Anne Röttgerkamp

Das Geschäft mit dem Tod

„Nur der Tod ist umsonst“, so eine bekannte Redewendung. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: Das Sterben ist mittlerweile zu einer höchst kommerziellen Angelegenheit geworden. Der Trend zum Individualismus stellt sich in Form von Hightech-Grabsteinen, ananasförmigen Särgen oder gar Weltraum-Bestattungen zur Schau.
Die Bedeutung religiöser Aspekte und traditioneller Beerdigungsriten rückt in den Hintergrund und wird durch originell ausgerichtete Beisetzungen verdrängt.
Das klassische Begräbnis scheint vom Aussterben bedroht.

Discount-Bestattungen liegen im Trend

Neben dem individuellen Einschlag der deutschen Bestattungskultur macht sich jedoch noch ein weiterer Trend bemerkbar: Sogenannte „Discount-Bestattungen“ sind stark im Kommen. Die Tiefpreispolitik der Bestattungsinstitute mit Pauschalangeboten hat auch in Deutschland Fuß gefasst. Rabattaktionen, Posterkampagnen sowie ein ausgeklügeltes Eventmarketing stellen schon seit längerem keine Gegensätzlichkeit mehr zur Ehrfurcht gegenüber dem Tod dar. „Discount-Bestatter“ bieten Beisetzungen im Paket zu Pauschalpreisen an.
Im Netz kursieren zahlreiche Anzeigen von Bestattern, die Verstorbene für knapp 500 Euro beisetzen. Dass diese Angebote oft mit hohen Zusatzkosten verbunden sind, wird dabei verschwiegen. Das vielfältige Angebot sowie die stärkere Wettbewerbssituation, der sich hauptsächlich traditionsverhaftete Bestattungsunternehmen stellen müssen, üben großen Druck auf die Branche aus. Die sinkende Sterbezahl in Deutschland trägt ebenfalls ihren Teil bei. Allein von 2008 bis 2012 hat sich die Anzahl der Discount-Bestattungen für weniger als 1.200 Euro in Deutschland fast verdoppelt.
Doch egal, ob individuell gestalteter Sarg oder Pauschalangebot, irgendjemand profitiert mit Sicherheit vom Tod anderer.
Netzsieger hat sich daher mit dem häufig noch immer tabuisierten Thema auseinandergesetzt und klärt auf: Wer verdient eigentlich am Tod und wie sehen die regionalen Preisunterschiede aus? Welche individuellen Bestattungsformen bietet der Markt und welche Beerdigung erhalten Kunden für das jeweilige Budget?

Der Tod als Beruf — Wer verdient am Tod?

Im Schnitt sterben in Deutschland pro Tag 2.535 Menschen, die größtenteils auf einem der 32.000 Friedhöfe bestattet werden. Dass eine Beisetzung längst kein Akt reiner Nächstenliebe ist, zeigt die zunehmende Kommerzialisierung des Todes.
Umsätze in Milliardenhöhe streichen allein Beerdigungsinstitute jährlich aufs Neue ein.
Doch eine Beisetzung ist ein Zusammenspiel vieler Beteiligter: Bestatter, Florist, Friedhofsgärtner, Arzt, der Staat, im schlimmsten Fall sogar ein Tatortreiniger, alle wollen ein Stück des Kuchens abbekommen.

Bestatter

Die Überführung der Leiche, die hygienische Totenversorgung, die Einbettung in einen Sarg sowie die Ausrichtung einer Trauerfeier sind nur einige Aufgaben, die in das Berufsfeld des Bestatters fallen. Die Frage nach den Kosten für einen Bestatter lässt sich nicht pauschal beantworten. Abhängig von den individuellen Wünschen des Verstorbenen beziehungsweise der Angehörigen sowie regionalen Preisunterschieden gestaltet sich der Gesamtpreis.
Im Schnitt liegen die Kosten allein für den Bestatter – die Preise für Steinmetz, Friedhofs- und Urkundegebühren sowie die Leistungen Dritter nicht mit inbegriffen – bei knapp 1.000 Euro.
Im Vergleich zu sogenannten „Discount-Bestattern“, die eine komplette Beerdigung bereits ab knapp 500 Euro im Angebot haben, scheint dies eine hohe Summe zu sein. Nicht vergessen sollte man hierbei jedoch, dass bei Pauschalangeboten dieser Art der Individualitätsfaktor gleich gegen Null geht.

