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Howrse

Steffen Stasick
Pro
  • Ebenso detailverliebte wie motivierende Aufzugs- und Zuchtmöglichkeiten
  • Verschiedene Karrieren im Reitzentrum
  • Kreative Individualisierungsmöglichkeiten
Kontra
  • Dröge Grafik, kein Sound
  • Kaum interaktive Spielmechanik
  • Gängelndes Bezahlsystem
Fazit Howrse glänzt wahrlich nicht durch seine Präsentation, Pferdeliebhaber finden hier allerdings ein motivierendes Browsergame, das sich facettenreich um die Zucht und Pflege der heißgeliebten Reittiere dreht. Viele Spielinhalte sind jedoch nur gegen Echtgeld verfügbar.

Howrse Test

Anmeldung & Einstieg

3,35 Pkt

Endlich ein eigenes Pferd!

Wer sich schon immer ein eigenes Pferd gewünscht hat, in der Dreizimmer-Mietwohnung bisher aber einfach nicht genug Platz dafür freimachen konnte, dem gibt das Browsergame mit dem etwas skurrilen Namen Howrse die Chance, sich um das Wohlergehen einer ganzen Zucht zu kümmern.

Die Anmeldung nehmen User direkt auf der Webseite des Entwicklers Owlient vor, wahlweise über das Anlegen eines (stets kostenlosen) Kontos oder über ihren Facebook-Account.

Erst zäh, dann überraschend komplex

Das Tutorial fällt äußerst umfangreich aus und führt neben dem Füttern, Ausreiten und Striegeln der Tiere auch schon in die Zucht ein. Das Spiel gestaltet sich in den ersten Runden allerdings recht zäh.

Howrse Mr. Cool
Howrse lässt Spieler ihre Pferde umfangreich individualisieren. Unseren Schützling haben wir mit neuem Fell samt Blitzen in der Mähne ausgestattet.

Pferdehalter sind einfach nur damit beschäftigt, die Standard-Aufgaben rund ums Füttern und Altern ihrer Schützlinge abzuarbeiten. Das Ganze spielt sich repetitiv und nicht sonderlich aufregend. Hier müssen selbst Liebhaber schon etwas Geduld mitbringen. Erst im späteren Spielverlauf, wenn es an die weitere Ausbildung des Pferdes sowie die Karriere im eigenen Reitzentrum geht, entfaltet Howrse vielfältigere Möglichkeiten. Dann überrascht der Titel durch eine gewisse Komplexität, die den Spielern sorgfältiges Abwägen zwischen der Pflege und der Ausbildung ihres Tieres abverlangt.

Konzept & Gameplay

3,20 Pkt

Die richtigen Knöpfe beim Pferd drücken

Direkt zum Spieleinstieg wird deutlich: Howrse ist kaum interaktiv. Tätigkeiten wie Striegeln, Füttern und Ausreiten laufen quasi unsichtbar in Text- und Statistikfenstern ab. Zwar wählen User beispielsweise einen „Striegeln“-Button an, danach vergeht aber lediglich etwas „Pferdezeit“ und die Pflegebehandlung ist erledigt. Nett wäre da die Möglichkeit gewesen, das Pferd virtuell mit dem Mauszeiger zu striegeln. Das würde die Immersion erhöhen und das Spielerlebnis etwas lebendiger gestalten.

Da die tägliche Pflege so wenig interaktiv ist, gerät sie schnell zur routinemäßigen Klickorgie. Pferdehalter haben kaum mehr zu tun, als die verfügbaren Buttons der Reihe nach anzuklicken und die Zeit vergehen zu lassen. Hier verschenken die Entwickler viel Potenzial für deutlich mehr Spielspaß.

Howrse Der Laden
Ärgerlich: Welches Zaumzeug wir bereits besitzen, sehen wir beim Kaufen im Laden nicht. Da sind Fehlkäufe vorprogrammiert.

Sehr schade ist da auch das mangelnde Feedback über den Zustand des Tiers. So kann es zwar passieren, dass das Pferd bei falscher Fütterung übergewichtig oder mager wird, zu sehen bekommen die Spieler davon allerdings nichts – das Bild bleibt unveränderlich. Von der Übergewichtigkeit des Gauls erfahren Nutzer erst in einem schnöden Textfenster im Futter-Auswahlbildschirm. Immerhin berücksichtigt der Titel auch Details der Pferdepflege wie etwa den Umstand, dass trächtige Pferde im achten Monat keinen anstrengenden Aktivitäten mehr nachgehen dürfen. Das kommt der Spieltiefe sowie der Atmosphäre wiederum entgegen.

Weck mich in zwei Monaten wieder

Die sogenannte Pferdezeit ist anfangs nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Spieler können ihr Pferd mithilfe von Alterungspunkten um Monate altern lassen. Ist der Prozess abgeschlossen, beginnt dennoch nur ein neuer Tag für das Pferd, an dem die üblichen Aktivitäten wie Striegeln und Füttern wie gehabt durchgeführt werden. Der Zeitablauf ist dadurch einigermaßen irritierend, zumal auf diese Weise manches Rennpferd aus dem eigenen Stall bereits das Rentenalter erreicht, während sein Zwillingsgeschwister noch als Fohlen über die Koppel springt. Diese Diskrepanz muss man ignorieren können.

