WhatsApp-Alternativen im Überblick

WhatsApp-Alternativen im Überblick

Für die schnelle Kommunikation per Smartphone nutzen die meisten von uns Kurznachrichtendienste. Am weitesten verbreitet ist WhatsApp. Der Messenger ist kostenfrei und unkompliziert. Seine regelmäßigen AGB-Updates machen jedoch viele Nutzer stutzig.

Der König der Messenger

Der Messenger-Dienst WhatsApp ist das beliebteste Programm seiner Art – und das schon seit Jahren. Offizielle Nutzerstatistiken direkt vom Unternehmen gibt es zwar nicht, doch in den App-Stores verzeichnet es mittlerweile über fünf Milliarden Downloads. Laut einer Erhebung von Statista stieg die Zahl der Nutzer im Februar 2020 erstmals auf über zwei Milliarden. Bis zu 60 Milliarden Text- und Sprachnachrichten, Bilder und Videos werden hierüber weltweit täglich verschickt.

Doch trotz stetig wachsender Nutzerzahlen gibt es immer wieder Kritik an WhatsApp. Der Messenger gehört genau wie Instagram zu Facebook. Dieser Social-Media-Riese finanziert sich über Werbung; die genannten Apps sind kostenlos. Neue Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen machen die Nutzer in regelmäßigen Abständen skeptisch: Wie viel muss ich auf meinem Profil preisgeben? Wohin werden meine Daten weitergegeben? Wer kann theoretisch meine Nachrichten sehen?

Zuletzt war es Anfang 2021 wieder so weit: Eine neue Nutzungsbedingung verlangte die Zustimmung des Anwenders. Dieser zufolge sollten personalisierte Werbeanzeigen auf Facebook aufgrund von WhatsApp-Inhalten möglich sein – Daten sollten also geteilt werden. Dies ist aufgrund aktueller Datenschutzbestimmungen in der Europäischen Union und der Schweiz allerdings gar nicht erlaubt: Nutzerdaten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.

Ursprünglich sollte jeder Nutzer bis zum 8. Februar 2021 diesen Bedingungen zustimmen, andernfalls drohte die Löschung. Das Ultimatum wurde nun bis zum 15. Mai verschoben. Inwiefern es Konsequenzen für User oder WhatsApp selbst gibt, bleibt abzuwarten. Das Unternehmen ruderte in einer Twitter-Mitteilung zurück: Private Nachrichten seien weiterhin mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert. Das Update würde die Sicherheit der Nachrichten nicht beeinflussen.

WhatsApp-Alternativen

Dennoch stehen viele Nutzer dem Messenger mit Misstrauen gegenüber und sind von dessen Nähe zu werbebasierten Plattformen wie Instagram und Facebook beunruhigt. Längst mischen andere Kurznachrichtendienste den Markt auf, so zum Beispiel Telegram mit über 500 Millionen Downloads sowie Signal oder ICQ mit jeweils über 50 Millionen. Was versprechen diese und andere Apps? Was macht sie sicher und wie benutzerfreundlich sind sie?

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Dieser Begriff taucht häufig auf, wenn es um die Sicherheit von Kurznachrichten oder Anrufen geht. Er besagt, dass nur Versender und Empfänger einer Nachricht oder eines Sprach- beziehungsweise Videoanrufs technisch in der Lage sind, diese zu entschlüsseln. Selbst wenn Dritte darauf zugreifen würden, könnten Sie den Datensatz nicht lesen. Anrufe sind dadurch abhörsicher.

Telegram

Neben dem Senden von Nachrichten ist auch das Verschicken von Videos, Bildern und Dateien möglich. Chats können in Gruppen stattfinden, in denen Personen direkt erwähnt werden können und Hashtags unterstützt werden. Eine Alternative sind die Kanäle, in denen nur der Ersteller und von ihm berechtigte User Nachrichten schreiben dürfen. Telefonanrufe sind mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung möglich. Telegram kann auf dem Desktop und von mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden. Dateien zum Empfangen und Versenden können bis zu zwei Gigabyte groß sein und in einer programmexklusiven Cloud zwischengelagert werden, um den Speicherplatz nicht zu belasten. Die Anmeldung findet über eine Mobiltelefonnummer statt, die jedoch nicht mit derjenigen des benutzten Geräts übereinstimmen muss. Der Nutzer kann sich bei Bedarf auch einen Nickname anlegen.

