ZoneAlarm

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BEWERTUNG
8.0 / 10
AB
34,00 €
Andreas Kiener
Aktualisiert: 28/06/2019
Pro
  • Detailliert konfigurierbare Firewall
  • Chat-Support rund um die Uhr
  • Geringe Systembelastung während des Scannens
Kontra
  • Keine aktuelle Bewertung durch unabhängige Testinstitute
  • Angestaubte Benutzeroberfläche
  • Kaum nützliche Zusatzfunktionen
FAZIT

Internet-Veteranen kennen Zone-Alarm als Firewall. Mittlerweile bietet der Hersteller zwar auch Produktvarianten an, die um einen Virenscanner erweitert wurden, aber die wahre Stärke des Programms ist weiterhin das Verhindern unerwünschter Netzwerkzugriffe.

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Gesamt
Sicherheit
Performance
Bedienung
Hilfe & Support

ZoneAlarm Test

Sicherheit8,0

Den Namen ZoneAlarm verbinden viele Internetnutzer nicht mit Antivirussoftware, sondern mit etwas ganz anderem: In den späten 1990er Jahren war das Programm eine der beliebtesten Personal Firewalls. Besonders die kostenlose Version war weit verbreitet. Mittlerweile hat Check Point Software Technologies Ltd., das Herstellerunternehmen, sein Geschäftsmodell auf Anti-Malware-Programme ausgeweitet.

Wie auch die Firewall ist die Virenschutz-Software in der Basisversion kostenlos. Ein Kombi-Paket, das die Pro-Versionen von ZoneAlarm Antivirus und ZoneAlarm Firewall enthält, ist bereits ab rund 23 Euro jährlich erhältlich. Laut Herstellerangaben bietet die Pro-Version im Vergleich zur Free-Variante

  • einen Cloud-Scanner, der die Virensignaturen direkt aus dem Internet bezieht und daher immer auf dem aktuellen Stand ist,
  • eine Anti-Phishing-Funktion für den Browser Google Chrome,
  • die Möglichkeit, schädliche Bestandteile aus Dokumenten zu entfernen,
  • und Unterstützung bei technischen Problemen durch den Kundendienst.

Ohne integrierte Firewall ist ZoneAlarm Antivirus nicht verfügbar. Mit ZoneAlarm Extreme Security hat der Softwarehersteller auch ein Premium-Produkt im Angebot, dessen Funktionsumfang eher dem einer Internet-Security-Suite als dem eines üblichen Antivirenprogramms entspricht. In diesem Testbericht beschäftigen wir uns jedoch mit der Antivirus- und Firewall-Kombination, da ihr Funktionsumfang am besten mit dem der anderen Antivirenprogramme in dieser Testkategorie vergleichbar ist.

Trotz des Namens, der auf zwei unterschiedliche Softwares schließen lässt, handelt es sich bei ZoneAlarm Pro Antivirus + Firewall um ein einziges Programm, das beide Hauptfunktionen unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche vereint.

Prüflabore wie AV-Test und AV-Comparatives, die in aufwändigen Verfahren die Erkennungsraten von Antivirensoftwares testen, haben ZoneAlarm nicht in ihre regelmäßigen Testreihen aufgenommen. Somit lassen sich leider keine verbindlichen Aussagen darüber treffen, wie gut die Virenerkennung der aktuellen Version funktioniert. In einem älteren Test aus dem Jahr 2016 bescheinigt AV-Test der Software jedoch eine ausgezeichnete Erkennungsrate von 99,9 bis 100 Prozent.

Identitätsschutz

Der Identitätsschutz ist eine Zusatzfunktion, die die Weitergabe von sensiblen Daten verhindert. Der Anwender speichert in ZoneAlarm die Daten, die er auf keinen Fall im Internet übertragen will, beispielsweise seine private Adresse oder eine Telefonnummer. Wenn er diese Zeichenketten nun in einem Webformular oder einer E-Mail angibt, blockiert ZoneAlarm den Vorgang spätestens beim Klick auf die „Senden“-Schalfläche. Soweit zumindest die Theorie. Im Test funktionierte der Identitätsschutz kein einziges Mal, weder mit dem Browser Google Chrome noch mit Mozilla Firefox oder Microsoft Edge. Es war auch egal, ob die Daten auf einer SSL-verschlüsselten Website oder auf einer unverschlüsselten eingegeben wurden, der Identitätsschutz wurde in beiden Fällen nicht aktiv.

Browser-Erweiterung

Die Browser-Erweiterung Web Secure ist bei ZoneAlarm für die Online-Sicherheit zuständig. Sie wird nicht automatisch gemeinsam mit dem Hauptprogramm installiert, der Nutzer gelangt jedoch per Link im Programm zur Seite der Erweiterung im Chrome Web Store, von wo aus er sie ohne Schwierigkeiten seinem Browser hinzufügen kann. Sie ist nur für Chrome verfügbar, Nutzer anderer Browser müssen ohne dieses Schutzmodul auskommen. Die Erweiterung hat zwei Funktionen: Zum einen blockiert sie Phishing-Websites, zum anderen entfernt sie potenziell bösartige Teile aus heruntergeladenen Dateien.