Auf zum Schwarzmarkt!

In puncto Gameplay vermischt Howrse munter realistische Pferdezucht mit der Welt der Mythen und der Magie. Auffällig ist dabei, dass viele der magischen Hilfsgegenstände der antiken Mythologie entlehnt sind. So spenden viele griechische Götter ihre Reliquien zur Förderung der Pferdezucht. Zeus etwa stellt seinen Blitz zur Verfügung, mit dem Spieler ganz nach Belieben das Geschlecht ihres Reittiers ändern, Medusa hingegen gibt direkt ihr Blut, um einen profanen Klepper in den anmutigen Pegasus zu verwandeln.

Howrse Fruchtbarkeitszauberstab
Die spannendsten Sachen gibt es auch in Howrse auf dem Schwarzmarkt.

Interessanterweise finden sich diese Artefakte nicht etwa im gewöhnlichen „Laden“, sondern auf dem Schwarzmarkt – hier beweisen die Entwickler offenbar Humor. Abseits davon erwerben Spieler im Laden die Pflege- und Konsumgüter des täglichen Pferdebedarfs mit „Equus“, der spielinternen Währung, die sie beispielsweise durch das Gewinnen von Wettbewerben oder den Verkauf von Pferden – oder gar Pferdeäpfeln – erhalten.

Problematisches Bezahlsystem

Wer sich voll und ganz den Karrieren des Reitzentrums, dem Handel sowie den zusätzlichen, regelmäßig stattfindenden Minispielen widmen möchte, gelangt allerdings irgendwann an den Punkt, an dem er echtes Geld investieren muss. Die Gegenstände des Schwarzmarktes, begehrte Pferderassen, aber auch zahlreiche Teilnahmegegenstände der diversen Aktionen verlangen meist nach einem Pass – von denen einer bereits mit mindestens 0,99 Euro zu Buche schlägt. Die Preise für Pässe sind überdies völlig widersinnig gestaffelt. So kosten 20 Pässe bereits 24 Euro, 30 Pässe sogar 36 Euro – Mengenrabatt ad absurdum geführt.

Howrse Paesse kaufen
Viele Gegenstände und Aktionen bezahlen Spieler mit Pässen. Deren Preisstaffelung ist etwas fragwürdig.

Wir finden es etwas problematisch, dass ein Browsergame an so vielen Stellen auf den Kauf von Pässen drängt. Da dies auch noch komfortabel über das Versenden einer SMS möglich ist, entziehen sich die Ingame-Käufe gegebenenfalls der elterlichen Kontrolle. Immerhin veranstaltet Entwickler Owlient nach Sonderaktionen und Minispielen Umfragen, um beispielsweise zu erfahren, ob die Spieler die aufgerufenen Preise für die Aktionen als zu hoch, angemessen oder günstig empfinden.

Technische Daten

2,90 Pkt

So actionreich wie eine Sammelkarte

Grafisch fällt Howrse arg simpel aus. 3D-Grafik oder auch nur animierte Elemente suchen Pferdeliebhaber hier vergebens. Vielmehr erwarten die Spieler reglose Abbilder der – immerhin vielzähligen – Pferderassen.

Das höchste der Gefühle in Sachen Grafik sind auf ein Minimum reduzierte Animationen wie Wettereffekte oder Feuerwerk rund um das Pferd vor dem Hintergrund der Wiese – wovon allerdings nicht nur der Gaul unbeeindruckt bleibt.

Auch über den Sound können wir nicht allzu viel Positives berichten – es gibt einfach keinen.

Howrse Personalisierung
So nett die vielen auswählbaren Hintergründe anzusehen sein mögen - grafisch fällt Howrse extrem simpel aus.

Kein Wiehern, kein Hufklappern, nicht einmal geringste Feedback-Sounds beim Durchklicken der Menüs dringen hier an die Ohren der Spieler. Das kostet den Titel enorm viel Atmosphäre, gerade, wo doch wenige Ambient-Sounds bereits genügen können, einer statischen Szenerie zumindest etwas Leben einzuhauchen, wie so viele andere gute Browsergames beweisen.

Suchen – Zielen – Klicken!

Die Navigation durch die Spielmenüs ist ziemlich kleinteilig geraten. Schieberegler etwa für die Auswahl der Futtermenge müssen schon genauer anvisiert werden, nicht weniger Präzisionsarbeit verlangen die Registerkarten zu den Statuswerten der Tiere sowie der Handel auf den Marktplätzen. Insgesamt wirkt der Bildschirm meist überladen. Unser Pferd verschwindet fast hinter all den Icon-Feldern und Dropdown-Menüs. Die Bedienung der Spielmenüs auf den diversen Unterseiten etwa des Handels oder des Reitzentrums ist ein regelrechtes Ärgernis. Statt etwa nach dem Kauf neuen Zaumzeugs komfortabel direkt zum Ausrüstungs-Menü weitergeleitet zu werden, klicken wir uns über den Reiter „Zucht“, den Dropdown-Unterpunkt „Pferde“ und schließlich den Menüpunkt „Zubehör“ selbst zum Ziel durch.

