Begegnung mit Wildschweinen – so verhalten Sie sich richtig

Wildschweine fühlen sich nicht nur im Wald wohl, sondern finden auch zunehmend Gefallen am Stadtleben. Selbst in Metropolen wie Berlin kommt es regelmäßig zu Begegnungen zwischen Schwein und Mensch. Im Grunde sind die Tiere friedfertig, doch wenn sie sich bedroht fühlen, können sie gefährlich werden.
Wo die wilden Schweine wohnen
Das Wildschwein fühlt sich in Deutschland sauwohl. Fachleute gehen davon aus, dass hierzulande bis zu fünf Millionen Borstentiere leben könnten. Auch Städte werden für die cleveren Schweine immer attraktiver, denn dort gibt es viel Futter zu holen.
Das in Deutschland heimische mitteleuropäische Wildschwein gehört zur Familie der nichtwiederkäuenden Paarhufer. Die Tiere haben ein dichtes, borstiges Fell, das hellbraun bis tiefschwarz sein kann. In Sachen Nahrung sind die anpassungsfähigen Schweine alles andere als wählerisch: Triebe, Wurzeln, Kräuter und Früchte stehen zwar auf dem Speiseplan, doch sind sie keinesfalls Vegetarier. Auch Weichtiere, Insekten, Eier, Vögel und kleine Säugetiere landen im Schweinemagen. Stadtschweine haben zudem eine Vorliebe für menschliche Abfälle.
Die Paarungszeit von Wildschweinen reicht von November bis Januar. Im Frühjahr bringen die weiblichen Tiere – Bachen genannt – im Schnitt sechs Frischlinge zur Welt. Die kleinen Schweine haben die charakteristische gestreifte Fellzeichnung. Sie werden drei bis vier Monate lang von der Mutter gesäugt. In dieser Zeit reagiert die Bache aggressiv auf vermeintliche und echte Bedrohungen, unter anderem Menschen.
Verhaltensregeln bei einer Begegnung
Wildschweine sind zwar scheu und ergreifen in der Regel die Flucht, dennoch kann es in heimischen Forsten und Stadtwäldern zu Begegnungen zwischen Mensch und Schwarzwild kommen. Die wichtigste und einfachste Grundregel ist dann: Abstand halten. Gerade Bachen mit Frischlingen sollten weitläufig umgangen werden, da die Wildschweinmütter einen ausgeprägten Beschützerinstinkt haben. Hektische Bewegungen können die Tiere irritieren. Deshalb ist es ratsam, einen klaren Kopf zu behalten und sich langsam und bedacht zu entfernen. Dem Tier sollten Sie dabei nicht den Rücken zudrehen. So signalisieren Sie dem Tier, dass Sie keine Gefahr darstellen.
Dass Wildschweine wirklich angreifen, kommt äußerst selten vor. Im Fall der Fälle ist es hilfreich, die entsprechenden Warnsignale zu kennen. Wildschweine, die sich für einen Angriff bereit machen, stellen ihren Schwanz auf und schnauben laut durch die Nase. Dabei werfen sie den Kopf hin und her und klappern mit den Zähnen.
Auch bei solchen Warnzeichen gilt weiterhin: Ruhe bewahren. Wegzulaufen ist in diesem Fall kontraproduktiv, denn die Schweine sind mit bis zu 50 Stundenkilometern ohnehin schneller als ein Durchschnittsmensch. Machen Sie sich möglichst groß und klatschen Sie laut in die Hände. Lautes Rufen flößt den Borstentieren ebenfalls Respekt ein. Normalerweise ergreifen sie dann die Flucht, anstatt anzugreifen.
In den Jahren 2019/20 ereigneten sich in Deutschland rund 200.000 Wildunfälle, in etwa 30.000 Fällen kam es zu Unfällen mit Wildschweinen (Quelle: Jagdverband). Wie Sie sich bei einem Wildunfall richtig verhalten, lesen Sie hier.
