Einführung in die Makrofotografie

Einführung in die Makrofotografie

Haben Sie schon einmal einer Spinne tief in ihre vielen Augen geschaut oder sich die raue Zunge einer Katze genau genug angesehen, um zu bemerken, dass sie von unzähligen kleinen Häkchen bedeckt ist? Die Welt, die uns umgibt, ist voller überraschender Details – Makrofotografie ist ein Weg, sie sichtbar zu machen.

Kleine Welt ganz groß

Das Reizvolle an Fotografie ist, dass sie uns Dinge zeigt, die wir mit bloßem Auge nicht sehen können. Reisefotografen nehmen uns mit an die entlegensten Orte der Welt, historische Fotos erzählen von längst vergangenen Zeiten, Fotoreportagen erschließen uns fremde Lebenswelten, die Astrofotografie entführt uns in die Tiefen des Alls. Und die Makrofotografie bringt und die Welt des Kleinen näher, die wir gern übersehen, obwohl sie uns ständig umgibt.

Vor allem kleine Tierchen wie Insekten, Spinnen und Schnecken gehören neben Blüten und anderen Pflanzenteilen zu den beliebtesten Motiven von Makrofotografen. Aber auch Stillleben aus winzigen Gegenständen und Details von Produkten findet man bei dieser Art der Fotografie häufig vor der Linse.

Makrofotografie und Objektiv

Üblicherweise wird Makrofotografie als Fotografie mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 bis 10:1 definiert. Das heißt, das Motiv wird in Originalgröße auf dem Sensor abgebildet – oder bis zu zehnmal so groß. Auf dem Bildschirm oder auf einem Papierabzug erscheint es nochmals um ein Vielfaches größer.

Um einen so großen Abbildungsmaßstab zu erreichen, muss der Fotograf bis auf wenige Zentimeter oder sogar Millimeter an das Motiv herangehen. Herkömmliche Objektive lassen sich in diesem extremen Nahbereich nicht mehr scharfstellen, ihre Naheinstellgrenze verhindert das. Mit ihnen sind maximal Bilder im Grenzbereich zwischen Nahaufnahme und Makrofotografie möglich. Daher gibt es spezielle Makroobjektive. Mit dem richtigen Zubehör lassen sich allerdings auch fast alle anderen Objektive für die Makrofotografie adaptieren.

Makroobjektive

Wer regelmäßig Makrofotografie betreibt und das nötige Kleingeld hat, sollte zu einem dezidierten Makroobjektiv greifen. Solche Objektive sind ab etwa 200 Euro erhältlich. Damit erreicht man eine bessere Bildqualität als mit allen anderen Möglichkeiten. Gute Makroobjektive sind normalerweise Festbrennweiten, die Leistung von Zoomobjektiven im Makrobereich ist eher bescheiden. Es gibt Makroobjektive in allen möglichen Brennweiten.

Eine ungewöhnliche Wahl, die für interessante Bildeindrücke sorgt, ist ein Weitwinkel-Makro. Üblicherweise ist man aber mit einem Objektiv in Normalbrennweite besser bedient. Wer gern scheue Tierchen ablichtet, sollte zu einem Tele-Makro greifen. Damit hat man die Möglichkeit, die Kamera jenseits der Fluchtdistanz seiner tierischen Models aufzubauen.

Wer Geld sparen will, kann problemlos zu einem Makroobjektiv ohne Autofokus greifen. In der Makrofotografie wird ohnehin meist manuell fokussiert.

Man kann die Anschaffung eines Makroobjektivs auch damit rechtfertigen, dass sich die meisten Makroobjektive hervorragend für Fotos aus normalen Distanzen eignen – sie sind nur teurer und meistens etwas schwerer und größer als vergleichbare Objektive, die nicht auf Makroaufnahmen spezialisiert sind.