Dennoch ist die Bedienung zwar umständlich, aber immerhin einigermaßen übersichtlich. Die wichtigsten Steuerungspunkte sind in einer Leiste am oberen Bildschirmrand versammelt, die Icons für alle Belange der täglichen Pflege gruppieren sich gut erreichbar rund um das Bild unseres Schützlings. Benachrichtigungen über die jüngsten Ereignisse – auch etwa über Turniersiege – finden sich recht unspektakulär in einer täglich aktualisierten Liste. Die Gefahr, wichtige Meldungen schnell mal zu übersehen, ist da leider groß.

Community & Support

5,00 Pkt

Look at my horse, my horse is amazing!

Wirklich ans Eingemachte geht es in Howrse für viele Spieler aber erst beim Handeln mit der Community.

Der Kauf und Verkauf von Pferden und Gegenständen macht einen großen Reiz des Titels aus, denn hier kulminieren die Wochen hingebungsvoller Zucht im wirtschaftlichen Feilschen um gute Preise.

Besonders begehrte und seltene Rassen wie göttliche Pferde erzielen nicht selten Preise, die, rechnet man die aufgerufenen Pässe in echtes Geld um, den Wert von drei bis vier Vollpreis-Konsolenspielen haben.

Doch auch abseits der verrückten Mondpreise für edle Rösser macht das Anpreisen der eigenen Pferde, das Verhandeln, Bieten, Kaufen und Verkaufen großen Spaß.

Beim Verkaufen der Pferde haben die Spieler freie Hand und entwickeln so ein dynamisches Wirtschaftssystem - spannend!

Wer etwa sein mittelprächtiges Pferd dennoch besonders vorteilhaft verhökern möchte, kann ihm seltene Gegenstände vom Schwarzmarkt beilegen, um das Gesamtangebot etwas attraktiver zu gestalten. Die Eigendynamik des selbstverantwortlichen Handels mit der Community ist also eindeutig ein großer Pluspunkt für Howrse!

Freundlicher Mail-Support

Möchten die User ihr Feedback zu Howrse abgeben, Fragen zu Spielinhalten stellen oder Probleme mit der Anmeldung, Spielinhalten oder dem eigenen Konto melden, stellt Owlient ihnen ein Kontaktformular zur Verfügung. Hier spezifizieren die Spieler zunächst ihr Problem in einer Dropdown-Auswahl und fügen dann eine Beschreibung ihres Anliegens hinzu. Hilfesuchenden steht es dann frei, ob sie die Rückmeldung der Entwickler nur in ihrem Spieler-Account oder auch an ihre registrierte Mail-Adresse erhalten möchten. Unsere Anfrage beantwortete ein freundlicher Mitarbeiter äußerst zügig innerhalb von zwei Stunden, wobei er genau auf unsere Frage einging und kompetent beantwortete – in deutscher Sprache. Die Möglichkeit, das Support-Team am Telefon persönlich zu sprechen oder im Live-Chat direkt zu kontaktieren, bietet Owlient hingegen leider nicht. Viele der freundlichen Community-Mitglieder stehen jedoch ausdrücklich und gern mit Rat und Tat bereit, wenn Spieler Nachhilfe oder Tipps benötigen.

Höchste Vorsicht mit dem eigenen Account!

In einigen Online-Foren tauchen vereinzelt Beschwerden über den Umgang des Support-Teams mit den Spielern auf, insbesondere was vermeintlich ungerechtfertigte „Bans“ (das Sperren von Spielerkonten) und den Verlust von Spielfortschritten angeht. Für uns ist diese Kritik nicht nachprüfbar, allerdings zeigen die Beschwerden der Betroffenen, dass die Nutzer von Howrse ihre Zugangsdaten unter keinen Umständen versenden oder mit anderen Personen teilen sollten – dies ist offenbar einer der häufigsten Anlässe für Auseinandersetzungen mit den Administratoren.

Zusammenfassung

3,61 Pkt

Howrse ist ein eigensinniges, stures, widerspenstiges Wildpferd, das, wenn es denn erstmal gezähmt ist, für viele Liebhaber ein langjähriger, treuer Begleiter sein kann. Die grafische Präsentation mag den Charme einer Excel-Tabelle besitzen, Sound gibt es gar nicht erst, und die kleinteilige Navigation durch die verschachtelten Menüs bringt selbst den geduldigsten Pferdeflüsterer zum Kreischen. Dennoch schart Howrse bereits seit Jahren eine verschworene Spielergemeinschaft um sich, welche die Komplexität und Kreativität des Titels zu schätzen weiß. Wer viel Liebe, Engagement und wirtschaftliches Geschick in das Spiel, steckt, wird durch enorm vielfältige Individualisierungs- und Zuchtmöglichkeiten in einer passionierten, sehr aktiven Community belohnt. Wer lieber etwas Leben auf dem Bildschirm hat und direkteres, immersives Gameplay sucht, sollte sich bei anderen Browsergames zum Thema Pferde umschauen.