Furoshiki: Gegenstände nachhaltig verpacken und transportieren

Furoshiki: Gegenstände nachhaltig verpacken und transportieren

Gegenstände in Stoff zu verpacken und zu transportieren, ist kein neues Konzept: In Japan gibt es hierfür eine Ansammlung spezieller Falttechniken mit quadratischen Tüchern. Dank des wachsenden Interesses an Nachhaltigkeit hat die Methode auch den Rest der Welt erreicht.

Multifunktional und hübsch zugleich

Sowohl die Falttechniken als auch die quadratischen Tücher sind als Furoshiki bekannt. „Furo“ stammt vom japanischen Wort für „Bad“ und „shiki“ von „ausbreiten“. Der Name leitet sich vom Hauptanwendungsbereich in der Edo-Zeit (1600–1867) ab. Damals packten die Besucher von Badehäusern ihre Utensilien in Stoff ein, um sie leichter tragen zu können. Die Idee, Tücher zum Transportieren und Verpacken zu nutzen, stammt allerdings bereits aus der Nara-Zeit (710–794).

Heutzutage dienen Furoshiki unter anderem als hochwertige Geschenkverpackungen, zum Einpacken von Bento Boxen sowie als Einkaufstaschen. Beim Verpacken ist die Form des Gegenstands unerheblich: Für jedes Objekt gibt es eine passende Falttechnik, sodass zum Beispiel Melonen oder Weinflaschen kein Problem sind. Es gibt sogar eine Technik, um einen Rucksack zu falten.

Die Eigenschaften von Furoshiki-Tüchern

Traditionell bestehen Furoshiki-Tücher aus Chirimen, einem Seidenstoff, der mit einer speziellen Webtechnik angefertigt ist. Solche Furoshiki sind an ihrer wellenförmigen Oberflächenstruktur erkennbar. Inzwischen sind auch Materialien wie Baumwolle, Polyester und Viskose gängig. Im Jahr 2006 gestaltete die damalige  japanische Umweltministerin sogar ein Tuch aus recycelten Plastikflaschen, um für mehr Nachhaltigkeit zu werben.

Typische Maße sind 70 x 70 und 100 x 100 Zentimeter. Darüber hinaus gibt es sowohl große Ausführungen über 200 x 200 Zentimeter als auch kleine Varianten um 45 x 45 Zentimeter. Um Furoshiki-Falttechniken zu nutzen, benötigen Sie jedoch kein original japanisches Tuch. Sie können jedes Tuch nehmen, dessen Seitenlängen gleich lang sind. Mit anderen Formaten gelingen die speziellen Falttechniken nicht. Achten Sie darauf, dass sich Ihre Furoshiki-Alternative leicht waschen lässt.

Die Falttechniken

Alle Falttechniken bauen auf vier Grundknoten auf: dem Doppelknoten, genannt Ma-musubi, dem vertikalen Doppelknoten, dem Palstek-Knoten sowie dem Schleifenknoten. Für die meisten Techniken benötigen Sie aber nur den Ma-musubi. Je nach Anwendungszweck wählen Sie die passende Falttechnik. Da das japanische Umweltministerium ein großes Interesse daran hat, Einwegplastik zu verringern, veröffentlichte es eine praktische Grafik mit verschiedenen Furoshiki-Techniken, darunter Otsukai, Bin und Suika Tsutsumi.

Otsukai tsutsumi

Otsukai tsutsumi oder der „Basic Carry Wrap“ ist die am häufigsten genutzte Methode, um ein rechteckiges Objekt zu verpacken. Neben Geschenken kommt sie beispielsweise für Bento Boxen zum Einsatz. Zu Beginn einer jeden Furoshiki-Technik breiten Sie das Tuch glatt vor sich aus. Falls es nur einseitig bedruckt ist, sollte die unbedruckte Seite oben sein. Bei dieser Methode ist es ratsam, wenn eine Ecke zu Ihnen zeigt, damit Sie die Seiten einfacher umschlagen können.

Platzieren Sie nun den Gegenstand mit der langen Seite zu Ihnen auf dem Tuch und nehmen Sie die Stoffecke, die zu Ihnen zeigt, zur Hand. Falten Sie diese entweder so über das Objekt, dass eine kleine Spitze übersteht, oder so, dass Sie das Ende unter dem Gegenstand einfalten können. Anschließend legen Sie das gegenüberliegende Stoffende vollständig über den Gegenstand, sodass die Spitze zu Ihnen zeigt. Daraufhin nehmen Sie die übrigen Ecken und knoten diese in der Mitte doppelt zusammen. Ziehen Sie den Knoten straff zusammen, eignet er sich gut als Tragegriff. Das freistehende Dreieck gilt als optisches Highlight.

Bin Tsutsumi 1

Bin Tsutsumi 1, im Englischen „Bottle Carry Wrap“ genannt, ist für den Transport einer Flasche gedacht. Es gibt auch eine eigenständige Technik für zwei Flaschen namens Bin Tsutsumi 2. Für die Variante mit einer Flasche platzieren Sie das Tuch mit der bedruckten Seite auf den Tisch, sodass eine Spitze zu Ihnen zeigt, und stellen das Getränk in die Mitte. Nehmen Sie nun zwei gegenüberliegende Tuchenden und knoten Sie diese über der Flasche zusammen. Drehen Sie die beiden Enden so weit wie möglich ein und knoten Sie diese für einen kleinen Tragegriff doppelt zusammen. Die beiden übrigen Stoffenden wickeln Sie in entgegengesetzter Richtung um die Flasche und machen mit den Enden einen Doppelknoten.

Suika Tsutsumi

Suika Tsutsumi, auch als „Watermelon Carry Wrap“ bekannt, ist ideal, um runde Gegenstände wie Bälle sowie Geschenkkörbe zu verpacken. Legen Sie Ihr Furoshiki mit der bedruckten Seite auf den Tisch. Platzieren Sie nun den Gegenstand in die Mitte des Tuchs. Anschließend verknoten Sie die benachbarten Tuchspitzen an beiden Seiten mit einem Doppelknoten. Sie haben nun eine einfache Tragetasche oder Tesage Bukuro. Um daraus ein Suika Tsutsumi zu machen, führen Sie den einen Knoten durch die Öffnung des anderen und ziehen ihn nach oben. Gleichzeitig ziehen Sie die andere verknotete Seite in die Richtung des verpackten Gegenstands. Die Seite, die Sie nach oben bewegt haben, dient nun als Tragegriff.

Weitere Einsatzmöglichkeiten von Furoshiki-Tüchern

Furoshiki-Tücher sind nicht nur in gefaltetem Zustand praktisch. So wie Sie einen quadratischen Schal für Furoshiki-Falttechniken verwenden können, eignen sich Furoshiki-Tücher auch als Schal beziehungsweise Halstuch. Es ist somit durchaus möglich, unterwegs aus Ihrem Modeaccessoire eine praktische Tasche für Ihre Einkäufe zu schaffen. Große Tücher lassen sich unter anderem als Wickelrock nutzen, etwa am Strand. In der Wohnung sind sie beispielsweise als Tischdecke ein Blickfang. Für ein spontanes Picknick im Park hält das Tuch ebenfalls als Decke her.