Hide my Ass! logo Zum Anbieter
Bewertung
6,8
Pro
  • Server in beinahe jedem Land der Erde
  • Software wird Profis und Laien gerecht
  • Für viele verschiedene Plattformen geeignet
  • Sehr guter Support
Kontra
  • Kein unbedingter Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer
  • Nur mittelmäßig beim Streaming
FAZIT

Auf der Pro-Seite des VPN mit dem frechen Esel als Maskottchen stehen ein gut ausgebautes, flottes Servernetzwerk, gute Software und ein toller Support. Manche Nutzer könnten sich aber daran stören, dass der Anbieter nicht nur manche Aspekte des Nutzerverhaltens protokolliert, sondern auch bereitwillig an die Behörden weitergibt.

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Bewertungskriterien
Sicherheit
Leistung
Benutzerfreundlichkeit
Hilfe & Support

Hide my Ass! Test

Sicherheit6,66

Bei Hide my Ass! (kurz HMA!) handelt es sich um einen VPN-Anbieter, der sowohl Kunden mit wenig Computererfahrung als auch IT-Profis anspricht. Der Name ist US-Slang und bedeutet soviel wie „Versteck mich!“. Das Marketing des Unternehmens spielt mit der Bedeutung des Wortes „ass“, das sowohl „Arsch“ als auch „Esel“ bedeutet. Das Maskottchen von HMA! ist Jack, ein anthropomorpher Esel mit Sonnenbrille, der dem Leser auf der Website auf etwas schnodderige Art die Software erklärt. Fast die gesamte Website ist aus der Perspektive von Jack geschrieben. Das lockert das etwas trockene Thema auf und gibt HMA! einen hohen Wiedererkennungswert.

Der Name Jack und die Erfindung des Esels dürften auf Jack Cator zurückgehen, den Gründer von HMA!. „Jack“ steht im Englischen auch für Esel, so wie im Deutschen der Fuchs „Reineke“ heißt. Cator war ein sechzehnjähriger englischer Schüler, als er 2005 Hide My Ass! erfand. Ursprünglich handelte es sich dabei um eine Website zur Umgehung des Inhaltsfilters seines Schulnetzwerks. Nach einem abgebrochenen Studium entwickelte Cator im Jahr 2009 HMA! zu einem vollwertigen VPN-Dienst weiter.

Im Mai 2015 kaufte der Sicherheitssoftwarehersteller AVG Hide my Ass!, 2016 wurde dieser wiederum von Avast übernommen. Heute gehört Hide my Ass! also zu dem vor allem für seine Antivirensoftware bekannten Prager IT-Security-Unternehmen, wird aber weiterhin unter dem eigenen Namen und ohne Avast-Branding vertrieben.

HMA! nutzt standardmäßig das VPN-Protokoll OpenVPN, das als sehr sicher gilt. Für die Verschlüsselung verwendet der Anbieter AES-256. Mit dieser Kombination aus VPN-Protokoll und Verschlüsselungsalgorithmus ist HMA! auf der Höhe der Zeit. Nach aktuellem Stand der Technik ist es nicht möglich, die auf diese Art übertragenen und verschlüsselten Daten zu entschlüsseln. DNS-Leaks, die Außenstehenden verraten könnten, auf welche Server ein Anwender zugreift, konnten wir im Test nicht feststellen. Offenbar verhindert die Software von HMA! diese zuverlässig.

Gretchenfrage: Nun sag, wie hast du’s mit der Anonymität?

Für viele Nutzer ist die Anonymität, die ein VPN gewährt, einer der wichtigsten Gründe für die Nutzung. Daher werben die meisten VPNs damit, dass sie die Aktivitäten des Nutzers nicht protokollieren und auch keine Nutzungsdaten an staatliche Stellen weitergeben. HMA! macht in seinen Datenschutzbestimmungen hingegen sehr deutlich, dass es bestimmte Verbindungsdaten bis zu zwei Monate lang aufbewahrt. Bei Verstößen gegen die Nutzungsbestimmungen (Tauschen von urheberrechtlich geschütztem Material zum Beispiel) bewahrt HMA! die Daten sogar länger auf, lässt aber offen, wie lange genau.

