TotalAV Essential Antivirus für Mac

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BEWERTUNG
7,10 / 10
Andreas Kiener
Aktualisiert: 03/06/2019
Pro
  • Schneller Systemscan
  • Einfach zu bedienen
Kontra
  • Keine Labortests zu Erkennungsgenauigkeit
  • Scannt keine Archive
  • Wenig informatives Handbuch
FAZIT

Keines der bekannten Prüflabore für Antivirenprogramme hat einen Bericht zu TotalAV veröffentlicht. Getestet wurde das Programm nur vom Redakteur einer amerikanischen Computerzeitschrift. Er kam zu dem Ergebnis, dass es nicht verlässlich arbeitet. Bei der schwachen Leistung des Virenscanners bleibt fraglich, wie der Hersteller den vergleichsweise hohen Preis rechtfertigt.

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Gesamt
Ausstattung
Sicherheit
Performance
Bedienung
Dokumentation und Support

TotalAV Essential Antivirus für Mac Test

Ausstattung8,0

TotalAV vertreibt drei verschiedene Abonnements seines Antivirenprogramms: Ultimate Antivirus, Antivirus Pro und Essential Antivirus. Die Lizenzen sind plattformneutral, der Anwender kann sich also selbst aussuchen, auf welchen Betriebssystemen er die Software nutzt. Neben einer macOS-Variante stehen auch Versionen des Programms für Windows, Android und iOS zur Verfügung. Diese volle Palette von Betriebssystemen unterstützt allerdings nur das Top-Produkt Ultimate Antivirus; bei Antivirus Pro und Essential Antivirus bleibt die Nutzung auf die Desktop-Betriebssysteme macOS und Windows beschränkt.

Aus günstig wird schnell teuer

Ähnlich wie die Windows-Variante leidet auch die Mac-Version an einem Missverhältnis zwischen dem relativ hohen Preis und der geringen Anzahl an sinnvollen Funktionen. Mit einem regulären Jahrespreis von 99,95 Euro liegt das Einsteiger-Abo von TotalAV preislich auf dem Niveau der Spitzenprodukte anderer Virenscanner-Hersteller. Die Website wirbt zwar mit sehr günstigen 19,95 Euro, dieser Preis gilt aber „nur für Neukunden und nur für die Erstlaufzeit“, also nur für das erste Jahr.

Zusätzlich zu dem Virenscanner, der mit vollem Systemscan, Schnellscan und Echtzeitscan alle grundlegenden Funktionen eines modernen Virenschutzes abdeckt, enthält die Software Funktionen zur Datenträgerbereinigung und Systembeschleunigung, deren Funktionsumfang kaum über den der sowieso im Betriebssystem beziehungsweise im Browser enthaltenen Werkzeuge hinausgeht. Auch gibt es eine Firewall, deren Vorzüge gegenüber der inkludierten Firewall von macOS jedoch nicht erkennbar sind. Browser-Erweiterungen für Mozilla Firefox, Google Chrome und Safari werden ebenfalls mitgeliefert. Ihr Hauptzweck scheint das Blockieren von Werbung zu sein, was aber moderne Browser wie die genannten mittlerweile längst selbst erledigen – und selbst wenn nicht, könnte der Anwender auf eine der vielen verfügbaren kostenlosen Browser-Erweiterungen zurückgreifen, die diese Aufgabe übernehmen.

Sicherheit3,6

TotalAV gibt auf seiner Website an, den Rechner des Computernutzers vor so gut wie allen Arten von Schadprogrammen und Cybergefahren zu schützen. Die Website zählt folgende Arten von Bedrohungen auf:

  • Viren
  • Trojaner
  • Adware
  • Spyware
  • Malware
  • Erweiterter Ransomware-Schutz
  • Schutz gegen Phishing-Angriffe

Wie gut der Schutz tatsächlich funktioniert, testen spezialisierte Labore wie AV-Test und AV-Comparatives in regelmäßigen Abständen. Naturgemäß können diese aber nicht sämtliche auf dem Markt erhältliche Programme testen. TotalAV gehört bei keinem der Labore zu den Testkandidaten. Die US-Computerzeitschrift PC Magazine hat jedoch eigene Versuche mit dem Programm durchgeführt. Diese sind zwar nicht vergleichbar mit den umfassenden Tests der Labore, geben aber dennoch einen Anhaltspunkt. In der Versuchsanordnung von PC Magazine erkannte TotalAV 76 Prozent aller Malware aus dem Web. Damit schnitt es signifikant schlechter ab als andere Programme, die eine annähernd hundertprozentige Erkennungsgenauigkeit vorweisen konnten.

