschen, die das Spielen dieses Instruments autodidaktisch erlernt haben. Mit modernen digitalen Hilfsmitteln gelingt das leichter als je zuvor.

Sich die Beherrschung eines Instruments ganz ohne Unterstützung durch eine Lehrkraft anzueignen, setzt jedoch ein Maß an Durchhaltevermögen und Aufmerksamkeit voraus, das nur die wenigsten aufbringen. Der richtige Tipp zum richtigen Zeitpunkt kann viele langwierige Lernprozesse abkürzen.

Für die meisten dürfte daher ein Mix aus Unterricht und digitaler Lernplattform ein guter Weg sein. Diesen Mix kann man unterschiedlich gestalten: Vom wöchentlichen Unterricht in der Musikschule, der durch das Selbststudium mithilfe von Videos und digitalen Lernplattformen ergänzt wird, bis hin zum hauptsächlichen autodidaktischen Lernen, bei dem nur bei Bedarf die Hilfe einer Lehrkraft in Anspruch genommen wird, ist alles denkbar.

E-Pianos mieten für den schnellen Einstieg

Wer denkt, dass er am Klavierspielen Spaß haben könnte, hat heute alle Möglichkeiten, es unkompliziert auszuprobieren. Eine passende App ist schnell installiert und auch den Kauf eines teuren Instruments können sich AnfängerInnen sparen. Schließlich gibt es diverse Händler, die Keyboards und E-Pianos ab rund 30 Euro monatlich vermieten. Manche bieten sogar eine Kaufoption an, bei der bereits bezahlte Monatsmieten angerechnet werden. So ist es problemlos möglich, das Instrument erst einmal auszuprobieren, bevor man sich dazu entschließt, eine größere Investition zu tätigen. Langfristig lohnt sich das Mieten allerdings nicht: Ab einer Mietdauer von anderthalb bis zwei Jahren ist ein Kauf fast immer günstiger.

Apps zum Klavierlernen

Im Gegensatz zu reinen Videokursen haben Apps einen entscheidenden Vorteil: Sie ermöglichen zumindest ein begrenztes Maß an Interaktivität. Beispielsweise zeigen sie an, wann eine bestimmte Taste gedrückt werden muss und pausieren automatisch, wenn die oder der Lernende nicht mehr hinterherkommt. Die meisten namhaften Apps sind allerdings kostenpflichtig, die Preise reichen etwa von 10 bis 40 Euro im Monat.

flowkey

Das Prinzip von flowkey ist einfach: In der oberen Bildschirmhälfte ist ein Video mit Händen, die das gewählte Stück spielen, zu sehen. In der unteren Bildschirmhälfte scrollen die Noten synchron zur Musik. Das Programm registriert per Mikrofon oder per MIDI-Kabel die gespielten Töne und wartet, bis die oder der Lernende die gewünschte Taste gedrückt hat. Sobald man ein Stück etwas besser beherrscht, kann man diese Funktion abstellen und die Musik in Echtzeit oder verlangsamt durchlaufen lassen, während man mitspielt. Es ist auch möglich, die Noten für die rechte und die linke Hand getrennt zu üben. Darüber hinaus erlaubt es flowkey einzelnen Stellen zu markieren, um sie in einer Dauerschleife zu üben.

Dieses Video des YouTube-Channels PianoBeat zeigt, wie das Programm funktioniert:

Neulinge dürften mit flowkey schnell Erfolg haben und lernen, erste einfache Lieder zu spielen. Das Programm beinhaltet mehr als 1.500 Stücke aus unterschiedlichen Sparten, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Ergänzt wird das Ganze mit Kursen, in denen man zum Beispiel Spieltechnik und Notenlesen lernt oder Tonleitern übt.

