spideroak

Lukas Grzona
Pro
  • Höchste Datensicherheit dank Zero-Knowledge-Prinzip
  • Gute deutschsprachige Desktop-Anwendung
Kontra
  • Teilweise umständlichere Bedienung als bei den Konkurrenten aufgrund des strikten Datenschutz-Konzepts
  • Englischer Support
Fazit Echter Geheimtipp für alle, die auf größtmöglichen Schutz vor Spionageangriffen für ihre Daten legen. Kleine Abstriche müssen dafür bei Support und Bedienung gemacht werden.
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SpiderOak Test

Funktionen

4,50 Pkt

Spätestens die Aussagen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden über die Tätigkeiten der Geheimdienste sollten viele Menschen darauf sensibilisiert haben, mit persönlichen Daten vorsichtig umzugehen und nicht gedankenlos ihre Fotos und Dokumente zu handhaben. Demgegenüber stehen natürlich viele Vorteile des Internets, die den Austausch mit Freunden und Bekannten sowie Arbeitserleichterungen bieten. Neben den staatlichen Behörden, die ungewünscht in die Privatsphäre eindringen, gibt es auch Kriminelle, die durch Datenklau und Systeminfizierung Schaden zufügen.

Um den Gefahren aus dem Weg zu gehen, aber dennoch die Möglichkeiten von Cloud-Computing nutzen zu können, ist deshalb ein vorsichtiges Vorgehen nötig, wenn es um die Online-Speicherung von Daten geht. Ein Dienst, der sich, auch nach Aussage von Edward Snowden, in dieser Hinsicht hervorgetan hat, ist SpiderOak. Aus dem Land stammend, das ansonsten für seinen laschen Umgang mit personenbezogenen Daten bekannt ist, möchte das Unternehmen Privatnutzern eine Alternative zu populären Cloud-Hostern geben und die bestmögliche Sicherheit bieten.

Welche Funktionen SpiderOak bietet und ob der Dienst in Konkurrenz mit Branchenführern wie Google, Microsoft und Dropbox treten kann, zeigt der Test von Netzsieger.

SpiderOak bietet alle bekannten Funktionen eines modernen Cloud-Hosters, von der selbstverständlichen Speicherung der Daten über die automatische Synchronisierung bis hin zur Möglichkeit, einzelne Ordner und Dateien mit anderen Personen zu teilen. Dabei setzt der Dienst auf die Desktopanwendung SpiderOak ONE, über die der Nutzer alle Einstellungen vornimmt. Es lassen sich Ordner und einzelne Dateien auswählen, die hochgeladen und als Backup gesichert werden sollen. Das zugehörige Programm ist zwingend notwendig, da über den Browser zwar Daten aufgerufen und heruntergeladen werden können, der Upload aber nicht möglich ist. Ebenfalls nicht unterstützt werden FTP-Clients.

SpiderOak Funktionen
SpiderOak besitzt alle Funktionen, die man sich wünscht.

Das Gespeicherte kann über eine Synchronisierungsfunktion auf mehrere Geräte übertragen werden und sollte der Anwender aus Versehen eine Datei verändert haben, kann er die Entscheidung widerrufen. Ältere Versionen werden gesichert und lassen sich wiederherstellen. Zur Minimierung des Datenverkehrs wird Deduplikation verwendetet, ein Prinzip, bei dem nur Änderungen einer Datei aktualisiert werden, aber nicht die Datei komplett ausgetauscht werden muss.

Die Anmeldung ist kostenlos und der neue Nutzer kann über einen kostenlosen Basis-Speicherplatz von zwei Gigabyte mit allen Funktionen verfügen. Derzeit ist dieses Angebot aber auf eine 60-Tage Testversion beschränkt. Die kostenpflichtigen Angebote beginnen bei 30 Gigabyte im Monat für 7 Dollar (6,50 Euro) und 79 Dollar (72,50 Euro) im Jahr. Für ein Terabyte zahlt man 12 Dollar (11 Euro) im Monat und 129 Dollar (118,50 Euro) im Jahr. Den maximalen Speicherplatz von fünf Terabyte gibt es für 25 Dollar (23 Euro) im Monat und 279 Dollar (256 Euro) im Jahr.