Vorteile
  • Hohe Bildqualität
  • Nicht nur für Makros geeignet
  • Einfach zu benutzen
Nachteile
  • Vergleichsweise teuer

Makro-Zwischenringe

Eine einfache und preisgünstige Möglichkeit für den Einstieg in die Makrofotografie sind Abstandsringe, die zwischen Kamera und Objektiv geschraubt werden. Sie sorgen dafür, dass sich der Fokuspunkt weiter nach vorne verlagert und die Kamera näher an das Motiv heranrücken kann, ohne dass es unscharf abgebildet wird. Dabei geht allerdings die Fähigkeit zur Fokussierung auf weiter entfernte Objekte verloren. Ein großer Verlust ist das allerdings nicht, da das Motiv in der Makrofotografie sowieso nah an der Linse ist.

Makro-Zwischenringe enthalten keinerlei optische Bauteile, sie erhöhen einfach nur den Abstand zwischen dem Objektiv und dem Sensor. Dadurch beeinträchtigen sie die Abbildungsleistung des Objektivs nicht. Es ist sogar möglich, mehrere von ihnen zu kombinieren, um noch näher an das Motiv heranzukommen. Allerdings geht durch die Ringe Lichtstärke verloren, was vor allem bei der Fotografie von beweglichen Motiven zum Problem werden kann.

Sehr günstigen Ausführungen fehlt oft die Elektronik, die nötig ist, um die Signale der Kamera an das Objektiv weiterzuleiten. Solche Zwischenringe können nur mit manuellen Objektiven genutzt werden, denn neuere Autofokus-Objektive haben in der Regel keine Mechanik, um die Blende von Hand einzustellen. Sie können nur elektronisch gesteuert werden. Achten Sie daher beim Kauf darauf, Automatik-Zwischenringe zu erwerben. Solche Zwischenringe haben sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite passende elektrische Kontakte und schleifen das Steuersignal der Kamera durch.

Vorteile
  • Keine Beeinflussung der Abbildungsleistung
  • Flexibel kombinierbar
  • Preiswert
Nachteile
  • Beeinträchtigung der Lichtstärke
  • Fokus auf Entferntes nicht möglich

Retroadapter

Noch preiswerter als Zwischenringe sind Retroadapter. Auch sie werden zwischen Kamera und Objektiv geschraubt. Der Clou dabei: Sie ermöglichen es, das Objektiv umgekehrt herum zu verwenden. Dabei ändern sich auch die optischen Eigenschaften des Objektivs. Ein Weitwinkelobjektiv vergrößert somit das Motiv und ein Teleobjektiv verkleinert es. Den Effekt kennt jeder, der schon einmal umgekehrt herum durch ein Fernglas geblickt hat. Beliebt ist außerdem die Kombination aus Umkehrringen, wie Retroadapter mitunter genannt werden, und Zwischenringen. Damit lassen sich auf günstige Weise sehr hohe Abbildungsmaßstäbe bei guter Bildqualität erreichen.

Ein Nachteil von Retroadaptern ist, dass Objektive umgekehrt herum verwendet viel weniger lichtstark sind. Je stärker die Vergrößerung, also je kürzer die Brennweite, desto größer die benötigte Lichtmenge.

Ebenfalls von Nachteil ist, dass Umkehrringe normalerweise ohne Elektronik gebaut werden. So richtig glücklich wird man damit also nur, wenn man ein manuelles Objektiv verwendet. Das ist aber machbar: Alte Objektive aus der Zeit der analogen Fotografie, oft liebevoll „Altglas“ genannt, sind schon günstig erhältlich. Auch einige Hersteller wie Neewer oder Meike verkaufen erschwingliche manuelle Objektive für moderne Kameras. Prinzipiell sind sogar Retroadapter mit Elektronik erhältlich. Diese bewegen sich aber meist in einer ähnlichen Preisklasse wie richtige Makroobjektive. Ob sich die Anschaffung lohnt, ist daher fraglich.