Preis:

1 Monat: 19,99 Euro
12 Monate: 119,88 Euro
Lebenslang: 329,99 Euro

Plattformen:

Browser, Android, iOS

Skoove

Das Grundprinzip von Skoove ähnelt dem von flowkey, auch hier werden Lernenden horizontal scrollende Noten gemeinsam mit Videos präsentiert; auch dieses Programm hat einen interaktiven Modus. Während flowkey den Schwerpunkt auf das Erlernen einzelner Songs legt und nur wenige allgemeine Übungseinheiten beinhaltet, bietet Skoove vor allem Kurse, die Anfänger systematisch an das Klavierspielen heranführen. Die Kurse beackern ein breites Themenfeld. Es reicht von Notenlesen und korrekter Haltung über Musiktheorie bis hin zu speziellen Bereichen wie Blues und Boogie-Woogie oder Musikproduktion.

Der YouTube-Channel Mr R’s Music Lessons stellt die App kurz vor (auf Englisch):

Preis:

1 Monat: 19,99 Euro
3 Monate: 33,99 Euro
12 Monate: 119,88 Euro

Plattformen:

Browser, Android, iOS

music2me

Die App music2me wurde 2011 vom Pianisten und Klavierlehrer Yacine Khorchi gegründet, der an der Hochschule für Musik in Würzburg studiert hat. Der Gründer ist auch heute noch sehr präsent. Wer mit music2me übt, nimmt sozusagen Klavierstunden bei Yacine, der nicht nur in Videos durch den Kurs führt, sondern auch hinter dem didaktischen Konzept und der Auswahl der Stücke steckt. music2me setzt ebenfalls auf Videos mit klavierspielenden Händen und synchron scrollende Noten. Übungen zum Mitspielen wechseln sich mit Erklärteilen ab, in denen Themen wie Spieltechnik und Musiktheorie erläutert werden. Quizfragen dienen der Auflockerung und helfen, den Lernstoff im Gedächtnis zu behalten.

Hier erklärt Yacine im YouTube-Channel von music2me die Grundlagen des Klavierspielens:

music2me bietet etwas mehr Funktionen als vergleichbare Apps, unter anderem lässt sich die Videoqualität einstellen und Lernende können die Notenblätter der Songs downloaden. Neben Klavier kann man mit music2me auch Gitarre lernen. Wer sich für beide Instrumente interessiert, hat die Möglichkeit, ein vergünstigtes Kombiabo zu buchen.

Preis:

1 Monat: 15 Euro
6 Monate: 72 Euro
12 Monate: 120 Euro

Plattformen:

Browser, Android

Klavier lernen mit Videos

Wer sich im Internet ein wenig umsieht, findet unzählige Videokurse, die einen einfachen Einstieg in das Klavierspielen versprechen. Viele davon sind kostenlos, für manche ist ein niedriger Einmalbetrag fällig. Reine Videokurse bieten allerdings deutlich weniger Komfort als spezielle Apps. Sie wissen nicht, welche Töne gespielt wurden, und fahren unerbittlich mit der Übung fort, egal ob die beziehungsweise der Lernwillige hinterherkommt oder nicht. Auch das gezielte Üben einzelner Stellen ist meistens nur schwer möglich. Während sich Übende bei Apps meist ganz auf das Klavier konzentrieren können, sind sie bei gewöhnlichen Videokursen sehr damit beschäftigt, auf ihren Bildschirm zu tippen, um das Video zu pausieren oder gezielt bestimmte Stellen anzusteuern.

YouTube

Die Video-Community hat sich als beliebte Anlaufstelle für Tutorials jeder Art etabliert. Von Schminkanleitungen über Kochkurse bis hin zu virtuellen Yogastunden ist alles dabei. Selbstverständlich gibt es hier auch Klavierkurse, und zwar kostenlos. Eine Qualitätskontrolle findet allerdings nicht statt, jede oder jeder, die oder der will, kann seine Videos auf YouTube veröffentlichen. Entsprechend durchwachsen ist auch die Qualität der angebotenen Klavierkurse. Viele konzentrieren sich darauf, absoluten EinsteigerInnen die Grundlagen beizubringen. Wirklich umfassende Kurse sind selten.

