WordPress vs. Drupal

WordPress vs. Drupal

WordPress ist klein und schmächtig, Drupal hingegen groß und mächtig. Mit diesem flapsigen Satz lassen sich die Unterschiede zwischen den beiden wichtigen Content-Management-Systemen (CMS) auf zugespitzte Weise zusammenfassen.

WordPress from the blog vs. Architekt Drupal

Das anfängerfreundliche WordPress, mit dem vorwiegend kleine Blogs betrieben werden, steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite befindet sich Drupal, vielmehr ein Website-Baukasten als ein CMS. Ein Werkzeug, mit dem mächtige Bauherren im Web komplexe Kathedralen der Informationsarchitektur errichten können – und so einsteigerfreundlich wie ein Stein im Schuh.

Bei den Benutzerzahlen dreht sich das Verhältnis um, da ist WordPress der Riese und Drupal der Zwerg: Während WordPress die Basis für mehr als ein Viertel aller Websites weltweit bildet, nutzen gerade einmal 2,3 Prozent der Seiten im Internet Drupal. Das ist in absoluten Zahlen allerdings immer noch eine Menge.

Natürlich ist Drupal für Anfänger komplizierter als WordPress, aber dafür bietet es dem Anwender fast unbegrenzte Möglichkeiten. Es erfüllt so gut wie alle Merkmale eines Web-Application-Frameworks, also einer Programmierschnittstelle für Web-Apps. Niemand muss allerdings programmieren lernen, um Drupal zu verwenden. In Relation zu seinen Fähigkeiten ist Drupal also geradezu ein Musterbeispiel an Anwenderfreundlichkeit. Worin liegen aber die genauen Unterschiede zwischen den beiden CMS?

Anwenderfreundlichkeit

Schlicht und einfach: Wer wenig Ahnung vom Web hat, aber schnell mit seinem Blog und seiner Website loslegen will, sollte zu WordPress greifen. Drupal wäre dann eine gute Wahl, wenn entweder bereits Erfahrung mit dem System besteht oder der Websitebetreiber bereit ist und Zeit hat, diese Erfahrung zu sammeln.

WordPress ermöglicht Updates mit einem Klick im Backend. Das gilt sowohl für das Grundsystem als auch für Plug-ins und Themes.

Seit ein paar Versionen kann sich das CMS sogar völlig ohne Zutun des Anwenders updaten. Gelegentlich kommt es vor, dass es nach Updates zu Problemen auf Grund von Plug-in-Inkompatibilitäten kommt. Damit sind die Schwierigkeiten von WordPress-Updates auch schon hinreichend beschrieben.

WordPress Updates
Updates sind in WordPress ein Kinderspiel, sofern nicht das ein oder andere Plug-in danach die Website außer Gefecht setzt.

Bei Drupal hingegen sorgt die vor mehr als einem Jahr veröffentlichte Version 8 immer noch für einen steten Einkommensfluss bei unzähligen Drupal-Entwicklern, die damit beauftragt werden, Seiten vom alten Drupal 7 auf das neue Drupal 8 umzurüsten. Große Versionssprünge bringen es nämlich gelegentlich mit sich, dass alte Websites neu aufgesetzt werden müssen, wenn sie den Versionssprung mitmachen möchten. Dafür trennt sich Drupal radikal von altem Code, das System wird konsequent weiterentwickelt.

Sicherheit

Die Runde geht an Drupal. WordPress ist ein beliebtes Ziel für Hacker, viele Plug-ins weisen Sicherheitslücken auf. Paradoxerweise jedoch ist es aus Sicherheitsperspektive ratsam, einige Plug-ins nachzurüsten, die WordPress um grundlegende Sicherheitsfeatures ergänzen. Drupal hingegen ist von Haus aus sehr sicher, darum setzen auch Regierungsbehörden gern auf Drupal. So läuft beispielsweise die Website des Weißen Hauses mit diesem CMS.

Im Bereich der Benutzerrollen und Zugriffsrechte sind WordPress und Drupal zwei völlig unterschiedliche Welten. Drupal hat eines der detailliertesten Rollen- und Rechtemanagement-Systeme am Markt. WordPress hingegen kommt mit fünf (sechs, wenn man den Superadministrator dazuzählt) Benutzerrollen aus und sieht auch nicht vor, dass User diese Rollen ändern oder neue anlegen. Perfekt für alle, die sich nicht mit komplexen Einstellungen in diesem Bereich herumschlagen wollen, weniger gut für Websites, die genau das benötigen.

Die Verwaltung der Benutzerrollen in Drupal
Die Benutzerrollenverwaltung von Drupal ist mächtig und mächtig kompliziert.

Kosten

Beide CMS sind kostenlose Open-Source-Software. Allerdings ist es für das Betreiben einer Website manchmal notwendig, Spezialisten zu beauftragen. Hier zeigen sich deutliche Preisunterschiede zwischen den beiden Systemen. Programmierer mit Erfahrung in Drupal sind schwer zu finden und gehören zu den bestbezahlten IT-Experten. Leute mit Erfahrung in WordPress gibt es vergleichsweise viele und sie verlangen deutlich niedrigere Stundensätze. Darüber hinaus sind kostenpflichtige Themes für WordPress günstiger als ihre Pendants bei Drupal.

Fazit

Beide Systeme haben ihre Berechtigung, aber sie richten sich an ein völlig unterschiedliches Publikum. WordPress will ein CMS sein, mit dem wirklich jeder eine Website betreiben kann, und diesen Anspruch erfüllt es. Drupal hingegen richtet sich vor allem an Programmierer und Menschen mit einem technischen Hintergrund. Für sie ist es ein Werkzeugasten, mit dem sie Websites kompromisslos nach ihren Vorstellungen formen können.