Chrome

Andreas Kiener
Pro
  • Mit vielen Plug-ins erweiterbar
  • Einfacher Benutzerwechsel
  • Sehr Benutzerfreundlich
  • Umfassende Synchronisation
  • Schnell
Kontra
  • Navigationsleiste nicht anpassbar
  • Unübersichtliches Erweiterungsverzeichnis
  • Synchronisation nur mit Google-Konto
Fazit Google Chrome ist ein minimalistischer Browser, der sehr stark auf Erweiterungen setzt. Er ist nach wie vor schnell und benutzerfreundlich, hat aber etwas Strahlkraft eingebüßt, da mittlerweile andere Browser innovativer wirken.

Chrome Test

  • Benchmark-Ergebnisse mit Basemark Web 3.0
    Mehr ist besser.
  • 2. Chrome
    449,2
  • 1. Firefox
    256,1
  • 3. Opera
    424,5
  • Kategorie-Durchschnitt
    380,0
  • Startgeschwindigkeit in Sekunden
    Weniger ist besser.
  • 2. Chrome
    0,2 s
  • 1. Firefox
    0,4 s
  • 3. Opera
    0,3 s
  • Kategorie-Durchschnitt
    0,4 s
  • RAM-Belegung mit 20 Tabs in MB
    Weniger ist besser.
  • 2. Chrome
    1287,7 MB
  • 1. Firefox
    1250,7 MB
  • 3. Opera
    1051,8 MB
  • Kategorie-Durchschnitt
    1463,7 MB
Chrome Zum Anbieter

Browser

4,52 Pkt

Als Google im Jahr 2008 seinen Browser Chrome veröffentlichte, war der meistverwendete Browser der in Microsoft Windows vorinstallierte Internet Explorer. Mit nicht einmal halb so vielen Nutzern kam Mozilla Firefox auf den zweiten Platz und alle anderen Browser hatten verschwindend geringe Marktanteile. Heute, knapp zehn Jahre später, ist Chrome mit deutlichem Abstand der weltweit meistgenutzte Browser.

Google machte mit Chrome von Anfang an einiges anders und besser als die Konkurrenz. Im Prinzip hat das Unternehmen die Eigenschaften, die seine Suchmaschine auszeichnen, nämlich Geschwindigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Einfachheit, erfolgreich auf die Browser-Welt übertragen.

Mit seinem minimalistischen Aussehen, das die Web-Inhalte in den Mittelpunkt rückt, seiner damals überlegenen Geschwindigkeit – vor allem bei JavaScript – und seinen innovativen Features wie das Ausführen jedes Tabs in einer eigenen Sandbox sowie einer einfachen Plug-in-Installation war Chrome eine kleine Revolution. Er wurde zu dem Browser, den alle anderen imitierten (und teilweise übertrafen). Heute ist der Vorsprung von Chrome nur noch ein geringer.

Die Innovationskurve flacht ab

Chrome wird in raschem Rhythmus aktualisiert. Etwa alle sieben Wochen erscheint eine neue große Version, dazwischen kommen kleinere Sicherheitsupdates. Wer Vergnügen daran hat, als einer der ersten neue Features auszuprobieren, kann die Beta installieren und erhält neuere, allerdings möglicherweise fehlerhafte Versionen. Allzu große Überraschungen sollte er allerdings nicht erwarten, denn die meisten Neuerungen bei Chrome beschränken sich auf den Bereich hinter der Oberfläche. Direkt sichtbare Änderungen gibt es wenige. Der Browser präsentiert sich dem Nutzer im Großen und Ganzen noch immer so wie die ersten Versionen vor zehn Jahren.

Chrome Wikipedia
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Die Benutzeroberfläche von Chrome (im Bild die aktuelle Version) wurde seit der ersten Version im Jahr 2008 kaum verändert.

Auch medial ist es still um Chrome geworden. Als interessant und innovativ gelten jetzt andere Browser, beispielsweise Vivaldi und Cliqz. Sie kommen mit einem vergleichsweise üppigen Feature-Set und sind in dieser Hinsicht Antipoden zu Chrome. Vielleicht gibt es bald einen Paradigmenwechsel – nach fast einem Jahrzehnt sind die Anwender der reduzierten Browser überdrüssig und haben keine Lust mehr, für jede Kleinigkeit eine Erweiterung zu installieren. Sie merken, dass ein gut ausgestattetes Gesamtpaket auch Vorteile gegenüber einem universellen Baukasten hat. Dennoch ist Chrome nach wie vor der beliebteste Browser, und das nicht ohne Grund.