Sarg
Florist Blumen

Florist

„Arm oder reich, der Tod macht alle gleich.“
Die Auswahl des passenden Blumenschmucks besagt häufig etwas anderes. Der Trend zum Individualismus ist auch hier unverkennbar und personenbezogene Dekoration ist gefragter denn je.
Davon profitieren auch Floristen: Für einen einfachen Kranz, ein Blumenbukett für einen Sarg sowie Wurfgrün für die Trauergemeinde fallen durchschnittlich 350 Euro an. Im gehobenen Standard sogar 590 Euro.

Friedhofsgärtner

Abhängig von Faktoren wie Dauer der Pflege, Art des Grabes, Standort und Umfang der vereinbarten Leistungen gestalten sich auch die Kosten für die Grabpflege, die der Friedhofsgärtner übernimmt. Allein in Deutschland gibt es über 4.000 Gärtnereien, die eine dauerhafte Grabpflege anbieten. Diese wird in der Regel gleich über mehrere Jahre vereinbart.
Günstige Friedhofsgärtner bieten ihre Leistungen bereits ab 0,50 Euro pro Tag an. Bei einer zehnjährigen Grabpflege fallen so 1.825 Euro an – jedoch ohne Zusatzleistungen wie Düngen oder Abdecken der Grabstelle im Winter.

Tulpen
Arzt Füße

Arzt

Für die Ausstellung der Sterbeurkunde wird der Totenschein benötigt. Dieser dokumentiert die Leichenschau durch einen Arzt und bescheinigt den Tod. In Deutschland sind Ärzte zur gesetzlichen Leichenschau verpflichtet. Da direkt mit dem Tod auch die Mitgliedschaft der Krankenversicherung erlischt, stellt der Arzt die Leistung anschließend privat in Rechnung.
Die Kosten für die ärztliche Leistung, die Feststellung des Todes und die Ausstellung des Totenscheins belaufen sich auf 14,57 Euro. Dieser Betrag kann sich allerdings erhöhen, wenn der Arzt mehr Zeit für die Untersuchung benötigt oder es sich um einen besonders schwierigen Fall handelt. Auch die Tageszeit und der Anfahrtsweg sind ausschlaggebende Komponenten, die den Preis schnell in die Höhe treiben.
In letzter Zeit stand der Aufwand der Ärzte in Verbindung mit der Abrechnung jedoch immer wieder in der Kritik: Schnell durchgeführte Leichenschauen und übertrieben hohe Abrechnungen zwischen 100 und 200 Euro sind längst keine Seltenheit mehr.

Staat

Jährlich erben mehr als eine Million Deutsche – im Schnitt 100.000 Euro. Doch nicht nur Angehörige erhalten im Todesfall eine Hinterlassenschaft, auch der Staat profitiert häufig. Rund 4,5 Milliarden Euro kassierte dieser allein im vergangenen Jahr an Steuern, nach Abzug der Freibeträge.
Je nach Verwandtschaftsverhältnis und Steuerklasse stehen den Hinterbliebenen unterschiedlich hohe Freibeträge zu: 500.000 Euro für den Ehegatten, 400.000 Euro für seine Kinder sowie 200.000 Euro für seine Enkel.
Jeder hat die Option, sein Erbe innerhalb von sechs Wochen auszuschlagen. Häufig sind Schulden der Hauptgrund. Können mit dem geerbten Vermögen die Schulden nicht vollständig getilgt werden, ist es sinnlos das Erbe anzutreten.

Reichstag
Tatortreiniger Tatort

Tatortreiniger

Tatortreiniger, kein Job wie jeder andere.
Die Ausgaben für einen Tatortreiniger sind nicht unbedingt das Erste, was Hinterbliebenen in den Sinn kommt, stirbt ein Verwandter oder Freund.
Tatortreiniger werden meist von Vermietern, Hausverwaltungen oder auch den Angehörigen selbst beauftragt, um die Spuren an Orten von Unfällen, Gewalttaten oder sonstigen Todesfällen zu beseitigen. Eine Tatortreinigung kostet abhängig vom Einsatz und Arbeitsweg zwischen 125 und 400 Euro.