Hide My Ass! gibt laut eigenen Angaben auch Nutzerdaten weiter, sollten die Gesetze des Vereinigten Königreichs es erfordern. In der Vergangenheit wurde mindestens ein User aufgrund der Kooperation des VPN-Anbieters mit den Behörden wegen Hacking verurteilt. Wer also nach einem VPN sucht, das ihn vor staatlicher Neugier auf persönliche Daten schützt, ist bei HMA! falsch. Es genügt eventuell bereits der Verdacht auf missbräuchliche Verwendung, um den Privatsphäre-Schutz zu verlieren, den das VPN bietet.

Vertragsbedingungen6,66

Eine völlig anonyme Nutzung von HMA! ist leider nicht möglich, da durch die Bezahlung immer die Identität des Nutzers offenbart wird. Anonyme Zahlungsverfahren mit Bargeld oder Kryptowährungen unterstützt der Anbieter nicht. Folgende Zahlungsvarianten stehen zur Wahl:

  • Kredit- beziehungsweise Debitkarte
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Giropay
  • UnionPay
  • Skrill Wallet
  • Neteller

Mit monatlichen Kosten von 10,99 Euro liegt Hide My Ass! im mittleren bis günstigen Preissegment. Deutlich teurer ist beispielsweise Hotspot Shield, das 15,99 Euro monatlich kostet. Wer Geld sparen will, bezahlt HMA! für ein Jahr oder sogar zwei Jahre im Voraus. Dann kostet das Abonnement 5,99 oder sogar nur 3,99 Euro monatlich. Deutlich günstiger sind nur NordVPN (2,99 US-Dollar monatlich im Dreijahresabo) und ZenMate (2,05 Euro monatlich im Zweijahresabo).

Wer HMA! vor dem Kauf ausprobieren möchte, kann das VPN sieben Tage lang kostenlos testen. Dafür muss er allerdings Zahlungsdaten hinterlegen. Falls er nicht rechtzeitig kündigt, geht der Test automatisch in ein kostenpflichtiges Abonnement über. Selbst dann hat er allerdings noch die Option, von der dreißig Tage gültigen Geld-zurück-Garantie Gebrauch zu machen.

Leistung6,66

Im Test maßen wir eine Download-Geschwindigkeit von 47,5 Megabit pro Sekunde und eine Upload-Geschwindigkeit von 54,7 Megabit pro Sekunde. Bei beiden Zahlen handelt es sich um den Durchschnitt von drei mit deutlichem zeitlichem Abstand durchgeführten Messungen. Mit diesen Werten ist HMA! ein wenig schneller als üblich, die meisten Testkandidaten schafften sowohl beim Down- als auch beim Upload rund 40,0 Megabit pro Sekunde. Auch der Ping-Wert ist mit 30,7 Millisekunden unauffälliger Durchschnitt. An der Geschwindigkeit des VPNs gibt es also nichts auszusetzen.

Das Servernetz von Hide My Ass! ist relativ gut ausgebaut. Zum Testzeitpunkt (Mitte März 2019) betrieb der Anbieter mehr als 930 einzelne Server. In größeren Staaten wie den USA gibt es mehrere Server an unterschiedlichen Standorten. Sehr beeindruckend ist die große weltweite Verteilung der Server: HMA! hat Server in mehr als 190 Staaten stehen. Zum Vergleich: Die Vereinten Nationen (UNO) haben 193 Mitgliedsstaaten. HMA! kann also mit Fug und Recht behaupten, in beinahe jedem Land der Erde mindestens einen Server zu besitzen.

Obwohl das Filesharing von urheberrechtlich geschütztem Material verboten ist, funktionierte es im Test mit einer Datei, die legal verbreitet werden darf (Image-Datei von Linux Mint), tadellos und schnell. Auch mit der Nutzung des Streaming-Anbieters Amazon Prime Video hatten wir keine Probleme. Den BBC iPlayer und Netflix brachten wir hingegen nicht zum Laufen. Obwohl HMA! speziell für das Streaming optimierte Server betreibt, gibt es damit also Schwierigkeiten. Dem unkomplizierten Streaming-Erlebnis, das NordVPN bietet, kann HMA! nicht das Wasser reichen.