Spezielle Konditionen für Sammelkonten

Für Gruppen und Unternehmen gibt es weitere Angeboten, bei denen die einzelnen Konten von einem Administrator organisiert werden können. Ab zehn Personen kann eine Variante gewählt werden für 9 Dollar (8,30 Euro) je Teilnehmer im Monat, zwei Wochen lang kann sie kostenlos getestet werden. Lösungen für Unternehmen gibt es ab 100 und ab 500 Personen, wobei pro Kopf 5 Dollar (4,50 Euro) fällig sind. Die Einrichtung der (von SpiderOak aktiv betreuten) Konten für Unternehmen kostet zu Beginn einmal 299 Dollar (274 Euro) bei der kleineren und 599 Dollar (549,50 Euro) bei der größeren Variante. Die Speichergröße der einzelnen Konten beträgt derzeit 150 Gigabyte.

SpiderOak Screenshot
Bei SpiderOak wird die Privatsphäre beachtet.

SpiderOak deckt alle Erfordernisse eines Online-Speichers ab, wie die komfortable automatische Synchronisierung von ausgewählten Ordnern und Dateien, die auch mit anderen Personen geteilt werden können. Es fehlt aber die Option, den Browser für alle Funktionen zu benutzen, denn der Upload funktioniert aufgrund der sicheren Verschlüsselung vor dem Verschicken der Daten nur mit der Anwendung SpiderOak ONE. Dafür erwies sich die Verknüpfung im Kontextmenü (Rechtsklick) als sehr nützlich, da hier einfach der aktuelle Ordner (und jede beliebige Datei) in die Synchronisation aufgenommen werden kann.

Kosten

4,20 Pkt

Die Preise von SpiderOak bewegen sich im Vergleich mit anderen Anbietern im guten Mittelfeld. Zwar sind günstigere Angebote zu finden, die aber nicht denselben hohen Sicherheitsstandard der gespeicherten Daten bieten können. Die kleinste kostenpflichtige Variante mit 30 Gigabyte bietet aber ein sehr ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, weshalb sich SpiderOak eigentlich erst lohnt, wenn der große Ein-Terabyte-Speicher gebraucht wird.

SpeichervolumenPreisUnterstützte BetriebssystemeZahlungsmöglichkeiten
2 GBKostenlosLinux, Microsoft Windows, Mac OS X, iOS, AndroidKreditkarte, PayPal
35 GB7 Dollar (6,50 Euro)Linux, Microsoft Windows, Mac OS X, iOS, AndroidKreditkarte, PayPal
1 TB12 Dollar (11 Euro)Linux, Microsoft Windows, Mac OS X, iOS, AndroidKreditkarte, PayPal
5 TB25 Dollar (23 Euro)Linux, Microsoft Windows, Mac OS X, iOS, AndroidKreditkarte, PayPal
Gruppen*9 Dollar je Teilnehmer (8,30 Euro)Linux, Microsoft Windows, Mac OS X, iOS, AndroidKreditkarte, PayPal
* ab 10 Personen, 150 GB pro Kopf

Sicherheit

4,90 Pkt

Sicherheit ist die Paradedisziplin von SpiderOak. Die Warnhinweise wegen des Serverstandorts in den USA können wegfallen, da die Geheimdienste vermutlich auch bei SpiderOak gerne anklopfen, aber dem Anschein nach nur wenig Erfolg damit haben sollten. Es wird das Prinzip von Zero-Knowledge angewendet, weshalb außer dem Anwender beziehungsweise dem Client auf seinem PC niemand das Passwort zur Entschlüsselung der online gespeicherten Daten besitzt. Das Programm SpiderOak ONE verschlüsselt den Upload nämlich und das Passwort liegt nirgendwo auf den Servern im Klartext vor.

Der Nachteil ist, dass beim Vergessen des Passworts dieses nicht an den Nutzer geschickt werden und auch kein neues erstellt werden kann. Laut Edward Snowden soll SpiderOak damit einer der sichersten Dienste sein, der derzeit angeboten wird.