Test-Tools zeigen Schwächen bei Schutzfunktionen

Auch unsere eigenen Prüfergebnisse sind nicht besonders überzeugend. Wir haben TotalAV mit verschiedenen Testwerkzeugen der AMTSO (Anti-Malware Testing Standard Organisation) untersucht. Diese arbeiten nicht mit realen Virensamples, aber sie prüfen, ob ein Virenscanner auf bestimmte Arten von Bedrohungen reagiert. Das war bei PUPs (Potentiell unerwünschten Programmen) und Drive-by-Infektionen (Malware, die durch reines Ansurfen der Website geladen wird) der Fall. Die Phishing-Erkennung funktionierte im Test jedoch nicht. Trotz aktivierter Browser-Erweiterung hinderte TotalAV den Browser nicht daran, die Phishing-Prüfseite zu laden.

Völlig wirkungslos war das Programm auch gegen Malware in Archivdateien, und zwar obwohl die entsprechende Funktion in den Einstellungen aktiviert war. Von den elf getesteten Archivformaten schien sie kein einziges zu überprüfen. Damit ist TotalAV eine Ausnahme unter den getesteten Virenscannern für Mac. Alle anderen Programme konnten Schadsoftware wenigstens in einigen der meistverbreiteten Archive (beispielsweise RAR- und ZIP-Dateien) finden.

Negativ war auch der Test auf eine Cloud-Scanner-Funktion. Bei einem cloudbasierten Virenscanner werden die Prüfsummen der Dateien auf dem Anwenderrechner mit einer Signaturdatenbank auf dem Server des Herstellers abgeglichen. Das führt nicht nur dazu, dass der Virenscanner unabhängig von Updates der lokalen Signaturdatenbank immer auf dem aktuellen Stand ist.

Eine Cloud-Scanning-Funktion ist kein Muss, aber ein nettes Extra. Genauso wie bei etwa der Hälfte der anderen Testkandidaten fehlt sie bei TotalAV.

Insgesamt gib es somit nicht viel, dass für die Sicherheit und Erkennungsgenauigkeit von TotalAV spricht. Umfassende Tests fehlen, die eher kursorischen Checks der Erkennungsrate durch das PC Magazine liefern ein wenig überzeugendes Bild, und unsere eigenen Tests zeigen, dass einige eigentlich selbstverständliche Sicherheitsfunktionen offenbar fehlen (Scan von Archiven) oder zumindest nicht verlässlich funktionieren (Phishing-Schutz).

Performance9,0

Schnelle Scans sind die größte Stärke von TotalAV. Der vollständige Systemscan dauerte im Test nur rund 19 Minuten. Das ist das zweitbeste Ergebnis, nur Bitdefender Antivirus for Mac war mit siebeneinhalb Minuten schneller. Auch der Schnellscan konnte mit einer Laufzeit von nur 45 Sekunden überzeugen, in dieser Disziplin waren nur Panda Antivirus for Mac (vier Sekunden) und wieder Bitdefender (42 Sekunden) schneller.

So sehr ein schneller Virenscan gefällt, ein gewisser Zweifel an der Gründlichkeit lässt sich nicht ausräumen. Schließlich ist TotalAV auch der einzige Virenscanner im Test, der Archivdateien offenbar überhaupt nicht scannt. Es erscheint durchaus möglich, dass der Geschwindigkeitsvorsprung vor allem auf das Ignorieren dieser Dateien zurückzuführen ist. Da sie zusätzlich zum Scannen temporär entpackt werden müssen, gehören sie zu den Arten von Dateien, die Virenscanner am stärksten ausbremsen.

Der Festspeicherbedarf von TotalAV ist erfreulich niedrig. Mit nur 135,8 Megabyte Platzbedarf auf der Festplatte beziehungsweise SSD gehört die Software zu den platzsparendsten Virenscannern für den Mac. Weniger Platz benötigen nur das ultrakompakte Panda Antivirus for Mac (16 Megabyte) und Intego Mac Internet Security (54,1 Megabyte). Positiv ist auch, dass TotalAV problemlos mit der aktuellen macOS-Version 10.13 „High Sierra“ zusammenarbeitet.

