Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Sie führt zweimal jährlich zu Verwirrung: die Umstellung auf Sommer- beziehungsweise Winterzeit. Entweder sind Menschen unsicher, ob die Zeit um eine Stunde vor- oder zurückgestellt wird, oder sie vergessen die Umstellung komplett. Wird die Praxis bald gänzlich abgeschafft?

Situation in Deutschland

Die Zeitumstellung hat in Deutschland nicht besonders viele Fürsprecher: Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Jahr 2016 lehnten 60 Prozent der Deutschen die Praxis der Uhrzeitumstellung ab. Eine weitere repräsentative Umfrage, diesmal im Auftrag der Krankenkasse DAK, ergab, dass sich 73 Prozent der Deutschen 2018 gegen die Uhrzeitumstellung aussprachen. Viele klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Einschlafprobleme, daraus resultierende Müdigkeit oder Gereiztheit. Hinzu kommt das lästige manuelle Verstellen alter Uhren. Vielleicht verpassen Sie sogar einen Termin, falls Sie den Stichtag wieder einmal vergessen haben.

Stimmung innerhalb der EU

Die EU-Kommission startete im Jahr 2018 eine Umfrage, an der sich 500 Millionen EU-Bürger beteiligten. Es gingen 4,6 Millionen Antworten ein, was verglichen zu anderen EU-weiten Befragungen einen Rekord darstellt. Besonders hoch war das Interesse an diesem Thema in Deutschland und Österreich. Hier nahmen 3,79 Prozent beziehungsweise 2,94 Prozent der Bevölkerung an der Abstimmung teil; die geringste Beteiligung wies Großbritannien mit 0,02 Prozent auf.

Im Falle einer Abschaffung sprachen sich die meisten Befragten nicht etwa für die Rückkehr zur Normalzeit, also der Winterzeit, aus, sondern befürworteten eine dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit. Als vorteilig sehen viele der Befragten längere Sommerabende an. Es gibt aber auch Gegenstimmen: So geben Lehrerverbände zu bedenken, dass die dauerhafte Einführung der Sommerzeit zu unsichereren Schulwegen für Kinder am Morgen führen würden: Durch die Zeitverschiebung würden die Schulwege vermehrt in Phasen der morgendlichen Dunkelheit oder Dämmerung fallen. Damit sei eine erhöhte Gefahr für die Kinder im Straßenverkehr verbunden.

Abstimmung im EU-Parlament

Im März des Jahres 2019 stimmten 410 EU-Parlamentsabgeordnete für die Abschaffung der Zeitumstellungen und 192 dagegen. Der anschließende Entwurf sah vor, dass die letztmalige Umstellung im Jahr 2021 stattfindet. Anschließend sollten die Mitgliedsstaaten selbst entscheiden können, ob sie dauerhaft die Normalzeit (die Winterzeit) oder die Sommerzeit einführen.

Während also in Deutschland und einigen anderen Ländern Ende März das letzte Mal an der Uhr gedreht worden wäre, hätten andere Länder Ende Oktober letztmalig die Zeit umgestellt – auf die Winterzeit.

Kritiker fürchten einen EU-weiten Flickenteppich und lehnen die freie Wahl der Zeitzone daher ab. Die geographisch bedingten, bereits bestehenden drei Zeitzonen innerhalb Europas könnten sich in eine unübersichtliche Zerklüftung an Ländergrenzen verwandeln. Zudem tun sich die meisten EU-Staaten mit einer Abschaffung schwer, auch, weil sie mit Ausnahme von Deutschland und Österreich kein Thema ist, das die Massen beschäftigt.

Wird die Zeitumstellung in der EU abgeschafft?

Nein: Ändern wird sich so schnell nichts. Die halbjährliche Umstellung wird auf unbestimmte Zeit beibehalten. Stattdessen liefern sich die verschiedenen politischen Verantwortlichen einen bizarren Streit in Brüssel: Der Rat der Europäischen Union und die EU-Kommission schieben sich gegenseitig die Schuld für die Verzögerung zu, und so passiert seit vielen Monaten nichts. Wann eine Entscheidung getroffen und tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Wann wird die Uhr jedes Jahr umgestellt?

Die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit erfolgt immer am letzten Sonntag des März, und zwar morgens um 02:00 auf 03:00 Uhr. Dagegen erfolgt die Umstellung von Sommer auf Winterzeit immer am letzten Sonntag im Oktober: Sonntagmorgen um 03:00 Uhr wird die Zeit eine Stunde auf 02:00 Uhr zurückgedreht.

Eselsbrücke: Richtung der Zeitumstellung leichter merken

Kennen Sie das Gefühl, unsicher zu sein, ob die Uhr nun vor- oder zurückgestellt wird? Der folgende Merkspruch kann den Zusammenhang einprägsam machen.

Im Frühling werden die Gartenmöbel vor das Haus gestellt, damit Sie Zeit in der Sonne verbringen können. Die Uhr wird also im März eine Stunde vorgestellt.

Im Herbst holen Sie die Gartenmöbel zurück ins Haus, weil sich das warme Wetter allmählich verabschiedet. Die Uhr wird also im Oktober eine Stunde zurückgestellt.

Wann werden die Uhren im Jahr 2021 umgestellt?

Die Umstellung auf die Sommerzeit erfolgt am Sonntag, den 28.03.2021. Die Uhr wird von 02:00 auf 03:00 Uhr eine Stunde nach vorn gestellt. Die Umstellung auf Winterzeit erfolgt dann am Sonntag, den 31.10.2021. Die Uhr wird von 03:00 auf 02:00 Uhr eine Stunde zurückgedreht.

 

Geschichte der Zeitumstellung

Die Feststellung, dass ausgedehntes Nachtleben Energie in Form von künstlichem Licht vergeudet, formulierte Benjamin Franklin bereit 1784 im Journal de Paris. Als Lösung empfahl er frühes Aufstehen und Zubettgehen. Oftmals diskutiert führten das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn die Maßnahme erstmals während des Ersten Weltkriegs ein, um das Tageslicht an langen Sommerabenden länger militärtaktisch nutzen zu können. In ihrer jetzigen Form besteht die Sommerzeit, die sich von der Winterzeit – auch Normalzeit genannt – um eine Stunde unterscheidet, seit dem Jahr 1980 in Deutschland und allen mitteleuropäischen Staaten. Seit 1996 gilt die einheitliche Sommerzeit sogar in allen EU-Mitgliedsstaaten.