Die Anti-Phishing-Funktion haben wir mit der AMTSO-Testseite geprüft, also mit einer für Testzwecke fingierten Phishing-Seite. Während viele andere Anti-Phishing-Tools diese Seite blockieren, erkannte ZoneAlarm Web Secure sie nicht als Gefahr. Weder blockierte die Browsererweiterung die scheinbare Phishing-Seite noch zeigte sie eine Warnmeldung. Wie der Identitätsschutz scheint auch dieses Feature nicht wie gewünscht zu funktionieren.

Die zweite Funktion der Erweiterung hingegen wirkt wie zum Ausgleich umso aktiver. Sie vermeldete bei jeder beliebigen heruntergeladenen Word- oder PDF-Datei, dass sie bösartige Elemente aus ihr entfernt habe. Das ist nicht glaubwürdig, denn das Internet ist nicht so flächendeckend mit Malware durchsetzt.

Firewall

Die Firewall überzeugt um einiges mehr als der Virenscanner. Sie unterscheidet grundsätzlich zwischen einer sicheren (beispielsweise Heim- und Firmennetzwerk) und einer öffentlichen Zone (beispielsweise öffentliche WLANs und das Internet), für die jeweils andere Regeln gelten. Die Firewall ist so vorkonfiguriert, dass sie für die einzelnen Zonen bestimmte Arten von Netzwerkverkehr (Dienste) erlaubt oder verbietet. Diese gebräuchlichen Firewall-Regeln listet sie transparent und im Klartext auf, und der Anwender kann jede davon mit einem Klick aktivieren oder deaktivieren. Die Software liefert allerdings nur den Namen des jeweiligen Dienstes, ohne ihn weiter zu erklären. Der Anwender sollte also bei einer Änderung wissen, was Bezeichnungen und Kürzel wie NetBios, IPMG oder UDP bedeuten. Wer speziellere Anforderungen hat, kann auch anhand von Merkmalen wie IP-Adresse, Netzwerkprotokoll sowie Wochentag und Uhrzeit (ja, wirklich!) erweiterte Firewall-Regeln festlegen.

Ergänzt wird diese Firewall durch die Anwendungskontrolle. Dieser Programmbereich regelt die Ausführbarkeit und den Netzwerkzugang jedes einzelnen auf dem Computer installierten Programms. ZoneAlarm führt nicht nur übliche Anwendungsprogramme (Apps) an, sondern auch Systemprogramme. Das ist zwar technisch korrekt, macht die Liste aber auch unübersichtlich. Der Nutzer muss sich mit ihm wahrscheinlich unbekannten Programmen wie „Background Task Host“ und „COM Surrogate“ herumschlagen. Zum Glück ist jedoch für die meisten schon eine Regel vorkonfiguriert. Wenn nicht bewertete Software ausgeführt wird beziehungsweise auf das Internet zugreifen will, fragt ZoneAlarm nach und merkt sich die Entscheidung des Nutzers für die Zukunft.

Performance8,0

Der vollständige Scan der gesamten Festplatte dauerte im Test ausgesprochen lange – erst nach 40 Minuten waren alle Dateien durchsucht. Warum der Virenscanner so viel langsamer war als vergleichbare Programme, wurde bei einem Blick in den Taskmanager deutlich: Die CPU-Auslastung stieg kaum je über zwanzig Prozent. Die Entwickler des Programms haben sich offenbar dazu entschieden, nur einen geringen Teil der Prozessorleistung für den Systemscan zu verwenden, so dass der Anwender währenddessen bequem mit dem Computer arbeiten kann. Der Schnellscan war hingegen in rund anderthalb Minuten relativ rasch abgeschlossen.

Bedienung8,0

Die Benutzeroberfläche von ZoneAlarm schickt den Anwender auf eine Zeitreise: Ein kleines Programmfenster, winzige Icons, tendenziell immer etwas zu viel Text und Information auf dem Bildschirm – so hat Software vor mehr als zehn Jahren auch schon ausgesehen. Auf heutige Computeranwender, die sich an die Benutzeroberflächen von Smartphones und anderen Tochscreen-Geräten gewöhnt haben, wirkt das alles relativ altmodisch.

Die Bedienung ist teilweise kompliziert. Das trifft vor allem auf die Firewall zu. Ein durchschnittlicher Anwender, der nicht über Spezialwissen im Bereich der Netzwerkadministration verfügt, dürfte kaum in der Lage sein, sinnvolle Änderungen der Voreinstellungen vorzunehmen. Diese Beobachtung klingt jedoch negativer, als es sie gemeint ist: Da Windows mittlerweile selbst eine Firewall mitbringt, sind Alternativen vor allem für Anwender interessant, die sich eingehender mit der Thematik Netzwerksicherheit auseinandersetzen. Für diese Zielgruppe ist die Bedienung der Firewall von ZoneAlarm durchaus zumutbar.