Signal

Auch diese App bietet die mittlerweile standardmäßigen Funktionen Gruppenchat, Sprachaufzeichnung und Bilderversand. Sicherheit wird hier besonders großgeschrieben, denn selbst Whistleblower Edward Snowden empfiehlt den Messenger. Laut Signal können Nachrichten und Anrufe weder von Dritten noch vom Unternehmen selbst abgerufen werden. Informationen sind verschlüsselt und können nicht gesammelt werden. Vor allem beim Verschicken von Fotos gibt es interessante Möglichkeiten: So können Sie einstellen, dass der Empfänger die Bilder nur begrenzt ansehen kann, und verhindern, dass Screenshots davon gemacht werden, oder Gesichter auf Fotos verpixeln. Weitere Funktionen sind Kurzreaktionen in Form von Emojis auf Nachrichten, ein Notizblock für den Nutzer und die Möglichkeit, die App mit einem Pin-Code zu sperren.

Threema

Neben Anrufen, Sprachnachrichten und Standortversendung setzt auch dieser Dienst auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die gesamte Kommunikation. Die genutzte Verschlüsselungstechnologie NaCl verhindert das Abrufen durch Dritte. Ein Rückgriff von unverschlüsselten Verbindungen ist laut Anbieter nicht möglich. Eine Angabe der Mobilnummer ist nicht nötig; beim erstmaligen Anmelden wird eine persönliche ID generiert. Mit Threema können Sie in Gruppen Umfragen erstellen, einzelne Chats zusätzlich mit Pin oder Fingerabdruckscan sichern und neue Kontakte mit QR-Code verifizieren. Durch die Zusatzoption Threema Safe können Kontakte und Nachrichtenverläufe auf dem unternehmenseigenen oder einem anderen Server gespeichert werden.

ICQ

Dieses Programm war bereits Ende der 1990er eines der ersten massentauglichen Chat-Programme. Lange vor dem Triumphzug der Smartphones verzeichnete es Downloads im dreistelligen Millionenbereich. ICQ war auf dem PC zum Chatten, Datenaustausch und als Browsergame-Plattform beliebt. Mittlerweile ist es auch als App erhältlich; wer noch seine Nutzernummer und das Passwort weiß, kann sich problemlos anmelden. Neben den üblichen Funktionen lassen sich Gruppen mit Zugangsbeschränkungen, Umfragen und deutlich höherer Mitgliederzahl als bei WhatsApp erstellen. Zudem ist es möglich, Sprachnachrichten in Text umzuwandeln und Schnellantworten auszuwählen. Der Oldie hat dem Branchenprimus also einiges voraus. Einziges Manko: ICQ, das mittlerweile zum russischen Investmentunternehmen Mail.ru gehört, verweist in den Nutzungsbestimmungen darauf, dass Nachrichten nicht verschlüsselt sind – die Nutzung erfolgt also auf eigene Gefahr.

Wickr

Das App-Angebot umfasst nicht nur Chats mit einer Person oder in Gruppen, sondern auch Videokonferenzen mit bis zu 30 Teilnehmern – inklusive Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Daten mit einer Größe von bis zu einem Gigabyte können verschickt werden, zudem können Sie Ihren Bildschirm teilen. Es ist möglich, versendete Nachrichten nach einer Weile automatisch löschen zu lassen, inklusive Absender, Zeit und allen weiteren Daten. Dennoch hat der Empfänger die Option, Screenshots zu machen. Verbindungen werden mit einzigartigen Codes verschlüsselt, die Entwickler selbst raten jedoch, sensible Daten nur mit vertrauenswürdigen Personen zu teilen, was generell ein guter Rat ist. Wickr ist, wie alle hier vorgestellten Dienste, kostenlos, kann aber mit dem Silver-Tarif für rund vier Euro im Monat erweitert werden. Anschließend gibt es unter anderem mehr Speicherplatz und längere Dateienansicht.

Alternativen sind da – aber wer nutzt sie?

Als Fazit bleibt zu sagen, dass die gängigen Messenger-Dienste auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen bei Nachrichtenverläufen und Sprachanrufen setzen – auch WhatsApp. Wer diesem Programm, beispielsweise aufgrund der Nähe zu Facebook, den Rücken kehren will, hat eine Reihe von Alternativen. Auf das in den AGBs festgelegte Wort, dass die Daten nicht an Dritte weitergegeben werden, müssen Sie so oder so vertrauen. Geheime Chats, Screenshot-Sperre oder automatische Nachrichtenlöschung kann für den einen oder anderen eine attraktive Option zum Wechseln sein. Ausschlaggebend ist für die meisten jedoch wahrscheinlich, wie viele ihrer Kontakte mit ihnen vom Zug springen. Ein neuer Nachrichtendienst, über den aber nur ein Drittel der Freunde und Kollegen zu erreichen ist, könnte gerade für Personen mit vielen wichtigen Kontakten ein Hinderungsgrund sein.