Wildschweinbegegnungen im Wald
Im Wald ereignen sich äußerst selten gefährliche Begegnungen mit Wildschweinen, denn hier haben Mensch und Tier genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit im Winter, wenn die Keiler auf Paarungssuche und aggressiv sind. Auch im Frühjahr sollten Sie im Wald einen großen Bogen um Wildschweine machen, denn dann bekommen die Bachen ihre Frischlinge. Wenn Sie eine Wildschweinmutter mit Nachwuchs erblicken, sollten Sie unbedingt Abstand halten. In der Regel bemerken Wildschweine die Anwesenheit von Menschen allerdings früh und halten sich von selbst fern.

Beim Waldspaziergang mit dem Hund kann der Jagdtrieb des Begleiters zum Problem werden. Hunde nehmen die Anwesenheit von Wildschweinen deutlich früher wahr als Menschen. Wenn sie ihrem Jagdtrieb folgen und auf Schwarzwild treffen, werden sie oft selbst zu Gejagten. Das kann unglimpflich ausgehen, denn viele Hunde sind keine ernstzunehmenden Gegner für ein ausgewachsenes Wildschwein. Um Interaktionen zwischen Hunden und Wildschweinen zu vermeiden, sollten sie im Wald an der Leine geführt werden. Ohnehin herrscht in vielen deutschen Wäldern Leinenpflicht.
Grundsätzlich sollten Sie im Wald folgende Verhaltensregeln beherzigen:
- Bleiben Sie stets auf den Wegen
- Müll und Essensreste nicht im Wald entsorgen, denn das lock Tiere an
- Nicht während der Dämmerung oder nachts spazieren gehen, wenn die Schweine besonders aktiv sind
Schwarzwild in der Stadt
In den letzten Jahren zieht es Wildtiere verstärkt in Städte. Neben Fuchs, Marder und Waschbär haben auch Wildschweine die Vorteile des Stadtlebens erkannt. Dort gibt es ein großes und leicht verfügbares Nahrungsangebot. Es ist wärmer als auf dem Land und es darf vor allem nicht gejagt werden. Aufgrund der guten Bedingungen haben sich mancherorts feste Stadtschweinpopulationen etabliert. In Berlin sollen es mehrere tausend Tiere sein.
Gerade Gärten in Waldnähe oder am Waldrand werden von Wildschweinen besucht. Auch Kleingartenanlagen mit Gemüsebeeten sind ein beliebtes Ziel für die Tiere. Für viele StädterInnen ist die Begegnung mit einem Wildschwein ungewohnt und sorgt für Aufregung. Wenn sich die Tiere an Obst und Gemüse bedienen oder Rasen und Beete umpflügen, kann es zu Interessenskonflikten kommen.
Wildschweine füttern - eine teure Angelegenheit
Manche Menschen füttern die vermeintlich hungrigen Stadtschweine aus Mitleid. Doch das lockt nicht nur mehr Wildschweine an, sondern kann auch teuer werden. Die Fütterung stellt einen Verstoß gegen das Landesjagdgesetz dar und zieht je nach Bundesland eine Strafe von bis zu 5.000 Euro nach sich.
Wenn Sie ein Wildschwein in Ihrem Garten oder auf der Straße entdecken, nähern Sie sich am besten nicht und warten, bis es von selbst weiterzieht. In Städten fühlen sich die Borstentiere aufgrund der baulichen Gegebenheiten leicht in die Enge gedrängt. Bei einer Begegnung sollten Sie sich dem Wildschwein nie in den Weg stellen. Wenn ein Wildschwein keine Möglichkeit zur Flucht hat, geht es zum Angriff über.
Da in besiedelten Bereichen nicht gejagt werden darf, wird die Wildschweinpopulation dort nicht behördlich reguliert. Sollten Wildschweine häufiger in Ihrem Wohngebiet auftauchen, können Sie sich beim Wildtiertelefon des NABU kostenlos beraten lassen. Wer sich durch ein Wildschwein im Siedlungsgebiet bedroht fühlt, sollte die Polizei rufen. Nur in seltenen Fällen kommt es dazu, dass das Schwein durch einen Jäger erschossen werden muss.
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