Nitro Pro

Andreas Kiener
Pro
  • Stapelverarbeitungsfunktionen
  • Texterkennung (OCR)
  • Kostenloses Online-Tool
Kontra
  • Häufige Abstürze
  • Fehlerhafte Übersetzung
Fazit Nitro Pro ist ein akzeptabler Allrounder für die PDF-Bearbeitung. Regelmäßige Abstürze und eine holprige Übersetzung trüben den ansonsten guten Gesamteindruck. Punkten kann das Programm vor allem mit seinen Stapelverarbeitungsfunktionen.

Nitro Pro Test

Nitro Pro Zum Anbieter

Leistung

3,70 Pkt

Nitro Pro ist ein PDF-Editor, der sich als Alternative zu Adobe Acrobat DC präsentiert und sich vor allem für Geschäftskunden eignet. Es heißt: „Mehr als die Hälfte der Fortune 500 setzen Tag für Tag auf Nitro.“ Auf der Website Nitro PDFs werden mit Anwendungsszenarien und Fallstudien ganz gezielt Unternehmen angesprochen.

Im Gegensatz zu Adobe Acrobat DC und einigen anderen PDF-Programmen wird Nitro Pro nicht im Abomodell vertrieben. Kunden zahlen einen Einmalpreis für die Lizenz, mit der sie die Software zeitlich unbefristet nutzen können. Der Preis für Privatanwender beträgt 176,99 Euro. Die Preise für Geschäftskunden sind nicht veröffentlicht – die Website verweist hier auf den Kontakt zum Vertrieb des Herstellers. Unterschiedliche Versionen gibt es nicht.

Wie bei vielen anderen PDF-Programmen auch lehnt sich die Benutzeroberfläche von Nitro Pro stark an Microsoft Word an. Wer mit den verbreiteten Office-Programmen von Microsoft vertraut ist, findet sich in Nitro Pro ebenfalls schnell zurecht.

Nitro Pro Einführung
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Sobald Nitro Pro installiert ist, startet ein kleines Tutorial, das dem Anwender im Schnelldurchlauf die Funktionen erklärt.

Ähnlichkeiten und Unterschiede

Große Ähnlichkeit besteht zu Soda PDF. Die Farben sind anders, der Funktionsumfang unterscheidet sich in einigen Punkten und es werden andere Icons verwendet, ansonsten gleichen sich die Benutzeroberflächen in vielen Details.

Einer der markantesten Unterschiede ist, dass es in Soda PDF nicht nur eine linke, sondern auch eine rechte Seitenleiste gibt. In dieser kann der Nutzer beispielsweise die Eigenschaften des aktuellen Werkzeugs einstellen. Nitro Pro löst dies mit Dialogfenstern. Ein Punkt für Soda PDF – die Lösung mit der Seitenleiste ist zweifellos übersichtlicher und benutzerfreundlicher. Auch sonst macht die Benutzeroberfläche von Soda PDF einen besseren Eindruck.

Soda PDF hat eine webbasierte Lösung für das Unterschreiben von Dokumenten implementiert. Der Benutzer versendet Dokumente, die der Empfänger über eine eigens generierte URL aufrufen und gleich online unterschreiben kann. Mit Nitro Pro hingegen können Anwender zwar Dokumente digital unterschreiben, sie haben jedoch keine Möglichkeit, diese anderen, die kein entsprechendes Programm installiert haben, zum Unterschreiben zukommen zu lassen.

Beide Programme werben mit einer Web-App. Während jedoch die Web-App von Soda PDF den vollen Funktionsumfang des Desktop-Programms bereitstellt, bietet die Nitro Cloud nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Grundlegende Funktionen wie das Neuarrangieren der Seiten eines PDFs und das Setzen von einfachen Kommentaren stehen zur Verfügung, Text und Bilder kann der Nutzer jedoch nicht bearbeiten.

Immerhin können Nutzer der Nitro Cloud Dokumente digital unterschreiben und sie in Office-Formate konvertieren. Fairerweise sollten wir jedoch erwähnen, dass sich jeder völlig kostenlos bei der Nitro Cloud registrieren kann, während die Web-App von Soda PDF nur zahlenden Kunden zur Verfügung steht.

Dateien stapeln

Eine Funktion, mit der sich Nitro Pro von Soda PDF abhebt, ist die Stapelverarbeitung. Sie ist nicht ganz so umfangreich wie bei Adobe Acrobat DC, aber immerhin stehen 16 verschiedene Aktionen zum Bearbeiten zur Verfügung, die sich zu Aktionssequenzen kombinieren lassen. Diese Aktionssequenzen wendet der User auf beliebig viele Dateien gleichzeitig an. So erledigt er Routineaufgaben schnell und unkompliziert. Folgende Aktionen sind möglich:

  • Alle Kommentare löschen
  • JavaScript ausführen
  • Metadaten erstellen
  • Metadaten löschen
  • Convert to Word
  • Convert to Excel
  • Convert to PowerPoint
  • Durchsuchbar (OCR) erstellen
  • Durchsuchbar und editierbar (OCR) erstellen
  • Delete Pages
  • Rotate Pages
  • Convert to PDF/A 1b
  • Convert to PDF/A 2b
  • Convert to PDF/A 2u
  • Print
  • Passwortsicherheit anwenden

Die Auflistung der Aktionen für die Stapelverarbeitung offenbart einen Schwachpunkt: Die Übersetzung ins Deutsche wurde offenbar hastig und nachlässig vom Hersteller durchgeführt, denn dem Anwender begegnen an mehreren Stellen ungeschickt gewählte Formulierungen, sprachliche Fehler oder gar Beschriftungen, die nicht übersetzt wurden. Das ist zwar unschön, beeinträchtigt die Bedienbarkeit des Programms jedoch nur unwesentlich.

