Infix

Andreas Kiener
Pro
  • Exzellente Textbearbeitungsfunktionen
  • Gut geeignet für Übersetzungen
  • Füllt alle Arten von Formularen aus
Kontra
  • Keine Batch-Konvertierung
  • Teilweise umständliche Bedienung
  • Kein Support, nur ein Forum
Fazit Infix Pro erweitert die Grenzen des PDF-Formats, indem es die Bearbeitung von PDF-Dokumenten ermöglicht. Auch die Verknüpfung mit Übersetzungsprogrammen ist ein großes Plus.

Infix Test

Infix Zum Anbieter

Leistung

2,70 Pkt

Iceni Technology, die Firma hinter dem Infix PDF-Editor, bewirbt ihre Software als „Textverarbeitungsprogramm für PDFs“. Das beschreibt das Programm recht treffend. Denn Infix ermöglicht es, PDF-Dokumente zu bearbeiten – das ist die herausragende Stärke dieser Software. Mit ihr verfügen Anwender über alle Bearbeitungsoptionen, die sie auch bei „normalen“ Dokumenten haben. Preislich liegt das Programm im unteren Mittelfeld. Es ist im Abo-Modell für 8,99 Euro pro Monat oder für eine Einmalzahlung von 89,00 Euro erhältlich. Im zweiten Fall kann der Anwender das Programm für unbegrenzte Zeit nutzen, allerdings erhält er nur ein Jahr lang Support und kostenlose Updates. Beim Erwerb von mehreren Lizenzen gibt es Mengenrabatt. Verschiedene Programmpakete mit unterschiedlichem Leistungsumfang gibt es nicht, dafür ist allerdings sowohl eine Windows- als auch eine Mac-Version erhältlich.

Wenn der Anwender ein PDF-Dokument mit Infix öffnet, kann er sofort beginnen, es zu bearbeiten. Er kann den Text ändern, Textblöcke verschieben, Seiten und Grafiken einfügen, und Schriftarten und -farben nach Belieben ändern. Besonders beeindruckend: Wenn ein Dokument eine Schriftart verwendet, die auf dem System nicht installiert ist, kann der Nutzer trotzdem in dieser Schriftart weiterschreiben, sofern er sich auf Zeichen beschränkt, die im Dokument bereits vorhanden sind. Die meisten anderen PDF-Programme erzeugen an dieser Stelle Fehlermeldungen.

Das User-Interface wirkt nicht besonders zeitgemäß, aber es ist sehr übersichtlich. Das Programm sieht aus wie jedes durchschnittliche Textverarbeitungsprogramm, es erinnert an alte Versionen von Microsoft Word oder an das freie Office-Paket LibreOffice. Das hat den Vorteil, dass sich der Anwender sofort zurechtfindet. Alle üblichen Schaltflächen sind vorhanden und einfach zu erkennen. Manche Funktionen kann der Nutzer allerdings nur umständlich über das Menü ausführen. Es erscheint zum Beispiel wenig sinnvoll, dass eine der meistgenutzten Funktionen, das Einfügen von Bildern, in der zweiten Menüebene verborgen liegt, während sieben verschiedene Tools für Anmerkungen direkt über Icons erreichbar sind.

Seitenreihenfolge bei Infix
Wenig benutzerfreundlich: Der Dialog zum Verschieben von Seiten.

Eine automatische Texterkennung (OCR, Optical Character Recognition) ist auch vorhanden. Sie wandelt Bilddokumente, etwa Scans von Buchseiten, entweder in durchsuchbare Bilder oder in Text um. Ersteres hat den Vorteil, dass die Seitengestaltung erhalten bleibt, die zweite Option ermöglicht das Bearbeiten des Textes, wobei das Layout jedoch nur grob nachempfunden ist. Die Texterkennung funktioniert – eine gut lesbare Vorlage vorausgesetzt – nahezu fehlerfrei.