Funktionen

4,50 Pkt

Es gibt zwar fast nichts, was sich bei Chrome nicht mit einem Plug-in nachrüsten lässt, aber der Browser selbst konzentriert sich ganz auf seine Kernfunktion, das Anzeigen von Websites. Dennoch hat er ein paar Funktionen, die kein anderer Browser in dieser Form zu bieten hat.

Wer will ich heute sein?

Ein Alleinstellungsmerkmal von Chrome ist die Leichtigkeit, mit der Anwender zwischen verschiedenen Benutzeraccounts wechseln. Ein Benutzeraccount verhält sich dabei wie eine völlig eigenständige Instanz des Browsers. Jeder Account hat eigene Erweiterungen, Lesezeichen, Passwörter, Einstellungen und Cookies; jeder Account kann mit einem anderen Google-Konto synchronisiert werden.

Das Web ganz groß im Bild

Chrome Benutzeroberfläche
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Der Benutzerwechsel funktioniert bei Chrome ganz einfach: per Auswahl in der Titelleiste.

Auch die Möglichkeit, den Inhalt des Browserfensters per Streaming auf anderen Geräten wiederzugeben, macht Chrome einzigartig. Voraussetzung dafür ist, dass der Empfänger mit Googles Chromecast-Technologie kompatibel ist, in der Regel ist also ein Chromecast-Stick nötig, der per HDMI-Anschluss mit einem Fernseher verbunden wird.

Usability und Design

4,89 Pkt

Bei der Benutzeroberfläche von Chrome steht Schlichtheit im Vordergrund. Während diese Schlichtheit bei anderen Browsern allerdings nur eine Wahlmöglichkeit ist, ist sie bei Chrome alternativlos. Anwender können die Benutzeroberfläche nur sehr begrenzt anpassen. Seine Benutzerfreundlichkeit erkauft sich Chrome also mit einer Reduktion von Wahlmöglichkeiten.

Während der Anwender bei Firefox beispielsweise die Anzeige einer klassischen Drop-Down-Menüleiste am oberen Fensterrand aktivieren kann, gibt es eine solche bei Chrome einfach nicht. Manche Anwender dürfte auch stören, dass sich die Navigationsleiste nicht konfigurieren lässt. Wer gewohnt ist, die Reihenfolge der Icons für Funktionen und Erweiterungen nach seinen Vorstellungen anzuordnen, wird enttäuscht sein. Chrome sortiert die Erweiterungs-Icons einfach nach der Reihenfolge der Installation.

Angenehmes Arbeiten mit Tabs

Gut gelungen – allerdings lange nicht so funktionsreich wie bei Vivaldi – ist die Verwaltung von Tabs. Sie erinnern mit ihren schräg geschnittenen Kanten an tatsächliche Reiter in physischen Aktenordnern oder Ringbuchkalendern und sind damit hauptverantwortlich für den charakteristischen Look von Chrome. Der Anwender kann die Tabs einfach per Drag-and-Drop verschieben; zieht er ein Tab aus der Leiste, öffnet Chrome ein neues Fenster mit der Website. Per Kontextmenü lassen sich Tabs anheften Der Reiter wird dann verschmälert und zeigt nur noch das Favicon. Er verankert sich am linken Rand des Browserfensters und öffnet sich nach einem Neustart des Browsers automatisch wieder.

Erweiterbarkeit

4,50 Pkt

Dass es für Chrome eine riesige Menge an Erweiterungen gibt, ist eine der größten Stärken des Browsers. Das zentrale Verzeichnis für Erweiterungen ist der Chrome Web Store. Dieser ist zwar üppig bestückt, allerdings ist die Suche nach geeigneten Plug-ins eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Die üblichen Sortiermöglichkeiten anhand von Bewertung oder Anzahl der Nutzer fehlen nämlich völlig. Die Anzahl der Nutzer steht nur in der Einzelbeschreibung, nicht aber in der Übersichtsliste.

Der Erweiterungs-Katalog ist also im Prinzip eine redaktionell erstellte Liste, was auch durch Abschnitte mit Titeln wie „Unsere Top-Empfehlungen“, „Auswahl der Redaktion“ oder „Weitere Empfehlungen“ deutlich wird. Technisch wäre eine andere Lösung bestimmt einfach umzusetzen. Warum Google das nicht getan hat, darüber lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Für Entwickler von Erweiterungen ist es aber sicherlich frustrierend, wenn die prominente Platzierung ihrer Produkte keinem nachvollziehbaren Muster folgt, und auch Anwender könnten von mehr Transparenz profitieren.

Chrome Web Store
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Erweiterungen gibt es für Chrome zwar mehr als genug, aber das undurchschaubare Organisationsprinzip im Web Stores macht die Erweiterungssuche schwierig.

