Lernen auf den letzten Drücker? Tipps zur kurzfristigen Prüfungsvorbereitung

Lernen auf den letzten Drücker? Tipps zur kurzfristigen Prüfungsvorbereitung

Früher oder später kommt es auch bei motivierten und organisierten Studenten vor, dass nur ein oder zwei Tage für die Prüfungsvorbereitung übrig bleiben. Langfristige Lernstrategien sind in solchen Fällen vom Tisch. Nun müssen Sie sich in der verbleibenden Zeit so viel Stoff wie möglich einprägen, um die Prüfung zu bestehen. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie in dieser Situation vorgehen können.

Bulimie-Lernen ist niemals optimal

Idealerweise besuchen Sie jedes Seminar und jede Vorlesung, machen sich Notizen und beschäftigen sich auch vor der Prüfungszeit regelmäßig mit dem Lernstoff. Nur so können Sie Informationen im Langzeitgedächtnis speichern. Zudem sollten Sie sich lang genug vor dem Beginn der Prüfungszeit einen Lernplan erstellen. Dann sind Sie in dieser Phase nicht überfordert. Hinzu kommt, dass Sie Stress beziehungsweise Panik vermeiden und eine bessere Chance auf eine gute Note haben.

Dafür ist es allerdings zu spät. Manchmal liegen Ihre Prüfungen zeitlich zu nah beieinander. Eventuell haben Sie die Vorbereitung aber auch einfach verplant. In jedem Fall ist langfristiges Lernen keine Option mehr. Die Prüfungen finden in wenigen Tagen statt und Sie fangen jetzt erst mit Lernen an. Nun ist nur noch Bulimie-Lernen möglich. Also müssen Sie sich eventuell mit einer schlechteren Note abfinden. Erst einmal ist Bestehen angesagt. Die Frage ist, wie Sie so ein kurzfristiges Lernen einigermaßen erfolgreich gestalten.

Ablenkungen vorbeugen

Falls Sie genug Zeit hätten, wären Ablenkungen nicht so schlimm, da Sie dem Gehirn manchmal eine erholsame Pause bieten. Wenn die Prüfung am nächsten Tag stattfindet, ist das Chatten oder Scrollen jedoch zeitraubend und störend. Informieren Sie Personen, von denen Sie oft angeschrieben oder angerufen werden, wie Partner, Freunde oder Eltern, dass Sie die nächsten Tage nicht erreichbar sein werden und gegebenenfalls selbst anrufen. Legen Sie dann beim Lernen das Handy weg oder aktivieren Sie den Flugmodus. Schließlich wird auch beim Crashlernen irgendwann Feierabend sein. Dann können Sie in Ruhe telefonieren oder chatten.

Die Musikproblematik

Zu den Lieblingsaussagen von Studenten gehören „Ich lerne besser mit Musik“ oder „Ohne Musik kann ich nicht lernen“. Bei den meisten stimmt das allerdings nicht. Diesen Studenten ist Lernen ohne Musik einfach zu langweilig. Das müssen sie nun überwinden. Wer es nicht lassen kann oder sich erfahrungsgemäß sicher ist, dass das Lernen mit Musik funktioniert, der sollte sich für ruhige instrumentale Begleitmusik entscheiden, wie Klassik, Ambient Sounds oder Low-Fi-Beats. Musik mit Texten ist ein absolutes No-Go. Einen Text zu lesen und parallel einem anderen zuzuhören, führt lediglich dazu, dass Sie sich von keinem der beiden etwas merken.

Allgemeine Gewohnheiten während der Crunch-Time

Eine Anpassung Ihrer Gewohnheiten um das Lernen herum ist in der kurzen Zeit essenziell. So verlieren Sie nicht den Verstand und lernen möglichst effektiv. Angenehm wird die Zeit allerdings nicht. Für eine stressfreie Prüfungszeit ist es schlicht zu spät.

Jede Chance nutzen

In einigen Philosophien, wie zum Beispiel dem Buddhismus, wird vom Multi-Tasking abgeraten. Es ist stressfreier und kommt dem Geist zugute, sich immer völlig auf die bevorstehende Aufgabe zu konzentrieren, sei es Lernen, Essen, Spazieren oder Hausarbeit. Die Lern-Crunch-Time ist allerdings eine Ausnahme. Nutzen Sie das Zähneputzen, Pendeln und jegliche Wartezeiten, um zu lernen, auch wenn es nicht der effektivste Lernkontext ist. Unter suboptimalen Umständen zu lernen, ist immer noch besser, als es gar nicht zu tun.

Das Gehirn lüften

Auch bei Zeitdruck müssen regelmäßig kurze Pausen eingebaut werden. Das kommt dem Einprägen des Lernstoffs zugute und gibt dem Gehirn ein wenig Zeit zum Ausruhen. Am besten ist ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein kurzes Gespräch mit einem Kommilitonen beim Kaffeetrinken. Verquatschen oder verlaufen Sie sich aber nicht – schließlich müssen Sie gleich weiterlernen. Wenn Sie zu Hause lernen, können Sie kurz Ihr Zimmer lüften. Frische Luft schadet auch während des Lernens nicht.