Druckertreiber und Plug-Ins

Nitro PDF installiert einen Druckertreiber, mit dem sich aus jeder druckfähigen Anwendung und somit aus unzähligen Dokumenten PDFs erstellen lassen. Das machen alle anderen PDF-Editoren auch. Anwender von Windows 10 können darauf allerdings verzichten, da ein solcher Treiber bereits Teil des Betriebssystems ist. Genauso unnötig ist das Plug-in für Microsoft Word, das dem Programm eine Leiste zum Erstellen von PDFs hinzufügt. PDF-Export kann Word längst selbst. Nutzern der aktuellen Word-Version sollten daher die entsprechende Option bei der Installation abwählen.

Das letzte Häckchenist unnötig. Die Symbolleiste für Word bringt keine neuen Funktionen.

Absturzgefahr

Während unseres Tests stürzte die PDF-Software mehrmals unvermittelt ab. Das ist mit keinem anderem PDF-Programm passiert. Ungespeicherte Änderungen an PDFs gehen in einem solchen Fall natürlich verloren. Interessenten sollten daher zuerst die kostenlose Testversion installieren und die Stabilität auf ihrem heimischen Rechner überprüfen, bevor sie sich für den Kauf des Programms entscheiden.

Dokumenten-Tools

5,00 Pkt

Bei den Funktionen zum Bearbeiten von Dokumenten gibt es keine Extras, aber auch keine nennenswerten Auslassungen. Die Funktionen zum Bearbeiten entsprechen dem Üblichen und bringen alles mit, was Anwender von einem professionellen Programm zur Bearbeitung von PDF-Dateien erwarten.

Der User kann Text und Bilder einfügen, die Seitenreihenfolge eines PDFs einfach per Drag-and-Drop bearbeiten, Seiten und einzelne Bilder extrahieren, Formulare sowohl erstellen als auch ausfüllen; auch sind viele Arten von Markierungen und Kommentaren möglich. Werkzeuge zur Texterkennung (OCR) in Bilddateien und zum Vergleichen mehrerer Dateien sind ebenfalls mit an Bord.

Sehr praktisch ist die Option Intelligente Anordnung. Ist sie aktiviert, werden beim Platzieren von neuem Text automatisch Hilfslinien eingeblendet, die dafür sorgen, dass sich der Text beim Bearbeiten an anderen Kanten im Dokument orientiert.

Weniger positiv: Die Farben von Hervorhebungen, Unterstreichungen und Durchstreichungen lassen sich nicht ändern. Hervorgehoben wird immer mit Gelb, unterstrichen mit Grün und durchgestrichen mit Rot.

Kompatibilität

3,13 Pkt

Ähnlich wie bei den Dokumenten-Tools bewegt sich Nitro Pro bei den unterstützten Export-Formaten im Rahmen des Üblichen. Kein wichtiges Format fehlt, die Software hebt sich aber auch hier durch nichts von anderen PDF-Editoren hervor. Der Nutzer kann PDF-Dokumente in folgende Formate umwandeln:

  • Microsoft Office: Word, Excel, PowerPoint
  • Bilder: PNG, JPEG, TIFF, mehrseitiges TIFF
  • PDF/A-Standards: 1b, 2b, 2u
  • Textformate: RichText, unformatierter Text

Dateien kann der Anwender nicht nur auf der lokalen Festplatte speichern, sondern auch bei diversen Cloud-Speicher-Anbietern: Box, Google Drive, Dropbox und OneDrive. Darüber hinaus unterstützt das Programm die Dokumentenmanagement-Systeme Alfresco und SharePoint 2013.

Dokumentation und Support

4,00 Pkt

Zum Programm gibt es ein ausführliches Handbuch, allerdings nicht als Online-Hilfe, wie heute üblich, sondern als Windows-Hilfe-Datei. Diese ist auf hochauflösenden Bildschirmen zwar etwas anstrengend zu lesen, erklärt das Programm aber in allen Details. Im Gegensatz zum Programm selbst ist das Handbuch in einem gänzlich korrekten Deutsch verfasst. Ein Online-Hilfe Bereich, der häufige Fragen in einer FAQ-Rubrik beantwortet, ergänzt das Handbuch. Dieser ist allerdings auf Englisch.

Wer dort keine Lösung für sein Problem findet, kann im Community-Forum nachfragen. Dieses ist ebenfalls auf Englisch und wird von Nitro-Mitarbeitern besucht, die dafür sorgen, dass keine Frage unbeantwortet bleibt. Zahlende Kunden haben zudem die Möglichkeit, per Web-Formular ein Support-Ticket zu eröffnen. Eine Möglichkeit, den Support direkt per Telefon oder E-Mail zu kontaktieren, konnten wir hingegen nicht finden.

Zusammenfassung

3,96 Pkt

Nitro PDF ist laut Eigenwerbung des Herstellers die beliebteste Alternative zu Adobe Acrobat DC. Dass das Programm tatsächlich so populär ist, ist allerdings wenig wahrscheinlich. Im direkten Vergleich mit dem sehr ähnlichen Soda PDF schneidet es in beinahe jedem Bereich schlechter ab, und auch einige andere Mitbewerber sind im Umgang mit PDFs besser aufgestellt.

Die sehr guten Stapelverarbeitungsfunktionen, die die Arbeitseffizienz beim Bearbeiten von PDFs gegebenenfalls erheblich erhöhen, erklären eventuell die Beliebtheit von Nitro Pro. Mit einem Lizenzierungs- statt eines Abo-Modells ist die Software bei langfristiger Nutzung ohne Upgrades auch preislich attraktiv – insbesondere dann, wenn Geschäftskunden günstige Konditionen für Multilizenzen erhalten.