Dokumenten-Tools

3,50 Pkt

Bei den meisten PDF-Programmen steht das Arbeiten mit bereits erstellten Dokumenten im Mittelpunkt. Sie sind darauf ausgelegt, Dokumente einfach zusammenzufügen, in andere Formate zu konvertieren oder die Seitenreihenfolge zu ändern. Diese Funktionen bietet der PDF-Editor von Iceni ebenfalls, doch leider ist ihre Nutzung wenig komfortabel. Wer über das Menü die Funktion zum Verschieben von Seiten aufruft, erhält beispielsweise kein Drag-and-Drop-Interface, sondern muss umständlich Seitenzahlen eingeben. Nur wer ein wenig tiefer in das Programm eintaucht, findet heraus, dass Seiten auch über die Leiste mit den Miniaturbildern verschoben werden können.

Stapelverarbeitung ist nur eingeschränkt möglich. Zwar gibt es eine Funktion, um dokumentübergreifend Texteinheiten zu suchen und zu ersetzen. Nebenbei bemerkt: Nicht nur Text, sondern auch Farben können gesucht und ersetzt werden – das allerdings nur im aktuellen Dokument. Auch Paginierung (Bates-Nummerierung) ist sinnvollerweise über mehrere Dokumente hinweg möglich. Allerdings fehlt eine Funktion zur Konvertierung einer Reihe von Dokumenten in ein anderes Format.

Software infix Formular
Formulare lassen sich mit Infix sehr einfach ausfüllen.

Eine große Stärke des Programms ist die Option, Formulare auszufüllen. Dank seiner hervorragenden Bearbeitungsfunktionen kann es nahezu jedes beliebige Formular ausfüllen – längst nicht nur interaktive Formulare. Schade ist jedoch, dass der Anwender mit dem Infix PDF Editor keine interaktiven Formulare erstellen kann.

Erweiterte Funktionen: Schwärzen, Verschlüsseln, Übersetzen

Das Programm integriert auch einige Extra-Funktionen, zum Beispiel das Schwärzen von Textstellen, das wichtig für die Arbeit mit vertraulichen Dokumenten ist. Der Anwender kann sich dabei die Farbe aussuchen, mit der er den Text unkenntlich macht. Er kann auch bestimmte Wörter automatisch im gesamten Text schwärzen. Das funktioniert allerdings nicht immer richtig: Manchmal löscht das Programm die gefundenen Wörter, anstatt sie durch einen monochromen Balken zu ersetzen. Unter welchen Bedingungen dieser Fehler auftritt, ist unklar.

Um Dokumente vor unbefugten Zugriffen zu schützen, verschlüsselt Infix sie und versieht sie mit einem Passwort. Der höchste Verschlüsselungsstandard ist die mit Acrobat 7 kompatible 128-Bit-AES-Verschlüsselung. Das Programm unterstützt zwei verschiedene Passwörter, ein User-Passwort, das nötig ist, um das Dokument überhaupt zu öffnen und zu betrachten, sowie ein Master-Passwort, um die Sicherheitseinstellungen zu ändern und das Dokument beispielsweise zu bearbeiten oder zu drucken. Allerdings akzeptieren nicht alle PDF-Programme dieses Master-Passwort, so dass Dritte gegebenenfalls trotz eines eingerichteten Passwortschutzes Zugriff auf die gesperrten Funktionen haben.

Software infix Pro
Textstellen zu schwärzen funktioniert einfach – das Automatische Suchen und Schwärzen bestimmter Begriffe allerdings nicht immer.

Ein besonderes Feature, das vor allem für professionelle Übersetzer interessant ist, ist die Anbindung an TransPDF, ein Online-Service zur Konvertierung von PDF-Dateien in XLIFF-Dateien und umgekehrt. Das XLIFF-Format wird von Übersetzungsprogrammen wie beispielsweise SDL Trados Studio und Memsource verwendet. Die mit TransPDF erstellten Übersetzungen kann der Anwender auch mit dem Original vergleichen – ansonsten ist es in dem Programm allerdings nicht möglich, zwei Versionen eines Dokuments nebeneinander anzuzeigen, um sie zu vergleichen.

