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Anne Röttgerkamp

Bier in Übersee

Das Oktoberfest ist in vollem Gange. Unmengen Bier fließen von den Zapfanlagen in die traditionellen Maßkrüge, und die Besucher lieben es. Während der eine sein Bier eiskalt mag, genießt der andere es lieber auf Zimmertemperatur, und wiederum andere versüßen es sich mit Limonade. Doch worauf wirklich jeder Wert legt, das ist die Qualität. Das heißt im Klartext: auf das deutsche Reinheitsgebot. Denn Bier soll schließlich auch nach Bier schmecken. Das sehen im 500. Jahr des deutschen Reinheitsgebots nicht nur die Deutschen so. Auch im Ausland wächst die Lust auf das deutsche kühle Blonde. Egal, ob auf den entlegenen Inseln des Pazifiks oder im Süden des Afrikas – das Bier soll rein sein. Deshalb präsentieren wir die besten deutschen Biere ferner Herkunft. Diese elf Biere stammen ursprünglich alle aus dem Kessel eines ausgewanderten deutschen Braumeisters:

Kunstmann Lager – Chile

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts baute die deutsch-chilenische Familie Kunstmann eine Getreidemühle, eine Brennerei und eine Hefefabrik im südlichen Valdivia-Collico. Nachdem Mitte des 20. Jahrhunderts die erste Brauerei durch ein Erdbeben zerstört wurde, begann die Familie Kunstmann in den 1960er Jahren, Bier für den eigenen Bedarf zu produzieren. Unter Aufsicht des Diplom-Braumeisters Lutz Herdtle produziert die Compañía Cervecera Kunstmann heute von Lager bis Pils elf verschiedene Biere. Ein besonderes Highlight ist das Kunstmann Bierfest oder „Fiesta de la Cerveza“, das ähnlich wie das Oktoberfest für bayerische Gemütlichkeit sorgt.

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Vailima – Samoa

Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs war Samoa 14 Jahre lang eine deutsche Kolonie. Neben vielen deutschen Namen ist noch das Reinheitsgebot erhalten geblieben. Vailima ist das einzige auf der Südsee-Insel gebraute Bier und das Nationalgetränk Samoas. Vialima-Bier ist in zwei verschiedenen Sorten erhältlich: ein achtprozentiges Export-Bier und ein helles, untergäriges mit etwa sechs Prozent. 1999 wurde die Brauerei von dem australischen Getränkekonzern Foster's Group übernommen, die sie 2011 an SABMiller verkauften. Dabei wurden die Fidschi- und Samoa-Operationen an Coca-Cola Amatil abgegeben. Pro Jahr werden insgesamt 85.000 Hektoliter produziert und größtenteils auf heimischen Märkten angeboten. Die Hauptabnehmer sind Amerikanisch-Samoa, Neuseeland und die Cookinseln.

Mack Pilsner – Norwegen

Ludwig Markus Mack, ein Bäcker aus Braunschweig, gründete 1877 die Brauerei Macks Ølbryggeri in Norwegen. Als der Bäcker auf Wanderschaft nach Tromsø kam, fiel ihm auf, dass es keine Brauerei gab. Die Einwohner brauten ihr Bier lieber selbst. Die nördlichste Brauerei der Welt produziert aufgrund der hohen Alkoholsteuer fast nur für den heimischen Markt. Exportiert wird nur in die anderen skandinavischen Länder. Die Brauerei ist nach wie vor zu 100 Prozent in Familienbesitz und in Skandinavien für 16 verschiedenen Biersorten und 13 Sorten Mineralwasser und Limonade bekannt.

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Tsingtao – China

1906 gründeten deutsche Siedler die heute zweitgrößte Brauerei der Volksrepublik China und sechstgrößte Brauerei der Welt. Inzwischen exportiert die Tsingtao-Brauerei in über 50 Staaten. Damit liegt der Anteil von Tsingtao-Lager und Pure Draft bei circa 50 Prozent des chinesischen Bierexports. Die japanische Brauerei Asahi ist einer der größten Anteilseigner von Tsingtao. Im Jahr 1991 veranstaltete die nordchinesischen Stadt Qingdao das erste internationale Bierfestival. Heute zieht das sogenannte „Asian Oktoberfest“ Millionen Besucher an, die zwei Wochen lang im August zu Technobeats Maßkrüge leeren.

