Peer-to-Peer-Netzwerke

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Eigentlich liest es sich ganz gut, wenn bei einem Peer-to-Peer-Netzwerk von einer Kommunikation zwischen Gleichrangigen oder Gleichgesinnten die Rede ist. Das P2P-Prinzip gehört zu den ersten Entwicklungen bei Computer-Netzwerken überhaupt und wurde bereits bei deren ersten Gehversuchen in den späten 1980er und den frühen 1990er Jahren eingesetzt. Großartig weiterentwickelt hat sich diese Technik seitdem jedoch nicht.

Nicht zuletzt aus diesem Grund bergen P2P-Netzwerke einige Gefahren, die von den Usern nicht unterschätzt werden sollten. Anders als bei den gängigen Client-Server-Topologien, etwa bei Nutzung eines One-Click-Hosters, bei dem ein User mit seinem Endgerät auf die Dienste eines zentralen Servers zugreifen kann, ist jeder Rechner in einem P2P-Netz sowohl Client als auch Server. Im Laufe der Jahre wurde diese Technik vor allem von Tauschbörsen-Nutzern verwendet. Doch sie sind nicht allein. Schon längst haben Internetkriminelle die P2P-Netzwerke für sich entdeckt. Nirgendwo ist es für sie einfacher, von der Unwissenheit der User zu profitieren.

Nachteile und Gefahren der Peer-to-Peer-Netzwerke

In einem P2P-Netzwerk gibt es so gut wie keine Sicherheit. User können hier Daten von anderen Rechnern abgreifen. Jede Person beziehungsweise jeder Client meldet sich unbemerkt auf andere im Netz hängende PCs an. Sämtliche Verbindungen sind zudem unverschlüsselt. Damit wird nicht nur Hackerprogrammen, die etwaige Daten ausspionieren wollen, Tür und Tor geöffnet. Die Gefahr ist noch wesentlich größer. So schön und vorteilhaft die Nutzung einer Tauschbörse anfangs erscheint, die User können sich gleich in mehrfacher Hinsicht in große Schwierigkeiten begeben.

Eine sehr große Anzahl verfügbarer Dateien

Ein klarer Vorteil derartiger Tauschbörsenformen liegt in der Verfügbarkeit seltener Dateien. Liegt bei nur einem Nutzer diese Datei auf einem von anderen Usern zugänglichen Bereich der Festplatte, so kann diese von anderen Nutzern heruntergeladen werden. Je mehr Nutzer diese Datei auf ihrer Festplatte haben, desto größer ist die Anzahl der „Seeder“, also derer, die die Datei zum Upload zur Verfügung stellen. Somit erhöht sich auch die Geschwindigkeit, und Nutzer müssen weniger lange warten, bis die Datei auf ihrer Festplatte landet.

Illegaler Dateiaustausch

Häufig werden P2P-Netzwerke dazu genutzt, lizensierte und rechtlich geschützte Inhalte kostenlos zu verteilen. Das ist nicht nur verboten: Es kann sogar dazu führen, dass die örtliche Polizei dem eigentlich harmlosen Endbenutzer einen unangekündigten Besuch abstattet. Anzeigen und Verurteilungen sind nicht selten die Folge. Denn alle Nutzer des Netzwerkes, aber eben auch Behördenmitarbeiter können die IP-Adresse des Gegenübers und in vielen Fällen auch sämtliche Dateien, die der Anwender anderen zur Verfügung stellt, einsehen. Das Bereitstellen, also der Upload urheberrechtliche geschützter Werke wie Musik oder Videos, wird in der Praxis strenger geahndet als der reine Download.
 

Eine Tür ins System wird geöffnet

Wer anderen die Möglichkeit gibt, auf den eigenen Rechner zuzugreifen, erleichtert den unzähligen Schadprogrammen aus dem Internet, ins System zu gelangen. Die Software, welche für die Nutzung der Dienste in vielen P2P-Netzwerken lokal installiert werden muss, bietet diesbezüglich keinen Schutz. Deshalb sollten Nutzer darauf achten, ein gutes Anti-Viren-Programm zu verwenden und dieses stets aktuell zu halten. Nur so kann die Gefahr eingedämmt werden, sich einen aktuellen Wurm oder Virus einzufangen. Denn diese Schädlinge sind zuhauf in P2P-Netzwerken unterwegs. Oftmals sind sie als aktuelle Musik- oder Spieletitel getarnt.

Lahmer Rechner, Schuld oft bei P2P-Netzwerken

Eine P2P-Verbindung kostet Bandbreite. Irgendjemand innerhalb des Netzwerkes ist immer aktiv und versucht, etwas herunterzuladen. Das kann unweigerlich zur Einschränkung der Rechnerleistung des eigenen Endgerätes führen. Nur wenige User können sich diese dauerhafte Ressourcenbremse leisten, zumal ein moderner Internet-Browser fast schon selbst ein Betriebssystem ist und sehr viele Ressourcen benötigt. Gleiches gilt für Office-Anwendungen.

So kann ein Rechner schnell sehr langsam werden, obwohl die Hardware mehr hergeben sollte. Aus Unerfahrenheit wird dann meistens die Schuld beim Betriebssystem gesucht. Es braucht eine Menge an Fachwissen, um den tatsächlichen Ursachen auf die Schliche zu kommen.

Ein weiterer Brems-Faktor: Bot-Netzwerke

Eine weitere Quelle für eine langsame Performance sind die sogenannten Bot-Netzwerke. Sie stellen eine der größten Gefahren der P2P-Netzwerke dar. Das Prinzip eines Bot-Netzes ist simpel: Die beteiligten Computer werden mit einem kleinen Programm ausgestattet, das einen gewissen Anteil der Rechnerleistung abzweigt und dem Bot-Netzwerk zur Verfügung stellt, wo die vielen kleinen Ressourcen zu einem mächtigen Ganzen zusammengefügt werden.

Häufig wird diese "Gemeinschaftsarbeit" für illegale Zwecke genutzt. Kaum ein Anwender weiß von der Existenz dieser Software. Sie wird unbemerkt installiert und sehr gut getarnt. So ist es etwa möglich, einen großen Computer-Pool illegal zum Knacken von Passwörtern zu benutzen, ihn zur Erzeugung von Spam-E-Mails zu verwenden oder ohne das Wissen der Besitzer Bitcoins zu „schürfen“, also unzählige Rechenoperationen durchführen zu lassen, die nach einer gewissen Zeit und vor allem durch die schiere Größe solcher Netzwerke großen Profit durch den Handel mit der Krypto-Währung versprechen.