Erbschaftssteuer, Sterberate, Bestattungskosten: So sieht es in Deutschland aus

In den vergangenen sieben Jahren wuchs das vererbte Vermögen in Deutschland um 42 Prozent. Rund 4,5 Milliarden Euro kassierte der Staat allein im vergangenen Jahr an Erbschaftssteuern. Allerdings gibt es innerhalb Deutschlands große Unterschiede bezüglich des Erbschaftssteueraufkommens: Während in Hamburg und Bayern die Geldquelle fließt, sieht es vor allem in Ostdeutschland recht bescheiden aus.
Doch wie viel Erbschaftssteuer erhalten die einzelnen Länder eigentlich je Totem? Wie viel Prozent der Bevölkerung sterben jährlich pro Bundesland und wie sehen die Preisunterschiede bei Bestattungen deutschlandweit aus?
Ein Klick auf die Deutschlandkarte verrät Genaueres.

Hamburg

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
17.163 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
0,98% (Sterbefälle absolut: 17.565)

Kosten für Bestattung
Feuerbestattung: 960 Euro
Erdbestattung: 999 Euro

Bayern

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
10.932 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,04% (Sterbefälle absolut: 133.536)

Kosten für Bestattung — Beispiel München
Feuerbestattung: 980 Euro
Erdbestattung: 1.139 Euro

Hessen

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
8.450 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,08% (Sterbefälle absolut: 66.534)

Baden-Württemberg

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
8.424 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
0,99% (Sterbefälle absolut: 108.066)

Kosten für Bestattung — Beispiel Stuttgart
Feuerbestattung: 1.339 Euro
Erdbestattung: 878 Euro

Rheinland-Pfalz

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
6.951 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,15% (Sterbefälle absolut: 46.777)

Nordrhein-Westfalen

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
6.651 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,14% (Sterbefälle absolut: 204.352)

Kosten für Bestattung — Beispiel Köln
Feuerbestattung: 929 Euro
Erdbestattung: 749 Euro

Berlin

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
6.561 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
0,97% (Sterbefälle absolut: 34.278)

Kosten für Bestattung
Feuerbestattung: 750 Euro
Erdbestattung: 910 Euro

Schleswig-Holstein

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
5.493 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,18% (Sterbefälle absolut: 33.663)

Bremen

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
4.572 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,16% (Sterbefälle absolut: 7.811)

Saarland

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
3.751 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,35% (Sterbefälle absolut: 13.427)

Niedersachsen

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
3.334 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,17% (Sterbefälle absolut: 92.460)

Brandenburg

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
3.334 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,17% (Sterbefälle absolut: 30.750)

Sachsen

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
626 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,33% (Sterbefälle absolut: 54.467)

Kosten für Bestattung — Beispiel Dresden
Feuerbestattung: 1.039 Euro
Erdbestattung: 1.009 Euro

Kosten für Bestattung — Beispiel Leipzig
Feuerbestattung: 1.295 Euro
Erdbestattung: 1.500 Euro

Mecklenburg-Vorpommern

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
581 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,26% (Sterbefälle absolut: 20.315)

Sachsen-Anhalt

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
551 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,44% (Sterbefälle absolut: 32.369)

Thüringen

Durchschnittliche Erbschaftssteuereinnahmen pro Totem
445 Euro

Sterberate der Bevölkerung pro Jahr
1,33% (Sterbefälle absolut: 28.830)

Was kostet eine Bestattung?

Im Schnitt kostet eine einfache Beerdigung in Deutschland 7.000 Euro. Die Gebühren für die spätere Grabpflege sind hierbei noch nicht inbegriffen. Abhängig von der Region, der Bestattungsart und dem Umfang der erbrachten Leistungen gibt es jedoch große Kostenunterschiede. Auch spielt die Tatsache, ob es sich um eine Erd- oder Feuerbestattung handelt, eine entscheidende Rolle.
Berücksichtigt man all diese Gegebenheiten, entstehen selbst innerhalb Deutschlands schnell preisliche Differenzen von mehreren tausend Euro. Die folgenden Angaben orientieren sich an einem Durchschnittswert deutscher Bestattungskosten.