Vorteile
  • Sehr starke Vergrößerung möglich
  • Äußerst preiswert
Nachteile
  • Beeinträchtigung der Lichtstärke
  • Nur mit manuellen Objektiven nutzbar

Nahlinsen

Die Verwendung von Nahlinsen für die Makrofotografie erscheint verlockend einfach. Sie werden wie ein Filter vorne auf das Objektiv aufgeschraubt, sozusagen als Brille, die die Brennweite verkürzt, und wie bei Brillen wird ihre Stärke in Dioptrien angegeben. Übliche Stärken sind +4 und +10 Dioptrien.

Mit Nahlinsen ändert sich nichts an der Bedienung der Kamera. Der Autofokus und die elektronische Blendensteuerung funktionieren weiterhin. Sie haben aber einen entscheidenden Nachteil: Im Gegensatz zu Zwischen- und Umkehrringen bringen sie eine zusätzliche Linse mit ins Spiel, die die Abbildungsleistung des Objektivs verändert. Diese Linse wird schnell zum schwächsten Glied des optischen Systems, das Abbildungsfehler erzeugt oder verstärkt. Daher ist man gut beraten, hochwertige Nahlinsen zu verwenden, die allerdings nicht günstig sind. Wie bei elektronischen Retroadaptern stellt sich die Frage: Warum nicht gleich ein richtiges Makroobjektiv?

Ein häufiger Abbildungsfehler von Nahlinsen sind chromatische Aberrationen, also Farbsäume am Rand von Objekten, die dadurch entstehen, dass die Linse Licht unterschiedlicher Wellenlänge unterschiedlich stark beugt. Nahlinsen, die das vermeiden, werden Achromaten genannt und können schnell mehr als 100 Euro kosten.

Vorteile
  • Mit Autofokus nutzbar
  • Einfach wie ein Filter aufschraubbar
Nachteile
  • Verschlechterung der Abbildungsleistung
  • In guter Qualität teuer

Wie wichtig ist die Kamera für die Makrofotografie?

Prinzipiell eignet sich sogar die Kamera eines Smartphones für die Makrofotografie. Ab Werk reicht zwar die Naheinstellgrenze meistens nicht aus, aber der Handel bietet mit speziellen aufsteckbaren Nahlinsen Abhilfe an. Zwar ist die Handhabung dieser Gadgets meist fummelig und ihre optische Qualität bescheiden. Für viele ist das jedoch irrelevant. Um ein bisschen Spaß mit Makrofotografie zu haben, reicht das, und wer ernsthaft fotografiert, hat sowieso eine richtige Kamera. Infrage kommen:

  • Bridgekameras
  • Spiegellose Systemkameras
  • Spiegelreflexkameras

Schlecht geeignet für Makrofotografie sind Kompaktkameras. Ihr Objektiv lässt sich nicht wechseln und sie sind auch nicht mit einem Filtergewinde ausgestattet, in das man eine Vorsatzlinse einschrauben könnte.

Mit einer Bridgekamera ist man schon etwas besser ausgestattet. Bei einer solchen Kamera lässt sich das Objektiv zwar nicht wechseln, aber sie hat ein leistungsstarkes Zoomobjektiv, das normalerweise auch für Makroaufnahmen ausgelegt ist. Dieses Objektiv hat ebenfalls ein Filtergewinde. Wer noch mehr Vergrößerung will, kann also eine Makrolinse verwenden.

Auf Dauer wird man als Makrofotograf jedoch um eine Kamera mit Wechselobjektiv nicht herumkommen. Ob Spiegelreflexkamera oder spiegellose Systemkamera ist weitgehend eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bei einer Spiegelreflexkamera sollte man aber darauf achten, dass sie die Spiegelvorauslösung beherrscht, um Verwacklungen bei langen Belichtungszeiten zu vermeiden.

Auch bei der Sensorgröße gibt es kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Je nach Vorliebe und Budget kann der Fotograf zu Micro-Four-Thirds, APS-C oder Vollformat greifen.