Thomas Forschbach vom YouTube-Channel Klavier lernen (werdemusiker.de) ist allerdings trotzdem ziemlich begeistert von der Videoplattform als App zum Klavierspielen-Lernen. Unter anderem lobt er die Community, die Vielfalt an Inhalten und den Algorithmus, der NutzerInnen immer passende Tutorials vorschlägt:

YouTube eignet sich gut als Begleitung oder Ergänzung zu Klavierstunden oder speziellen Klavier-Apps. Wer bestimmte Themen vertiefen möchte, ist hier richtig. Das Klavierspielen ausschließlich mit YouTube-Videos zu lernen, dürfte aber schwierig sein.

Preis:
kostenlos

Plattformen:
Browser, Windows, macOS, Android, iOS, Smart-TVs, diverse Konsolen und Set-Top-Boxen

Udemy

Unzählige Lehrende bieten auf Udemy Klavierkurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Lernwillige können einen Kurs wählen, der ihren Vorlieben entspricht – ob Pop, Jazz oder Klassik, ob Schnellkurs oder intensiver Lehrgang, hier sollten alle etwas Passendes finden.

Die Inhalte auf Udemy sind meistens auf Englisch, im Bereich Klavier gibt es aber auch ein breites Angebot auf Deutsch. In diesem Video stellt der Klavierlehrer Christoph Buhse seinen Udemy-Kurs Easy Pop Piano vor:

Anders als YouTube ist Udemy als Lernpattform konzipiert, wenngleich nicht auf das Klavierlernen spezialisiert. Das hat für Lernwillige eine Reihe von Vorteilen, unter anderem beantworten viele Lehrende Fragen persönlich, oft gibt es zusätzliches Unterrichtsmaterial zum Download und manche Kurse enthalten auch Quizfragen zur Selbstkontrolle. Die Kurse sind meistens sorgfältiger ausgearbeitet und umfangreicher als bei YouTube. Zudem erhält man am Ende eines Kurses ein Abschlusszertifikat. Da es keine Prüfungen gibt, sagt dieses Zertifikat zwar nicht viel aus, trotzdem ist es nett, nach dem Absolvieren eines Kurses etwas in den Händen halten zu können.

Preis:
15–120 Euro pro Kurs

Plattformen:
Browser, Android, iOS

Mehr als Apps und Videos

Möglichkeiten, im Internet Klavier zu lernen, beschränken sich nicht auf reine Selbstlernangebote. Auf Superprof kann man zum Beispiel Musiklehrkräfte finden, die Klavierunterricht per Webcam anbieten. Die intensive Einzelbetreuung ist allerdings teuer, zwischen 25 und 70 Euro sind für eine Unterrichtsstunde fällig. Wer nicht regelmäßig so viel bezahlen möchte, kann das Angebot auch ergänzend zu Lern-Apps nutzen, um im Bedarfsfall Feedback von Profis einzuholen.

Einen ganz anderen Weg geht die newmusic.academy. Dabei handelt es sich um eine Musikschule, die mit Mitteln des Fernstudiums arbeitet. Lernwillige bekommen Unterrichtsmaterial in Form von Studienheften, CDs und DVDs zugesandt, können die Unterlagen aber auch online abrufen. Es ist möglich, Übungseinheiten als Video aufzuzeichnen, um Feedback zu bekommen. Preislich bewegt sich die newmusic.academy in etwa auf dem Niveau traditioneller Musikschulen, die Unterrichtskosten belaufen sich auf rund 100 Euro pro Monat. Da die Ausbildung staatlich anerkannt ist, konnte man sie in Deutschland teilweise über die Bildungsprämie finanzieren. Dieses Förderungsprogramm wurde leider Ende 2021 eingestellt. In Österreich werden die Kurse der newmusic.academy allerdings weiterhin für die Bildungskarenz angerechnet.


Teaserbild: © yuriygolub / stock.adobe.com | Video 1: PianoBeat / YouTube | Video 2: Mr Z's Music Lessons / YouTube | Video 3: music2me / YouTube | Video 4: Klavier lernen (werdemusiker.de) / YouTube