Viele kleine Mahlzeiten

Wenn Sie auf den letzten Drücker lernen, können Sie keine zwei bis drei Stunden Mittagspause einplanen. Nach einer großen Mahlzeit können Sie jedoch nicht direkt weiterlernen. Schließlich ist der Körper dann mit der Verdauung beschäftigt und lässt das ganze Blut in die Verdauungsorgane fließen. Für den Kopf bleibt nicht so viel übrig. Deswegen fällt die Konzentration nach der Mittagspause immer sehr schwer. Ein Espresso kann Ihnen zwar zur Hilfe kommen, am besten ist es allerdings, wenn es gar nicht erst dazu kommt. Essen Sie stattdessen mehrere kleine Mahlzeiten und vermeiden Sie somit den Verdauungscrash. Ausnahmsweise ist hier auch etwas mehr Koffein und Zucker als sonst zu empfehlen. Gehirnfutter hat in dieser Zeit Priorität.

Hilfreiche Stresslerntipps

Das Langzeitgedächtnis macht jetzt Pause. Stattdessen muss das Kurzzeitgedächtnis ordentlich angekurbelt werden. Dadurch kann ein Konflikt mit herkömmlichen, bewährten Lernmethoden entstehen. Für ausführliche Notizen und tägliche Wiederholung über einen längeren Zeitraum ist es zu spät.

Hilfe holen

Überwinden Sie, falls nötig, Ihre Schüchternheit. Fragen Sie Kommilitonen, ob sie Lernmaterial haben und bereit wären, es herauszurücken. Schlimmstenfalls sagen sie nein. Außerdem sind oft alte Prüfungen vorhanden. Damit können Sie sich einen Eindruck verschaffen, wie hoch Themen gewichtet sind, und die Prüfungen sogar als Lernmaterial nutzen.

Mut zur Lücke

Auf dem letzten Drücker können Sie nicht mehr alles lernen. Zu viel Zeit mit Inhalten zu verbringen, die zu kompliziert sind, ist an dieser Stelle nicht zielführend. Ihre Vorbereitung kann ruhig Lücken aufweisen. Haben Sie also keine Angst, Inhalte herauszufiltern. Setzen Sie Ihre Aufmerksamkeit stattdessen auf den Stoff, der Ihnen als wichtig erscheint und mit dem Sie am besten zurechtkommen. Stoff, der im Unterricht oft besprochen wurde oder als Basiswissen für weiteren Lernstoff gilt, wird höchstwahrscheinlich auch in der Prüfung abgefragt.

Lesen statt schreiben

Oft wird behauptet, dass Schreiben das Einprägen fördert. Immer wieder wird Studenten der Einsatz von Karteikarten empfohlen – und zwar aus gutem Grund: Sie sind eine sinnvolle und wirksame Lernhilfe. Wer aber nur einen oder zwei Tage Zeit hat, kann nicht einen halben Tag mit Zusammenfassen und Aufschreiben verbringen. Sie haben eine bessere Chance, sich möglichst viel Stoff einzuprägen, wenn Sie ihn so häufig wie möglich lesen. Falls Ihr Lernstoff in Form von Fließtext kommt, unterstreichen Sie stattdessen die wichtigsten Stellen und fassen Sie eventuell wichtige Absätze stichwortmäßig am Seitenrand zusammen.

PowerPoint ist Ihr Freund

Wenn Ihr Dozent ordentliche Folien erstellt hat, in denen die wichtigsten Infos von jeder Veranstaltung stehen, und Ihnen diese zur Verfügung stellt, ist dies fürs kurzfristige Lernen ideal. Eine 1,0 erreichen Sie, ohne die Texte zu lesen, zwar selten. Das ist aber in diesem Fall nicht das Ziel: Hauptsache, Sie bestehen. So lernen Sie effektiv aus PowerPoint-Folien:

Laden Sie die PowerPoint-Präsentation von jeder Unterrichtseinheit herunter und nummerieren Sie diese, wenn sie nicht bereits nummeriert sind, sodass sie in der richtigen Reihenfolge sortiert sind. Nun können Sie selektiv das Unwichtige aus der Präsentation löschen. Die erste und letzte Wochenpräsentation können Sie eventuell sogar ganz rauslassen, da dort meistens eher Organisatorisches zum Semesterverlauf und zur Prüfung steht. Gehen Sie die restlichen Folien nun durch. Löschen Sie alles, was nicht prüfungsrelevant ist, wie auflockernde Bilder, unwichtige Zitate oder die Hausaufgaben für die nächste Woche. Falls nötig, können Sie fehlende Informationen ergänzen. So haben Sie eine schnell erstellte Zusammenfassung in Form von Folien, in denen nur das Wesentliche steht, und können diese wiederholt lesen und sich selbst abfragen.