Zu bedenken ist allerdings, dass Tiefenschärfe in der Makrofotografie oft der begrenzende Faktor ist. Kleinere Sensorgrößen sind somit im Vorteil, da sie etwas mehr davon erzeugen. Sie machen auch größere Abbildungsmaßstäbe möglich. Mit größeren Sensoren und den dazugehörigen Objektiven sind hingegen Bildrauschen bei höheren ISO-Werten und Beugungsunschärfe bei starkem Abblenden weniger wahrscheinlich. Der Fotograf hat also mehr Spielraum, die Tiefenschärfe durch das Schließen der Blende zu erhöhen.

Egal, für welche Kamera Sie sich entscheiden, es gibt ein Feature, auf das Sie in der Makrofotografie nicht verzichten wollen: ein hochklappbares Display. Makrofotografen finden ihre Motive nämlich oft in Bodennähe. Wenn sie von oben auf das Display blicken können, ermöglicht das eine deutlich entspanntere Körperhaltung.

Ebenfalls wichtig ist, dass die Kamera Focus-Bracketing beherrscht. Damit lassen sich, zumindest bei unbewegten Motiven, auch im extremen Nahbereich durchgehend scharfe Aufnahmen realisieren.

Das Stativ in der Makrofotografie

Makrofotos verwackeln sehr leicht. Das hat zwei Gründe: Zum einen werden durch die starke Vergrößerung des Motivs selbst geringste Kamerabewegungen deutlich sichtbar, zum anderen arbeiten Makrofotografen zur Erhöhung der Tiefenschärfe gern mit kleinen Blenden und entsprechend langen Belichtungszeiten. Glücklicherweise gibt es aber ein erprobtes und perfekt funktionierendes Mittel gegen verwackelte Bilder: das Stativ.

Da Makrofotografen oft nahe am Boden arbeiten, ist ein Stativ mit umkehrbarer Mittelsäule sinnvoll. Gut geeignet sind kleine und leichte Reisestative. In vielen Situationen reicht ein Ministativ aus, das kompakt genug ist, um es immer dabeizuhaben.

Auch Bohnensäcke erweisen gute Dienste. Diese praktischen kleinen Hilfsmittel ermöglichen es, die Kamera auf unebenen Untergründen abzustellen und sie in unterschiedlichen Winkeln zu positionieren. Mutige platzieren ihre Kamera damit sogar in Astgabeln oder auf Treppengeländern.

Beleuchtung für Makroaufnahmen

Wer sich der Makrofotografie im heimischen Studio widmet, kommt um Kunstlicht nicht herum. Auch bei Aufnahmen in der freien Natur kann zusätzliche Beleuchtung nützlich sein. Durch die geringe Distanz zum Motiv tritt dabei allerdings häufig ein Problem auf, das Fotografen aus anderen Disziplinen nicht kennen: Das Objektiv ist im Weg und schattet das Motiv ab. Der eingebaute Kamerablitz, der nur wenig Abstand zum Objektiv hat, ist daher normalerweise unbrauchbar. Auch Aufsteckblitze machen wenig Freude.

Eine seitliche Beleuchtung muss her. Da die Lichtquelle sehr nah am Motiv platziert werden kann, muss sie nicht stark sein. Für den Anfang reicht eine Schreibtischlampe, eine Taschenlampe oder sogar die eingebaute Lampe des Smartphones. Eventuelle Farbstiche, die dadurch entstehen, lassen sich mit dem Weißabgleich der Kamera oder nachträglich im RAW-Editor korrigieren.

Wer es etwas professioneller angehen möchte, greift zu entfesselten Blitzen, also Blitzen, die nicht auf der Kamera montiert sind, oder zu Dauerlichtern. Kleine LED-Panels haben sich als praktisch erwiesen. Ringblitze sorgen für eine gleichmäßige, manchmal als langweilig empfundene Ausleuchtung von vorne. Wenn weiches, nahezu schattenfreies Licht gewünscht ist, kann man das Motiv in einem Lichtzelt platzieren. Bei Tageslicht leistet ein einfacher Faltreflektor gute Dienste: Er ermöglicht es, das Licht zu steuern, erzeugt aber trotzdem eine wunderschöne, natürliche Lichtwirkung.