Urkundengebühren

Die durchschnittlichen Kosten für die Ausstellung der Urkunden belaufen sich auf 115 Euro. Hierfür erhalten Hinterbliebene einen Totenschein und ein Originalexemplar sowie vier weitere Ausführungen der Sterbeurkunde. Bei einer Feuerbestattung fallen zusätzlich Kosten für eine Kremationsleichenschau in Höhe von etwa 50 Euro an.

Kosten für den Bestatter

Um die 1.000 Euro werden im Schnitt allein für die Leistungen des Bestatters fällig. Aber auch hier können schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen, entscheiden sich Hinterbliebene für einen Sarg aus Edelholz oder eine Urne aus Edelmetall.
Der Anfahrtsweg, die Auswahl der Totenkleidung oder die Anzahl der Trauerbriefe treiben die Kosten ebenfalls schnell in die Höhe.

Was zählt zu den Leistungen des Bestatters?

  • Sarg mit Ausstattung
  • Totenbekleidung
  • Hygienische Versorgung des Verstorbenen
  • Ankleiden und Einbetten des Toten
  • Überführung
  • Aufbahrung und Trauerhallengestaltung
  • 30 Trauerbriefe
  • Verwaltungskosten
  • Grabkreuz

Bei einer Feuerbestattung müssen Hinterbliebene zudem noch mit den Kosten für eine Urne rechnen. Einfache Modelle gibt es bereits ab 60 Euro, teurere Ausführungen für 500 Euro.

Friedhofsgebühren

Erdbestattung

300 Euro: Kühlzellen/ Aufbahrungsraum

600 Euro: Beisetzungsgebühr

200 Euro: Nutzung der Trauerhalle

165 Euro: Träger

1.400 Euro: Erdreihengrab

 


2.665 Euro

Feuerbestattung

300 Euro: Kühlzellen/ Aufbahrungsraum

600 Euro: Beisetzungsgebühr

200 Euro: Nutzung der Trauerhalle

290 Euro: Einäscherung samt Aschekapsel

165 Euro: Träger

800 Euro: Urnenreihengrab


2.355 Euro

 

Floristen-Kosten

Erdbestattung

170 Euro: Trauerkranz

130 Euro: Sargschmuck

50 Euro: Wurfgrün


350 Euro

Feuerbestattung

170 Euro: Trauerkranz

 

Steinmetz-Kosten

Günstige Grabsteine gibt es bereits ab 300 Euro. Dieser Preis beinhaltet jedoch nur den Stein an sich. Pro Buchstabe muss zusätzlich mit 10 Euro gerechnet werden. Außerdem kostet sowohl die Grabeinfassung als auch das Aufstellen extra. Im Schnitt fallen hierfür weitere 250 Euro an.

So kommt man zusammengerechnet auf 560 Euro Steinmetz-Kosten –  im günstigsten Fall.

Die durchschnittlichen Kosten für die Leistungen eines Steinmetz liegen jedoch weit über diesem Betrag. Oftmals zahlen Hinterbliebene rund 3.000 Euro.

Günstiger ist eine Grabplatte oder ein Namensstein für ein Urnengrab: Standardmodelle sind bereit ab knapp 200 Euro erhältlich.

 

Friedhofsgärtner-Kosten

Ausschlaggebend für die Höhe der Kosten des zu pflegenden Grabes ist dessen Größe. Vereinzelt bieten Friedhofsgärtnereien ihre Dienste bereits ab 0,50 Euro pro Tag an. Im Durchschnitt beläuft sich die Grabpflege pro Jahr aber auf ungefähr 350 Euro.

Günstiger ist hingegen die Pflege der Platte eines Urnengrabes. Bepflanzung, Gießen und Abdeckung im Winter entfallen an dieser Stelle. Für ungefähr 80 Euro im Jahr kümmern sich viele Friedhofgärtnereien einmal pro Monat um ein Urnengrab.