Benutzbarkeit

4,60 Pkt

Es sind ein paar Abstriche im Komfort zu machen, legt man Wert auf größtmögliche Sicherheit seines Cloudhosters. Die volle Funktionalität erhält der Nutzer nur in Verbindung mit der Desktopanwendung, über die Dateien und Ordner für Upload und Synchronisierung ausgewählt werden können. Das macht den Prozess für Anfänger etwas komplizierter als beim Aufbau der übrigen Cloud-Dienste mit einem automatisch synchronisierten Ordner. Es gibt viele Einstellungsmöglichkeiten und auch die übrigen mit dem Account verbundenen Geräte können mit SpiderOak ONE organisiert werden. Nach kurzer Zeit sollte sich aber jeder Anwender zurechtfinden. Der Grund für die Komplexität ist zum einen die Datensicherheit, zum anderen richtet sich der Dienst offenbar an Anwender, die sich mit diesem Thema und den Problemen auseinandergesetzt haben und etwas erfahrener im Umgang mit der Cloud sind.

Englische Webseite

Die Webseite zeigt ein modernes Auftreten, das werbewirksam gestaltet ist und minimale Informationen gibt. SpiderOak folgt damit dem Trend, aber leider leidet die Übersicht etwas. Dennoch sind alle Informationen relativ schnell zu finden, solange man der englischen Sprache mächtig ist. Das Programm liegt zwar in Deutsch vor, der komplette Internet-Auftritt aber nur in Englisch.

Erfahrene Internetnutzer werden mit der Anwendung SpiderOak ONE und der Webseite des Anbieters wenige Probleme haben. Die Bedienbarkeit ist gut gelöst worden und alle Funktionen sind über das Programm gut erreichbar.

Hilfe & Support

3,90 Pkt

Der Support beschränkt sich auf eine Sammlung von Video-Anleitungen und häufigen Fragen, sowie einen E-Mail-Kontakt. Zwar ist damit eine grundlegende Hilfe gegeben, aber es stellt sich auch hier das Problem der fehlenden Sprachunterstützung: Englischkenntnisse sind Pflicht. Allzu bequem ist SpiderOak in diesem Punkt für deutsche Anwender nicht, aber wenigstens werden Fragen relativ zeitnah noch am gleichen oder spätestens nächsten Tag beantwortet.

Zusammenfassung

4,42 Pkt

Es verwundert nicht, dass für eine sehr gute Datensicherheit einige Kompromisse in anderen Bereichen eingegangen werden müssen. SpiderOak stellt dennoch alle beliebten Funktionen eines guten Cloudhosters zur Verfügung, die recht bequem über die Desktopanwendung gesteuert werden können. Auf die volle Funktionalität über den Browser muss der Nutzer aber verzichten, da nur so derzeit die volle Sicherheit durch das Zero-Knowledge-Prinzip gewährleistet werden kann.

Deutsche Nutzer müssen bei der Webseite und dem Support ihre Englischkenntnisse einsetzen, ist diese Hürde aber erst genommen, funktioniert wenigstens die Desktopanwendung SpiderOak ONE auch auf Deutsch.

spideroak logo 2SpiderOak ist im Ergebnis ein Geheimtipp für alle, die aufgrund der Datenschutz-Diskussion das Vertrauen in die bekannten Großen Spieler im Geschäft mit der Cloud verloren haben. Die kleinste Speichervariante mit 30 Gigabyte lohnt sich aber kaum, da man für ein Terabyte mit etwa elf Euro gerade einmal das Doppelte zahlt, was ungefähr dem marktüblichen Preis entspricht. Die Testversion mit nur zwei Gigabyte kann derzeit für zwei Monate getestet werden. Benötigen Anwender aber tatsächlich nur einen kleinen Online-Speicher, ließe sich die fehlende sichere Verschlüsselung seiner Daten in günstigeren Cloud-Lösungen mit zusätzlicher Verschlüsselungssoftware bewerkstelligen – billiger, aber zweifelsohne auch viel umständlicher.