Ausrüstung, die die Makrofotografie erleichtert

Sogar mit einem normalen Objektiv ohne speziellen Adapter kann man Nahaufnahmen machen, die zumindest in Richtung Makrofotografie gehen. Wer eine Kamera mit passendem Objektiv hat, kann prinzipiell mit der Makrofotografie loslegen. Ein Stativ und Beleuchtung erweitern die Möglichkeiten; damit ist die Ausrüstung fast komplett. Aber schon Daniel Düsentrieb wusste: Ohne Helferlein macht die Arbeit nur halb so viel Freude. Mit ein paar Hilfsmitteln können Sie sich den fotografischen „Nahkampf“ deutlich erleichtern.

Makroschlitten
Makroschlitten

Der Makroschlitten ist eine Schiene, die zwischen Stativkopf und Kamera montiert wird. Er dient dazu, die gesamte Kamera vor und zurück zu bewegen, ohne das Stativ dabei zu versetzen. Das ist äußerst hilfreich beim Scharfstellen, vor allem für das Focus-Stacking. Das Einstellrad des Objektivs arbeitet nämlich zu grob für den geringen Schärfebereich von Makroaufnahmen. Damit wird das Scharfstellen zum Glücksspiel. Auch der Autofokus ist beim Focus-Stacking eher unpraktisch.

Fernauslöser
Fernauslöser

Um die Kamera auf dem Stativ nicht durch die Betätigung des Auslöseknopfs zu verwackeln, ist ein Fernauslöser sinnvoll. Früher verstand man darunter einen mechanischen Kabelfernauslöser, heute setzt man meist auf Infrarot oder Funk. Unbedingt nötig ist ein Fernauslöser allerdings nicht. Sie können auch mit dem Selbstauslöser der Kamera arbeiten, das ist aber umständlich. Praktischer ist die Fernsteuerung per Smartphone, die viele moderne Kameras erlauben.

Sprühflasche
Sprühflasche

Feiner Morgentau sieht in der Vergrößerung richtig gut aus und verleiht so manchem Foto das entscheidende Etwas. Aber nicht jeder Fotograf steht gern früh auf, und falls doch, ist es Glückssache, ob das Wetter mitspielt. Kein Wunder also, dass viele Makrofotografen gern nachhelfen und immer eine Sprühflasche mit Wasser dabeihaben. Wichtig ist, dass sie einen möglichst feinen Nebel erzeugt. Größere Wassertropfen lassen sich durch mehrmaliges Sprühen realisieren.

Isomatte
Isomatte

Auch in der Makrofotografie gilt die fotografische Faustregel, dass man seinen Protagonisten auf Augenhöhe begegnen sollte. Die befindet sich aber oft wenige Zentimeter über dem Boden. In der Folge verbringen Makrofotografen sehr viel Zeit hockend, sitzend oder liegend. Das ist nicht unbedingt bequem. Eine Isomatte macht das Arbeiten deutlich angenehmer. Sie schützt vor Kälte und Feuchtigkeit, darüber hinaus sorgt sie für ein Mindestmaß an Polsterung.

Outdoorkleidung und Sonnenschutz
Outdoorkleidung

Makrofotografen liegen mitunter stundenlang vor einer hübschen Blüte auf der Lauer, um das perfekte Foto eines seltenen Falters zu schießen. Da ist dem Wetter angepasste Outdoor-Kleidung unabdingbar. Denken Sie auch an Sonnenschutz. Sonnencreme ist ein Muss, ein Strohhut oder eine Schirmmütze verringert die Gefahr eines Sonntestichs und eine Sonnenbrille mit UV-Filter schützt Ihr wichtigstes Werkzeug als Fotograf: Ihre Augen.