Kompatibilität

2,50 Pkt

Eine Schwäche von Infix ist, dass der Export in Microsoft-Office-Formate nicht möglich ist. Eine mögliche Erklärung dafür: Alle nötigen Bearbeitungen kann der Nutzer im Programm selbst vornehmen. Im Produktiveinsatz wäre jedoch eine Export-Funktion für Word nützlich – und sei es nur, um ein Dokument an jemanden weiterzugeben, der kein Programm zur PDF-Bearbeitung installiert hat.

Allerdings unterstützt Infix im Gegensatz zu den meisten anderen PDF-Programmen den Export in das offene E-Book-Format EPUB. Das ist beispielsweise dann nützlich, wenn der Anwender eine elektronische Version eines Handbuchs oder einer Gebrauchsanweisung erstellen möchte.

Auf Knopfdruck extrahiert Infix alle Bilder eines PDF-Dokuments; sie stehen dann als separate Bilddateien zur Verfügung. Auch das Konvertieren des gesamten Dokuments in Bilder (eine Datei pro Seite) ist möglich. Beim HTML-Format hat der Anwender die Wahl zwischen verschiedenen Versionen: einfaches HTML, HTML 3, HTML 4 und HTML 4 mit CSS. Auch der RTF-Export ist möglich. Das ersetzt teilweise den fehlenden Office-Export, denn die meisten Textverarbeitungsprogramme öffnen RTF-Dateien problemlos. Alle komplexeren Formatierungen gehen dabei allerdings verloren.

Beim Speichern als PDF-Datei unterscheidet die Software zwischen dem normalen Speichern und dem Speichern als Endversion, die nicht mehr bearbeitet werden soll und in welcher daher unsichtbare Formatierungsbefehle nicht mitgespeichert werden. Was jedoch nicht möglich ist, ist das Speichern in einer für das Web optimierten Version (mit stärkerer Komprimierung) oder das automatische Erzeugen von PDF-Dateien, die für die kleinen Bildschirme mobiler Endgeräte optimiert sind.

Dokumentation und Support

3,00 Pkt

Die Online-Hilfe gibt es nur auf Englisch. Sie ist allerdings sehr detailliert und stellt die Bedienung der Software recht umfassend dar. Ein Support, an den Kunden sich per Telefon oder E-Mail wenden können, fehlt. Dafür gibt es ein Forum, in dem auch Mitarbeiter Kundenanfragen beantworten.

Dass keine Möglichkeit besteht, sich bei Schwierigkeiten mit dem Programm direkt an den Hersteller zu wenden, enttäuscht ein wenig. Iceni Technology bietet nicht einmal einen Premium-Support gegen Aufpreis an.

Zusammenfassung

2,93 Pkt

Wer je davon geträumt hat, ein PDF-Dokument so einfach bearbeiten zu können wie eine Word-Datei, der sollte zu Infix Pro greifen. Bessere Bearbeitungsfunktionen hat kein anderes PDF-Programm. Auch die Texterkennung funktioniert tadellos.

Bei den klassischen Aufgaben eines PDF-Programms, die vornehmlich im Bereich des Managements von PDF-Dateien liegen, zeigt Infix jedoch Schwächen. Wer Seiten umgruppieren oder Dokumente stapelweise konvertieren möchte, kann diese Aufgaben mit anderen Programmen einfacher erledigen.

Die Benutzeroberfläche ähnelt derjenigen einer Textverarbeitung – das hält die Lernkurve flach. Die Bedienbarkeit des Programms ist jedoch nicht immer optimal, manche Funktionen erschließen sich dem Anwender nicht ohne Nachschlagen in der Dokumentation. Dass es offenbar kein Support-Team gibt, an das sich die Kunden bei Problemen wenden können, ist bedauerlich, wird aber durch das Forum teilweise aufgewogen.