Der Virenscanner ist deutlich weniger kompliziert als die Firewall und stellt auch Anwender mit nur durchschnittlichen Computerkenntnissen vor keinerlei Schwierigkeiten. Die Firewall fragt bei Internetzugriffen durch unbekannte Programme, ob sie zugelassen werden sollen oder nicht. Die Software merkt sich die Entscheidung und fragt bei erneuten Verbindungsversuchen desselben Programms nicht mehr nach. Auch der Virenscanner meldet sich beim Verdacht auf Malware und verlangt vom Anwender, eine Entscheidung zu treffen. Zum Glück lassen sich sämtliche Benachrichtigungen durch Aktivieren des Spielemodus unterdrücken. In diesem Fall hat der Anwender die Wahl, ob er alle Anfragen automatisch bestätigen oder automatisch ablehnen möchte.

Dass ZoneAlarm überhaupt über einen Spielemodus verfügt, ist ein kleiner Atavismus. Die meisten Antivirenprogramme haben sich mittlerweile wieder von dieser Funktion getrennt, da sie schon standardmäßig so arbeiten, dass sie alle Bedrohungen automatisch entfernen. Der Benutzer wird nur noch darüber benachrichtigt und kann die Aktion höchstens durch Wiederherstellen der beanstandeten Datei rückgängig machen, aber nicht verhindern. Das ist sicherer, da es die Gefahr von Fehlbedienungen verringert, und benutzerfreundlicher.

Hilfe & Support8,0

Das Hilfe-Menü von ZoneAlarm führt zum Hilfebereich auf der Website des Herstellers. Die Hauptnavigation im sogenannten „Support Center“ wurde zwar auf Deutsch übersetzt, der Rest aber nicht. Selbst wenn der Nutzer Deutsch wählt, liegen die Artikel nur auf Englisch vor. Thematisch geht es zum überwiegenden Teil um konkrete Probleme. Die Beschreibungen sind knapp und lösungsorientiert gehalten, auf überflüssige Ausschmückungen und leider auch auf Beiwerk wie Screenshots oder Videos verzichten die Autoren weitgehend. Positiv fällt auf, dass die Texte offenbar regelmäßig aktualisiert werden – bei durchblättern stießen wir auf mehrere, deren Änderungsdatum nur wenige Tage zurücklag.

Für Support-Anfragen steht rund um die Uhr ein Support-Chat zur Verfügung. Offiziell erhalten zwar nur zahlende Kunden technischen Support, im Test mussten wir uns jedoch nicht identifizieren – offenbar wird prinzipiell jedem Anwender geholfen. Nach einer kurzen Wartezeit war ein Mitarbeiter verfügbar, der sich geduldig das Problem schildern ließ und uns Schritt für Schritt zur Lösung führte.

Zusammenfassung8,0

Der Name ZoneAlarm hat für ältere PC-Anwender einen vertrauten Klang. Die Firewall hob in den frühen Tagen des Internets das Niveau der Netzwerksicherheit deutlich an – und das sogar völlig kostenlos. Sie war ein innovatives Produkt im besten Sinne. Von dieser Innovationskraft ist aber nicht viel übriggeblieben. Heute wirkt ZoneAlarm wie ein Programm, das um seine Relevanz kämpft. Die Windows-Firewall macht schon längst eine zusätzliche Software zur Überwachung und Steuerung der Netzwerkzugriffe für die meisten Anwender überflüssig, und auch die Erweiterung des Funktionsumfangs um ein Antivirusprogramm taugt immer weniger als Kaufanreiz, da der Windows-Virenscanner Defender in jüngster Zeit deutlich verbessert wurde. Seine Erkennungsgenauigkeit steht den besten Drittanbieterprogrammen um nichts mehr nach. Das renommierte Testinstitut AV-Test kürte ihn sogar mit dem Siegel „Top-Produkt“, während zu ZoneAlarm keine aktuellen Testergebnisse vorliegen.

Mit dem Problem schwindender Relevanz haben allerdings auch andere Hersteller von Antivirensoftware zu kämpfen. Sie steuern mit verschiedenen Strategien entgegen. Symantec verknüpft beispielsweise sein Norton Antivirus durch ein Virenschutzversprechen mit einer Art Anti-Malware-Versicherung, andere Anbieter wie Bitdefender liefern Kunden mit einer beeindruckenden Palette an Zusatzfunktionen gute Kaufargumente. Für ZoneAlarm sprechen hingegen hauptsächlich der rund um die Uhr erreichbare und sehr hilfreiche Support und natürlich das Kernprodukt des Unternehmens, die Firewall.

Technisch versierte Nutzer wissen an ZoneAlarm zu schätzen, dass ihnen die Firewall deutlich mehr Kontrolle über ihren Datenverkehr gibt als die eingebaute Windows-Lösung. Da sie als Kombipaket mit dem Virenscanner kaum mehr kostet als als Einzellösung (nur der Aktionspreis für das erste Jahr unterscheidet sich um zwei Euro pro Rechner), bietet es sich an, gleich zum umfangreicheren Produkt zu greifen.