Makrofotografie in der Praxis

Nun aber genug vom Equipment, ran an die Pfauenaugen, Hauhechelbläulinge und Ypsiloneulen! Bekanntlich macht Übung den Meister. Und gerade die Fotografie ist ein Hobby, bei dem die Gefahr besteht, sich zu sehr mit der Technik und zu wenig mit dem Tun zu beschäftigen.

Der Fotograf und seine Technik: Wer beherrscht hier wen?

Ob Smartphone oder Profiausstattung: Sie haben alles, was Sie für Ihre ersten Schritte in der Makrofotografie brauchen. Fotografieren Sie! Über Ihre Ausrüstung werden Sie sich sowieso noch genug Gedanken machen. Wichtiger als das Equipment selbst ist es zu lernen, damit umzugehen. Dabei sind Beschränkungen gerade anfangs hilfreich. Ein nicht allzu großer Abbildungsmaßstab zum Beispiel erleichtert vieles. Und ohne Stativ und Blitz kann man sich ganz auf die Kamera und das Motiv konzentrieren.

Besorgen Sie sich die billigste Vorsatzlinse, die Sie bekommen können, üben Sie damit zuerst an unbelebten Objekten in der eigenen Wohnung und dann auf einer Wiese. Sie werden vieles, was dieser Artikel theoretisch erörtert, intuitiv verstehen, und können dann mit mehr Sicherheit teurere Ausrüstungsgegenstände auswählen.

Lasset die Tierchen zu mir kommen!

Schnecken sind sehr gelassene Fotomodelle, aber wer Falter, Käfer Spinnen und andere kleine Gliederfüßler ablichten will, stellt schnell fest, dass sie es nicht unbedingt mögen, wenn ihnen die Kamera zu nahe kommt. Meistens ist der ideale Abstand für die Makrofotografie geringer als die Fluchtdistanz der Tiere.

Anfänger machen oft den Fehler, einem interessanten Tier hinterher zu hecheln, wenn sie es entdeckt haben. Doch der Aktionismus verschreckt das unwillige Fotomotiv nur und ein scharfes Makrofoto von einem flüchtenden Tier zu machen, ist fast nicht möglich. Erfolgsversprechender ist es, sich zum Beispiel eine hübsche Blüte zu suchen und ruhig davor zu warten. Früher oder später wird sich auch ein Tier dafür interessieren.

Der Autofokus ist nutzlos

Wer sich auf den Autofokus verlässt, wird in der Makrofotografie nicht weit kommen. Das liegt an der geringen Tiefenschärfe. Die Kamera weiß nicht, ob sie auf die Fühler, die Facettenaugen oder die Beinchen fokussieren soll. Daher ist es wichtig, das manuelle Fokussieren zu üben. Bei Tier-Makros hat es sich bewährt, mit vorfokussierter Kamera zu arbeiten. Bei dieser Technik richtet der Fotograf die Kamera schon vorab auf einem Stativ aus und stellt den Fokus ein. Wenn dann das Tier im Sucher auftaucht, muss er nur noch abdrücken – am besten mit Dauerfeuer im Serienbildmodus.

Wer gute Makros macht, nutzt Blende acht (mindestens)

Große Blenden von 1,8 oder gar 1,4 sind für die Portraitfotografie interessant, um den Protagonisten vor einem unscharfen Hintergrund zu isolieren. Für die Makrofotografie sind sie aber sinnlos, da der Unschärfebereich im Nahbereich damit viel zu gering wird. Der interessante Blendenbereich fängt bei 8 an und geht ungefähr bis 16. Bei noch kleineren Blenden verhindern bestimmte optische Effekte, dass das Bild knackig scharf wird.