Pacífico – Mexiko

Die Unternehmer und Braumeister Germán Evers, Jorge Claussen und Emilio Philippy gründeten im Jahr 1900 die Cervecería del Pacífico in der südlich gelegenen Stadt Mazatlán. Die Brauerei, die jährlich etwa 15 Millionen Liter Bier produziert, sponsert den hiesigen Baseballverein Venados de Mazatlán. Das amerikanische Vergleichsportal FindTheBest zeichnete die Biermarke zum weltbesten Bier aus. 1954 wurde die mexikanische Brauerei von der Groupo Modelo gekauft. Ein mexikanisches Unternehmen, das vor allem durch die Biermarke Corona über die Landesgrenzen bekannt ist. 2013 wurde Groupo Modelo für 20,1 Milliarden US-Dollar vom belgischen Unternehmen Anheuser-Busch InBev übernommen. Gemessen am Absatzvolumen ist Anheuser-Busch InBev die größte Brauereigruppe der Welt.

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Rheingold Bier – USA

Der emigrierte Gastwirt und Brauer Samuel Liebmann gründete Mitte des 19. Jahrhunderts im New Yorker Stadtteil Brooklyn die Rheingold Brauerei. Zwischen den 1940er und 1960er Jahren war die Brauerei4 des Aacheners mit ihrem Hauptprodukt Rheingold Extra Dry eine der erfolgreichsten Brauereien der Stadt. In der bewegten Geschichte des Rheingolds Biers wechselte die Marke mehrmals den Besitzer.

Estrella Damm – Spanien

Eine der bekanntesten spanischen Biermarken hat ihre Wurzeln im Elsass. Am Ende des Deutsch-Französischen Krieges wanderte August Kuentzmann Damm mit seiner Frau nach Spanien aus und gründete vier Jahre später in Barcelona seine eigene Brauerei. Der Name Estrella bedeutet im spanischen sowie im katalanischen „Stern”. Der rote Stern ziert auch das Logo des nach Pilsner- Brauart gebrauten Cervezas. Estrella Damm ist eines der am schnellsten wachsenden Premium-Lager in Großbritannien und vor allem bei Spanien-Touristen sehr beliebt.

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Kubuli Lager – Dominica

Das jüngste Bier der Liste kommt aus der Karibik. 1995 wanderte der Braumeister Kurt Eidenschiek nach Dominica aus und lebt dort den Traum vieler Unternehmer: Das Hobby zum Beruf machen und dabei auch noch erfolgreich sein – bei Sonne, Strand und Palmen. Inzwischen versorgt die Kubuli-Brauerei auch die umliegenden Karibik Inseln ST. Lucia, Antigua, Martinique und Guadeloupe.

Windhoek Lager – Namibia

1920 gründeten Carl Liest und Hermann Ohlthaver die Südwestbrauerei, die seit der Unabhängigkeit von Namibia (1990) Namibia Breweries Limited heißt. Derzeit exportiert die Brauerei in weltweit 23 Länder, darunter auch nach Großbritannien.  Das Windhoek-Lager erhielt mehrmals das Gütesiegel des Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). In Windhoek gibt es seit 1958 auch ein Oktoberfest. Es ist eines der größten Volksfeste in Namibia und wird von der namibischen Brauerei Namibia Breweries und dem Sport Klub Windhoek organisiert.

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Eisenbahn – Brasilien

In der kleinen brasilianischen Stadt mit dem deutschen Namen Blumenau produziert die Brauerei Eisenbahn neun verschiedene Biere. Neben Weizenbier und Pils sogar ein Kölsch. Obwohl die Brauerei recht klein ist, gewann sie die meisten Preise aller brasilianischer Bierproduzenten. Wer genau die Brauerei gründete, ist unklar. Die Stadt hingegen gründete 1850 der deutsche Apotheker Hermann Blumenau. Dass Brasiliener auch bayerische Tradition können, zeigt das alljährliche Oktoberfest in Blumenau. In Trachten und mit Blumenkränzen im Haar wird im Festzelt angestoßen.

Quilmes – Argentinien

Nicht nur das blau-weiße Etikett macht das vom deutschen Einwanderer Otto Bemberg gegründete Bier zum nationalen Symbol. Die Brauerei Cervecería y Maltería Quilmes ist Hauptsponsor der argentinischen Fußballnationalmannschaft. 1850 gegründet, war Quilmes bereits im Jahr 1920 das beliebteste Bier der Region. Heute dominiert die Brauerei mit 75 Prozentanteil den argentinischen Biermarkt.

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