Synchronisation

4,29 Pkt

Die Synchronisation ist eine der größten Stärken von Chrome. Um sie zu nutzen, muss der Anwender ein Google-Konto anlegen und den Browser damit verbinden. Die Notwendigkeit eines Google-Kontos könnte für datenschutzbewusste Anwender jedoch ein No-Go sein, schließlich sammelt der Konzern sowieso schon genug Anwenderdaten.

Wer sich darauf einlässt, profitiert allerdings von der besten Browser-Synchronisation, die momentan zu finden ist. Chrome synchronisiert nämlich nicht nur Lesezeichen und Passwörter, sondern schlichtweg alles, auch Einstellungen und Erweiterungen. Das funktioniert auch über Betriebssysteme hinweg. Wer beispielsweise Chrome auf einen Linux-Rechner mit einem Google-Konto verbindet, das mit einem Windows-Rechner synchronisiert ist, erhält nach abgeschlossener Synchronisation einen Browser, der bis auf kleine, betriebssystembedingte Unterschiede exakt so funktioniert und aussieht, wie es der Anwender von Windows gewohnt ist. Für Nutzer, die sich hauptsächlich im Web bewegen, treten das Betriebssystem und der physische Rechner damit völlig in den Hintergrund – so lange Chrome auf dem Gerät läuft, steht ihnen ihre gewohnte Arbeitsumgebung zur Verfügung.

Die vollständige Synchronisation beschränkt sich allerdings auf die Desktop-Versionen für Windows, Linux und Mac. Die Versionen für Android-Smartphones und iPhone unterstützen keine Erweiterungen.

Sicherheit und Datenschutz

4,14 Pkt

Auch im Bereich Sicherheit war Chrome ein Pionier. Dadurch, dass der Browser Web-Inhalte in einer Sandbox ausführt, also in einem geschützten Bereich des Systems, verhindert er, dass schädliche Websites Zugriff auf den Rest des Computers erhalten. Auch ein Schutz vor Malware und Phishing ist Bestandteil des Browsers; er zeigt Warnmeldungen, wenn der Anwender eine gefährliche Website aufruft. Regelmäßige, automatisch eingespielte Updates sorgen dafür, dass bekannt gewordene Sicherheitslücken der Software schnell geschlossen werden.

Chrome ist damit in puncto Sicherheit auf dem Stand der Zeit, mehr aber auch nicht. Er hat die selben Sicherheit-Features wie andere große Browser auch, aber keines der Extras, mit denen einige Mitbewerber glänzen. Opera zum Beispiel integriert ein VPN in den Browser. Immer stärker verbreiten sich auch Ad-Blocker und Anti-Tracking-Technologie. All das fehlt bei Chrome, kann aber selbstverständlich mit Plug-ins wie Privacy Badger oder uBlock Origin nachgerüstet werden.

Systemvorraussetzungen

5,00 Pkt

Sowohl für die Desktop-Betriebssysteme Windows, macOS und Linux als auch auf für die mobilen Betriebssysteme Android und iOS ist Chrome verfügbar. Bis auf betriebssystembedingte Unterschiede im Detail gleichen sich die Desktop-Varianten weitgehend. Wie oben beschrieben lassen sie sich beinahe vollständig miteinander synchronisieren.

Die Mobil-Varianten sind an die Anforderungen von kleinen Bildschirmen und Touchscreens angepasst. Dazu gehört auch ein Datensparmodus. Ist dieser aktiviert, werden alle Anfragen über Server von Google geleitet. Dort werden Web-Inhalte komprimiert. Der Anwender spart so teures Datenvolumen – vorausgesetzt, er hat keine Bedenken, dem Internet-Giganten Einblick in sein gesamtes Surfverhalten zu gewähren.

Die iOS-Version verwendet nicht Googles eigene Rendering-Engine und JavaScript-Implementierung, sondern basiert auf der iOS-Komponente WKWebView. Das ist notwendig, weil Apple für iOS keine alternativen Browser-Engines erlaubt. So kommen iOS-Nutzer zwar nicht in den Genuss von eventuellen Geschwindigkeitsvorteilen von Chrome, können aber immerhin geöffnete Tabs, Passwörter und Lesezeichen mit ihrem Desktop-Browser synchronisieren.

Eine Besonderheit der Android-Version ist der Datensparmodus, in dem Websites von Google komprimiert werden, um Bandbreite zu sparen.