Eventuelle Zusatzkosten

210 Euro: Trauerredner
250 Euro: Todesanzeige
175 Euro: Orgelspiel
520 Euro Bewirtung (30 Personen)

Bestattungskultur im Wandel

In den letzten 20 Jahren verloren die traditionellen christlichen Bestattungsformen in Deutschland an Bedeutung. Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen, die sich nicht mit christlichen Werten identifizieren können, gestiegen.
Auch die Tatsache, dass vermehrt junge Menschen immer häufiger ihren Wohnort wechseln, nicht mehr so nah bei ihren Eltern wohnen und dementsprechend die Grabstätten seltener aufsuchen, trägt einen Großteil zum Wandel der Bestattungskultur bei.
Die altbewährte Tradition des Friedhofs scheint langsam auszusterben. Ausschlaggebend hierfür ist auch die Vielzahl der alternativen Bestattungsmöglichkeiten.
Zudem entscheiden sich viele Hinterbliebene heute für die Einäscherung. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Anteil der Feuerbestattungen in Deutschland mehr als verdoppelt. Nicht immer findet die Asche der Verstorbenen allerdings auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe: Mal werden die Überreste auf dem Meer verteilt, in der Wüste beziehungsweise den Bergen verstreut, oder in seltenen Fällen sogar zu einem Diamanten verarbeitet.
Grund hierfür ist unter anderem der finanzielle Vorteil, da Friedhofsgebühren und Kosten für die Grabpflege entfallen.
14 Prozent der Deutschen können sich eine „pflegefreie Beisetzungsform außerhalb eines Friedhofs“ vorstellen. Doch welche Möglichkeiten der individuellen Beisetzung gibt es überhaupt und mit welchen Kosten sind diese verbunden?
Netzsieger hat sich die außergewöhnlichen Beisetzungsarten angeschaut und zeigt beliebte Alternativen zur klassischen Erdbestattung.

Seebestattung

Für fünf Prozent der Deutschen stellt die Seebestattung eine Alternative zur herkömmlichen Grabbestattung dar. Besonders Menschen, die in der Nähe des Wassers wohnen, wählen die Bestattung auf See. Ist es der Wunsch des Verstorbenen, so muss dies bereits zu Lebzeiten festgehalten werden. Hierfür wird ein handschriftliches Dokument benötig, auf dem Ort, Datum, Unterschrift sowie die Begründung für diese Form der Bestattung festgehalten sind. Genau wie bei einer traditionellen Erdbestattung kann auch bei einer Seebestattung eine Trauerfeier mit Redner stattfinden – Austragungsort ist in diesem Fall das Schiff. Die Urne muss hierbei wasserlöslich sein und außerhalb der Fischfanggebiete versenkt werden. Seebestattungen sind in Deutschland ausschließlich auf der Nord- oder Ostsee erlaubt, Flüsse sind davon ausgenommen. Der Ort der Bestattung wird auf einer Seekarte festgehalten und den Angehörigen mitgeteilt.
Eine „einfache Seebestattung“ – inklusive Bestatterkosten, diversen Fremdleistungen sowie den Gebühren für die Reederei – kostet knapp 3.000 Euro.

Seebestattung Schiff
Waldbestattung Bäume

Waldbestattung

In einer biologisch abbaubaren Urne wird der Verstorbene in einem eigens für Waldbestattungen freigegeben Waldgrundstück vergraben. Die Urne wird an den Wurzeln eines Baumes vergraben, welcher wiederum für die kommenden 99 Jahre „gesperrt“ ist.
Immer mehr Menschen entscheiden sich heute für eine Waldbestattung, da hier die Grabpflege wegfällt beziehungsweise von der zugehörigen Forstverwaltung übernommen wird. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass keine individuelle Gestaltung des Grabes möglich ist und weder Blumen gepflanzt noch Kerzen aufgestellt werden dürfen.
Die Kosten eines Baumgrabes hängen vom jeweiligen Träger ab, doch auch die Lage des Baumes ist ausschlaggebend. Zudem sind Gemeinschaftsbäume häufig preiswerter als Einzel- oder Familienbäume. Im Schnitt kostet eine Grabstelle unter einem Gemeinschaftsbaum mindestens 800 Euro. Zusätzlich kommen noch die Kosten für das Bestattungsunternehmen und die Kremierung hinzu.