Focus-Stacking für beeindruckende Tiefenschärfe

Eine gern genutzte Methode, um Makroaufnahmen durchgehend scharf zu bekommen, ist das Focus-Stacking. Dabei werden mehrere Fotos desselben Motivs mit unterschiedlichen Schärfeebenen gemacht. In der Bildbearbeitung setzt man die jeweils scharfen Teile jedes Fotos zum fertigen Bild zusammen.

Das Verfahren ist weniger aufwendig, als es klingt. Gute Bildbearbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop haben spezielle Funktionen dafür und erledigen die Auswahl der scharfen Bildbereiche und das Zusammensetzen des fertigen Bildes automatisch. Während der Aufnahme muss der Fotograf die Schärfeebene nicht manuell verstellen, das übernimmt die Focus-Bracketing-Funktion moderner Kameras für ihn.

Um mit Focus-Stacking gute Ergebnisse zu erzielen, braucht man unbedingt ein Stativ. Es verhindert, dass die Kamera zwischen den Aufnahmen verwackelt und die Bildteile dadurch nicht zusammenpassen. Zudem eignet sich Focus-Stacking nicht für bewegte Motive; auch mit ihnen lässt sich keine Reihe aus zusammenpassenden Aufnahmen realisieren.

Makrofotografie als Genre

Die Makrofotografie ist motivisch oft nahe an der wissenschaftlichen Illustration. Sie verbindet ästhetischen Anspruch mit einem Staunen über die Natur und einer Faszination für Technik. Man kann sich den Makrofotografen als moderne Version eines Naturforschers aus dem 19. Jahrhundert vorstellen, der begeistert den Blütenstempel einer Pflanze oder den Rüssel eines Käfers skizziert, den er vergrößert unter seiner Lupe sieht.

Innerhalb der drei Großgenres der Fotografie – der Werbefotografie, der Fotokunst und der Dokumentarfotografie – ist die Makrofotografie vor allem in letzterem angesiedelt. Ihr geht es also hauptsächlich darum, die Realität zu zeigen, wenn auch aus ungewohnter Nähe.

So, wie die Grenzen zwischen den fotografischen Genres allgemein fließend sind, ist die Makrofotografie nicht allein auf das Dokumentarische beschränkt. Auch in Werbefotografie spielt sie eine Rolle, zum Beispiel, wenn es darum geht, Details von Produkten darzustellen. Und selbstverständlich haben die meisten Makrofotografen auch einen gewissen künstlerischen Anspruch, wenngleich ihre Bilder zugegebenermaßen häufiger in Reportagezeitschriften wie GEO als in Museen zu finden sind.

Einfach zu lernen, schwer zu meistern

Ein großer Vorteil von Makrofotografie ist, dass sie mit relativ bescheidenen Mitteln betrieben werden kann. Man braucht keine besonders teure Fotoausrüstung, um Spaß an diesem Hobby zu haben. Auch aufwendige Reisen in die bunten, szenischen und fotogenen Teile der Erde sind nicht nötig. Wer mit offenen Augen durch sein Leben läuft, findet in der eigenen Wohnung und direkt vor seiner Haustür genug Motive. Und um eine Szene zu arrangieren, braucht man kein Fotostudio, der eigene Küchentisch genügt.

Die Grundlagen der Makrofotografie sind schnell erlernt. Mit der Zeit werden aber Ihre Ansprüche steigen, sowohl die an Ihr Können als auch die an das Equipment und die Motive. Sie werden immer mehr lernen, sowohl über Fotografie als auch über die Natur, die Sie fotografieren. Wenn Sie wissen, was sich lohnt, können Sie sich nach und nach immer professionellere Ausrüstung zulegen und zum Fotografieren an Orte fahren, die besonders spannende Motive versprechen.

Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt und mit zunehmender Erfahrung steigt die Herausforderung. Langweilig wird Ihnen mit der Makrofotografie als Hobby bestimmt nicht. Wenn Sie also Lust darauf haben: Fangen Sie an! Jetzt. Mit der Kamera, die Sie zur Hand haben und an dem Ort, an dem Sie gerade sind.