Performance

4,31 Pkt

Ursprünglich war Chrome deutlich schneller als andere Browser. Der Geschwindigkeitsvorteil wurde vor allem beim Ausführen von JavaScript-Code sichtbar. Entsprechende Benchmarks bestätigten Chrome damals eine um ein Vielfaches schnellere Ausführung von JavaScript als andere Browser. Die Vision von Google war, dass sich ein immer größerer Teil der Computernutzung ins Web verlagern würde, und dafür waren schnelle Web-Apps nötig, die sich für den Anwender beinahe wie lokal installierte Softwares anfühlen. Die Entwicklung von Chrome ist als Puzzlestein dieser Strategie zu verstehen. Der Browser hat seine Aufgabe in dieser Hinsicht erfüllt. Der haushohe Geschwindigkeitsvorteil hat ich jedoch mittlerweile nivelliert.

Spitzenleistung, aber nicht in allen Benchmarks

Gute Leistungen zeigte Chrome (sowie alle anderen Browser auf Chrome-Basis) mit Basemark Web 3.0. Dieser Test misst die Leistung bei einem besonders breiten Spektrum an Web-Techniken und will damit zeigen, wie leistungsfähig ein Computersystem bei der Ausführung von Web-Apps ist. Chrome erzielte den Spitzenwert von 449,18 Punkten. Der zweitplatzierte Browser ohne Chrome-Kern war Cliqz mit 285,22 Punkten.

Auch bei anderen Benchmarks sind Chrome und verwandte Browser den Konkurrenten voraus, aber nicht immer ist der Abstand so deutlich. Beim Benchmark Speedometer 2.0 beispielsweise, der die Reaktionsfreudigkeit misst, erzielte Chrome 73,82 Punkte, Firefox aber immerhin 57,00.

Chrome im Test
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Einsame Spitze! So schnell wie Chrome war kein anderer Browser im Benchmark Basemark Web 3.0.

Bei den meisten Benchmarks ist Chrome zwar immer noch die Nummer eins, aber der Abstand zu anderen Browsern ist so gering, dass er im Arbeitsalltag kaum mehr eine Rolle spielt. Beim Benchmark JetStream 1.1 wurde Chrome sogar sowohl von Edge als auf von Firefox übertroffen. Der Vorsprung von Firefox war mit 159,87 Punkten im Vergleich zu den 151,55 Punkten von Chrome ein geringer, Edge konnte sich aber mit 201,26 deutlich von Chrome und auch vom Rest des Testfelds absetzen.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Safari

Zumindest unter Windows gilt also, dass Chrome sich bei der Mehrheit der Benchmarks als schnellster Browser durchsetzen konnte, auch wenn Edge und Firefox bei einzelnen Tests die Nase vorn hatten. Anders sieht es auf dem Mac aus. Hier lag je nach Benchmark auch Safari vorn. Der Abstand zwischen beiden Browsern ist generell minimal, während Firefox sich als deutlich langsamer als jeder der beiden erwies.

Startgeschwindigkeit und Arbeitsspeicher

Hervorragende Werte zeigte Chrome bei der Startgeschwindigkeit. Im Durchschnitt dauerte es auf unserem Testrechner 0,20 Sekunden, bis der Browser bereit war. Nur Vivaldi war mit 0,17 Sekunden noch eine Spur schneller. Opera war mit 0,33 Sekunden deutlich langsamer, noch langsamer starteten aber Firefox und Cliqz mit 0,44 beziehungsweise 0,66 Sekunden.

Mit 373,30 Megabyte belegt Chrome verhältnismäßig viel Platz auf der Festplatte. Bei der Arbeitsspeicherbelegung zeigen sich generell keine großen Unterscheide zwischen den Browsern. Chrome liegt völlig unauffällig im mittleren Bereich.

BrowserStartgeschwindigkeit (Sekunden)
Vivaldi0,1657
Chrome0,1963
Firefox0,3272
Cliqz0,4435
Safari0,6612
Edgenicht messbar
nicht messbar

Zusammenfassung

4,52 Pkt

Chrome weist immer noch all die Eigenschaften auf, die seinen Erfolg begründet haben: Der Browser ist schnell, auf angenehme Art minimalistisch und dadurch sehr benutzerfreundlich. Der Anwender kann ihn durch Erweiterungen sehr einfach an seine Wünsche anpassen. Einzig die enge Anbindung an das Google-Ökosystem stört ein wenig. Die Synchronisation sucht zwar ihresgleichen, funktioniert aber nur mit einem Google-Konto.

Viele Eigenschaften, die anfangs neu und interessant waren, sind mittlerweile Standard. Dadurch erscheint der Browser von Google etwas blass und langweilig. Junge Konkurrenten wie Vivaldi, aber auch Firefox seit dem Quantum-Update, wirken deutlich frischer. Für die meisten Anwender ist Chrome dennoch eine gute Wahl. Nur Power-User bevorzugen wahrscheinlich einen Browser, der ihnen mehr Konfigurationsmöglichkeiten bietet.