Anne Röttgerkamp

Kosten für den Kirchenaustritt

Was kostet der Kirchenaustritt in Deutschland?

Jedes Jahr entscheiden sich Hunderttausende für einen Austritt aus der Kirche. Die jüngste Erhebung zeigt, dass allein im Jahr 2015 ganze 181.925 Katholiken und sogar 210.000 Protestanten ihrer Kirche den Rücken kehrten. Zusammengerechnet ergeben sich so fast eine halbe Millionen Kirchenabgänger – und das in nur einem Jahr.

Doch was kostet der Kirchenaustritt eigentlich in Deutschland und in welchen Institutionen müssen die Anträge gestellt werden?
Netzsieger vergleicht die Preise für den Kirchenaustritt in den 20 einwohnerstärksten Städten und verrät, welche Gebühren die Konfessionen aller Bundesländer verlangen, wenn ihre Schäfchen das Weite suchen.

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So viel kostet der Kirchenaustritt in Deutschland

Stadt Gebühr Amt
Stuttgart 36,00 Euro Standesamt oder Notar
Nürnberg 31,00 Euro Standesamt oder Notar
Hamburg 31,00 Euro Standesamt oder Notar
München 31,00 Euro Standesamt oder Notar
Bonn 30,00 Euro Amtsgericht Bonn
Frankfurt am Main 30,00 Euro Bürgeramt
Berlin 30,00 Euro Amtsgericht oder Notar
Bielefeld 30,00 Euro Amtsgericht Bielefeld
Düsseldorf 30,00 Euro Amtsgericht Düsseldorf
Köln 30,00 Euro Amtsgericht Köln
Münster 30,00 Euro Amtsgericht Münster
Bochum 30,00 Euro Amtsgericht Bochum
Duisburg 30,00 Euro Amtsgericht Duisburg
Dortmund 30,00 Euro Amtsgericht Dortmund
Essen 30,00 Euro Amtsgericht Essen
Wuppertal 30,00 Euro Amtsgericht Wuppertal
Dresden 26,00 Euro Standesamt oder Notar
Leipzig 26,00 Euro Standesamt oder Notar
Hannover 25,00 Euro Standesamt oder Notar
Bremen 0,00 Euro * Evangelische/Katholische Kirche
Durchschnitt 28,00 Euro  
* Bei der evangelischen und katholischen Kirche kostenlos, im Standesamt 5,50 Euro

Religionszugehörigkeit

Stadt Römisch-katholische Einwohner In Prozent Evangelische Einwohner In Prozent
Berlin 326.537 9,17 % 611.472 17,17 %
Bielefeld 53.185 15,81 % 123.093 36,60 %
Bochum 113.600 30,76 % 109.404 29,62 %
Bonn 116.389 36,28 % 65.123 20,30 %
Bremen 78.967 14,17 % 208.715 37,44 %
Dortmund 160.219 26,86 % 172.642 28,94 %
Dresden 24.746 4,55 % 81.292 14,95 %
Duisburg 138.933 27,64 % 111.808 22,24 %
Düsseldorf 190.696 30,34 % 114.063 18,15 %
Essen 206.713 35,41 % 144.451 24,51 %
Frankfurt am Main 158.728 22,40 % 132.737 18,73 %
Hamburg 178.741 10,00 % 509.411 28,50 %
Hannover 74.267 13,60 % 173.653 31,80 %
Köln 382.823 36,34 % 167.825 15,93 %
Leipzig 32.167 5,74 % 63.847 11,39 %
München 503.265 33,07 % 181.600 11,93 %
Münster 147.786 48,42 % 62.906 * 20,61 % *
Nürnberg 132.675 25,18 % 148.037 28,09 %
Stuttgart 149.079 23,90 % 162.172 26,00 %
Wuppertal 78.592 23,70 % 103.113 29,60 %
* Evangelische, evangelisch-lutherische und evangelisch-reformierte Religionszugehörigkeiten zusammengerechnet.

Die häufigsten Gründe für den Kirchenaustritt

Nicht immer ist der Kirchenaustritt direkt mit dem Glauben verbunden. Die meisten Menschen treten aus Kostengründen aus. Die Kirchensteuer ist demnach der wichtigste Anlass, die Kirche zu verlassen. In allen deutschen Bundesländern beträgt diese 9 Prozent der Einkommenssteuer. Bayern und Baden-Württemberg bilden mit 8 Prozent eine Ausnahme.

Der Ärger über die Institution oder deren Amtsträger ist der zweithäufigste Grund für den Austritt. Skandale und ihre Details, die in den letzten Jahren ans Licht kamen, haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Der verschwenderische Umgang mit Kirchengeldern, die zum Teil vom Steuerzahler stammen und Amtsmissbrauch haben viele Katholiken und Protestanten dazu bewegt, sich von ihrer jeweiligen Kirche zu verabschieden.

Erst an dritter Stelle folgt der Glaubensverlust. Wie weit dieser der eigentliche Grund für den Kirchenaustritt ist, lässt sich schwer sagen. Auch die Zuwendung zu einer neuen Glaubensrichtung kann zur Abkehr des alten Glaubens führen.

Jährlich treten Hunderttausende Christen aus deutschen Gemeinden aus. Seit denn 2000-er Jahren sank die Zahl der Kirchensteuerzahler um einige Millionen. So waren 2016 nur noch etwas mehr als die Hälfte, 55 Prozent der Bevölkerung, Mitglieder der katholischen oder evangelischen Kirche. Anfang der 2000er-Jahre waren es immerhin rund 64 Prozent.