Diamantbestattung

Eine Diamantbestattung setzt die Einäscherung des Verstorbenen voraus. Anschließend wird der amorphe Kohlenstoff der Totenasche zu einem synthetischen Diamanten gepresst. Dieser kann dann beliebig eingefärbt und beispielsweise als persönliches Schmuckstück verarbeitet werden. Für einen Diamanten werden lediglich 250 Gramm Asche benötigt.
Diese Art der Bestattung zählt mit zu den teuersten überhaupt. Abhängig davon, wie viel Karat der Diamant haben soll, gestaltet sich auch der Preis. Normalerweise müssen Hinterbliebene jedoch mit mindestens 4.000 Euro rechnen.
Zusätzlich fallen Kosten für die Bestattung der übrigen Asche, eine Trauerfeier oder einen Steinmetz an.

Diamantbestattung Diamant
Felsbestattung Felsen

Felsbestattung

Aufgrund des in Deutschland festgeschriebenen Friedhofszwangs sind Felsbestattungen hierzulande nicht erlaubt. Diese Form der Naturbestattung gibt es vorwiegend in der Schweiz. Die Asche des Verstorbenen wird entweder in einem Felsgebiet verstreut oder unter einer Grasnarbe in unmittelbarer Nähe eines Felsens beigesetzt. Ähnlich wie bei der Seebestattung sollte auch bei einer Felsbestattung der Wunsch hiernach bereits zu Lebzeiten festgehalten werden. Im Schnitt sind die Kosten für eine Felsbestattung in der Schweiz nicht wesentlich teurer als die einer Urnenbestattung auf einem deutschen Friedhof. Anstelle der Friedhofsgebühren müssen Hinterbliebene mit den Kosten für die Überführung in die Schweiz rechnen. Die Beisetzung der Asche an einem Gemeinschaftsfelsen kostet ungefähr 400 Euro, zuzüglich der Kosten für einen Bestatter.

Preiswert vs. Kostspielig: Zwei Bestattungen im Vergleich

Welche Leistungen erhalten Hinterbliebene für 3.500 Euro und rund 7.500 Euro?

Budget preiswerte Beerdigung
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    Preiswerte Bestattung
    Urkundengebühren 50 Euro
    Kosten für Aufbahrungsraum, Beisetzung, Trauerhallennutzung und Sargträger 730 Euro
    Erdreihengrab 670 Euro
    Kiefersarg 400 Euro
    Hygienische Versorgung des Verstorbenen 50 Euro
    „Einfache“ Totenkleidung 50 Euro
    Einkleiden und Einbetten 80 Euro
    Überführung 60 Euro
    Aufbahrung und schlichte Gestaltung der Trauerhalle 60 Euro
    15 Trauerbriefe (ohne Porto) 25 Euro
    Grabkreuz 35 Euro
    Kleine Grabplatte 300 Euro
    20 Buchstaben auf der Grabplatte 200 Euro
    Kleiner Trauerkranz 80 Euro
    Wurfgrün für 15 Personen 25 Euro
    Trauerredner 40 Euro
    Todesanzeige (einspaltig) 100 Euro
    Musik von der CD 25 Euro
    Bewirtung von 30 Personen 520 Euro
    Gesamt: 3.500 Euro
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Budget kostspielige Beerdigung
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    Kostspielige Bestattung
    Urkundengebühren 50 Euro
    Kosten für Aufbahrungsraum, Beisetzung, Trauerhallennutzung und Sargträger 730 Euro
    Erdwahlgrab 914 Euro
    Edelholzsarg 1.000 Euro
    Hygienische Versorgung des Verstorbenen 50 Euro
    Hochwertige Totenkleidung 125 Euro
    Einkleiden und Einbetten 80 Euro
    Überführung 60 Euro
    Aufbahrung und aufwendigere Gestaltung der Trauerhalle 250 Euro
    30 Trauerbriefe (ohne Porto) 50 Euro
    Grabkreuz 35 Euro
    Grabstein 2.000 Euro
    40 Buchstaben auf dem Grabstein 400 Euro
    Großer Trauerkranz 300 Euro
    Wurfgrün für 30 Personen 50 Euro
    Trauerredner 40 Euro
    Todesanzeige (zweispaltig) 200 Euro
    Orgelspiel 150 Euro
    Bewirtung von 60 Personen 1.040 Euro
    Gesamt: 7.524 Euro
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Checkliste: Todesfall

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Quellen:

www.statista.de
www.destatis.de
www.mpg.de
www.bestattungen.de
www.bestattungsvorsorge-heute.de
www.todesfall-checkliste.de
www.biallo.de
www.bestattungsplanung.de