Bedienung7,7

Das User-Interface ist zwar im Detail auf die Gegebenheiten von macOS angepasst, funktioniert aber im Prinzip genauso wie das der Windows-Version. User, welche die eine Variante des Programmes kennen, finden sich auch in der anderen sofort zurecht. Auch sonst ist die weitgehende Übernahme der Benutzeroberfläche der Windows-Ausgabe eine gute Sache, schließlich kann diese durch hervorragende Einfachheit glänzen. Nur manchmal wirkt sie fast schon zu einfach. Etwa dann, wenn der User auf der Suche nach einer Funktion zum gezielten Scannen einzelner Dateien oder Ordner ist. Eine solche existiert bei TotalAV nämlich nicht.

Dokumentation und Support7,0

Die Hilfe-Dokumente zu TotalAV sind in der Wissensdatenbank der Website zu finden. Der FAQ-Teil und der Bereich „Konto & Abrechnung“ beinhalten allgemeine Fragen und Antworten, die nicht spezifisch die Mac- oder Windows-Version betreffen. „Installationsanleitungen“ und „Tutorials“ sind hingegen betriebssystemspezifisch. Wie wir auch im Review der Windows-Version festgestellt haben, lassen die Dokumente sehr zu wünschen übrig. Sie sind sprachlich unsauber und behandeln die besprochenen Themen nur sehr kurz und oberflächlich.

Das „Tutorial“ zum App-Dashboard besteht beispielsweise aus zwei Absätzen mit einer Länge von jeweils zwei Sätzen. Als Anleitung zum Gebrauch reicht diese Kurzzusammenfassung der Funktionen kaum aus. Während bei den „Tutorials“ für die Windows-Version immerhin noch ab und zu Screenshots dem inhaltlich mageren Text etwas Nutzwert beifügen, fehlen diese bei den Texten zur macOS-Ausgabe komplett.

Unter der Überschrift „Mac Video Tutorial“ ist ein einziger Link zu finden. Er ist mit „Schneller Überblick“ beschriftet, führt nur zu einer nahezu leeren Seite mit wenigen Sätzen Text. Von einem Video ist weit und breit nichts zu sehen. Der Text auf der beschriebenen Seite ist kaum länger als dieser Absatz hier. Technischen Support zu TotalAV gibt es per E-Mail oder Live-Chat. Auch unter einer gebührenfreien deutschen Telefonnummer mit der Vorwahl 0800 ist der Software-Hersteller erreichbar. Die Hotline dient allerdings allein dem Rechnungssupport, für Fragen zu technischen Problemen sind die Mitarbeiter nicht zuständig.

Zusammenfassung7,1

Während die Hersteller von Windows-Virenscannern beinahe schon an „Featuritis“ leiden und ihre Programme mit unzähligen mal mehr, mal weniger nützlichen Zusatzfunktionen überfrachten, sind die Mac-Versionen meistens deutlich schlichter ausgestattet. Wer will, kann diesen Umstand darauf zurückführen, dass Mac-Software für die Hersteller vergleichsweise unwichtig ist – schließlich ist der Markt dafür viel kleiner. TotalAV hat zwar eine Reihe von Zusatzfunktionen, deren Nutzwert ist jedoch eher gering. Die angenehm einfach gehaltene Benutzerführung könnte hingegen als Konzession an die Mac-Nutzerschaft gedeutet werden; sie unterschiedet sich allerdings nur wenig von der der ebenfalls sehr einfach gehaltenen Windows-Ausgabe.

Einen ausgesprochen negativen Eindruck hinterlassen die Hilfe-Dokumente, die aufgrund ihrer Kürze kaum hilfreich sind. Doch das ist nur das geringste Problem dieses Programms: Was TotalAV wirklich das Genick bricht, ist das Fehlen von verlässlichen Tests der Erkennungsgenauigkeit in Kombination mit dem hohen Preis. Warum sollte ein Kunde beinahe 100 Euro im Jahr für einen Virenscanner mit ungewisser Verlässlichkeit zahlen, wenn er für rund ein Drittel weniger zwischen mehreren Programmen wählen kann, die nachweislich fast sämtliche Schadprogramme erkennen und beseitigen?