Benutzerfreundlichkeit6,66

Die Benutzung von Hide My Ass! ist ausgesprochen einfach. Die Installation unter Windows 10 verläuft reibungslos. Sobald das Programm installiert ist, genügt ein Knopfdruck, um sich mit dem schnellsten VPN-Server in seiner Umgebung zu verbinden. Anders als anderen ähnlich einfachen Programmen gelingt es HMA! allerdings, sowohl den Bedürfnissen von Anfängern als auch denen von Powerusern gerecht zu werden. Möglich wird das durch einen Client, der drei verschiedene Modi unterstützt:

Im „Sofortmodus“ reicht ein Klick auf „Verbinden“. Die Software wählt dann automatisch den schnellsten Server in der Umgebung aus. Im „Standortmodus“ bekommt der Anwender die Möglichkeit, gezielt einzelne Standorte oder sogar Server auszuwählen. Der „Freiheitsmodus“ funktioniert ähnlich wie der „Sofortmodus“, stellt allerdings immer eine Verbindung zu einem Server in einem zensurfreien Land her.

Apps für andere Plattformen

Die Android-App funktioniert ganz ähnlich. Nutzer, die mit der Windows-Version vertraut sind, finden sich dort schnell zurecht. Etwas ärgerlich ist jedoch, dass die Einstellung „Weitergabe von Analytics-Daten“ standardmäßig aktiviert ist, sodass anonymisierte Daten zur App- und Gerätenutzung automatisch an den Anbieter weitergeleitet werden. Diese Einstellung befindet sich zudem als einzige Einstellung in einer zweiten Menüebene des Einstellungsmenüs, so als wäre sie absichtlich versteckt worden.

Schön ist, dass HMA! auch an Linux-User denkt. Diese müssen allerdings auf das benutzerfreundliche grafische Unser-Interface verzichten, für sie gibt es nur ein Kommandozeilenskript. Des Weiteren stellt Hide My Ass! Konfigurationsanleitungen für die Drittanbieter-Clients OpenVPN und Tunnelblick bereit. Das freut Anwender, die gern alle Details im Blick haben und sich nicht davor scheuen, bei der Konfiguration selbst Hand anzulegen. Auch diverse Router können für die Verwendung mit HMA! konfiguriert werden. Was allerdings fehlt, sind Browser-Plug-ins – die allerdings ohnehin nicht nötig sind, wenn der Rechner oder sogar das gesamte Netzwerk über das VPN ans Internet angebunden ist.

Hilfe & Support10,00

HMA! ist umfassend dokumentiert, sodass beim interessierten Nutzer kaum Fragen offenbleiben. Zu beachten ist allerdings, dass zwar die Mehrheit der Artikel auf Deutsch übersetzt wurde, manche jedoch nur auf Englisch verfügbar sind. Nicht immer ist es ganz einfach, in der Fülle der Informationen den richtigen Artikel zu finden. Das Inhaltsverzeichnis beziehungsweise die Artikelübersicht ist etwas dürftig und enthält bei weitem nicht alle Texte, sodass der Anwender meistens über die Suchfunktion gehen muss, um die gewünschten Informationen zu finden.

Der Support spricht Deutsch. Das ist bei VPNs selten, da die Anbieter meistens internationale Unternehmen sind, die nicht für jede Region ein eigenes Support-Zentrum unterhalten. Hilfesuchende haben die Möglichkeit, die Service-Mitarbeiter per E-Mail sowie über ein Chat-Widget auf der Website zu erreichen.

Zusammenfassung6,80

Für Hide My Ass! spricht das gut ausgebaute, globale Servernetzwerk, das angenehm flotte Verbindungsgeschwindigkeiten zulässt. Das Programm verfügt über verschiedene Features, die für Poweruser gedacht sind, ist aber aufgrund seiner einfachen Bedienung auch für Einsteiger geeignet. Zudem können Nutzer auf eine umfassende Dokumentation zurückgreifen, die ihnen die Verwendung von HMA! mit einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte ermöglicht. Ein kleines Plus ist auch der erfrischende Web-Auftritt mit dem frechen Esel Jack als Maskottchen.

Anwender sollten allerdings bedenken, dass für Hide My Ass! das Umgehen von Zensurmaßnahmen im Vordergrund steht. Der Schutz der Privatsphäre scheint hingegen zweitrangig zu sein, der Anbieter legt relativ großzügige Logs an und hat in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, dass er bereitwillig Daten an Behörden weitergibt. Dabei stellt sich die Frage, ob sich Überwachung und Zensur überhaupt klar trennen lassen oder ob es sich um zwei Seiten derselben Medaille handelt. Je nachdem, wie ein potentieller Kunde diese Frage für sich selbst beantwortet, disqualifiziert die Haltung von Hide My Ass! den Anbieter als vertrauenswürdigen VPN-Dienst – oder eben nicht.